Monatsarchiv: Februar 2011

Trauerspiel

Warum ist es so schwierig Freundschaften auf zu bauen? Klar, man lernt jede Menge Menschen kennen aber in den meisten Fällen entwickelt sich keine grossartige Verbindung. Neben Sympathie und Interessen bestimmen oftmals die persönlichen Gewohnheiten und Lebensumstände inwieweit man sich mit jemand anderen anfreunden kann. Wenn man eingekeilt ist zwischen Job und Haushalt bleibt oft zwangsläufig wenig Raum für Gespräche jenseits des Alltags. Dies fördert Monotonie und Langeweile. Dies ist Ausdruck von gesellschaftlichen Strukturen. Wenn der Job intensiver und ausführlicher wird muss zwangsläufig etwas anderes darunter leiden. Wer mehr arbeitet hat mehr Geld für Freizeitaktivitäten, dafür aber auch weniger Freizeit. Die stetige Fortsetzung der Arbeitstätigkeit erklärt Einverständnis mit der fortwährenden Arbeitsintensivierung und damit auch der Zerstörung von Freizeit. Schon jetzt dominiert Arbeit alles, jegliche Freizeitaktivität funktioniert fast nach demselben Schema, wer ist leistungsfähiger, wer ist Gewinner und Verlierer, sei es im Sport, bei Computerspielen oder Diskussionen über irgendwas. Man merkt wie die Grenzen verschwimmen. Wir müssen jederzeit erreichbar sein, möglichst flexibel sein und vielfache endlose Weiterbildungen als nützliche Qual für den Erwerb oder Erhalt eines Jobs betrachten. Ständig wird mehr gefordert, mehr Einsatz, mehr Disziplin, mehr Gehorsam und so weiter. Klar, keiner muss lernen oder arbeiten jedoch muss jeder mit den tragischen unerträglichen Folgen leben sofern er sich tatsächlich konsequent verweigert und wer will das schon? Wir sind isolierte Kapitalsoldaten und langweilen uns weil wir immer nur auf eine primitive Art und Weise funktionieren müssen. Bei all den Aufgaben und Herausforderungen die der Markt so bietet geht es von Anfang bis Ende nur um den Profit. Dies ist der schöpferische Prozess der Zerstörung. Wir produzieren um Geld zu verdienen und bedienen uns bis zur restlosen Selbstopferung bei uns selbst und der Natur. Umweltzerstörung und Zivilisationskrankheiten haben einen gemeinsamen Nenner, genauso wie die Monotonie, die offensichtlich hilflose Politik und die sich immer weiter annähernden Parteien. Es gibt diesen roten Faden der sich durch alle Branchen und Bereiche der Gesellschaft zieht. Aber solange die Menschen sich keine Zeit für ihn nehmen, existiert er für sie nicht und alle genannten Beispiele erscheinen willkürlich und an den Haaren herbeigezogen.

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Eingeordnet unter Gesellschaft

Ein Leben in der Hölle

Angesichts der Menschenmassen zwischen Rolltreppen, Beton und Metall kann man schon in Verzweiflung verfallen. Hübsche, hässliche, dumme, schlaue Menschen ziehen eilig aneinander vorbei, haben Termine und Ziele, telefonieren, spielen mit dem Handy, reden über Partys oder Geschäftliches. Soviel Getue als ob alles seine Ordnung hätte. Egal wie sie sind, sie sind vorallem Konkurrenten. Sie konkurrieren um einen Platz an der Sonne. Irgendwie glauben sie fest daran auf dem besten Weg zu sein. Gut, manchen ist klar sie sind nicht auf der idealen Linie und sind dementsprechend drauf. Andere, Bettler und Obdachlose die auch zum alltäglichen Bild gehören, haben längst aufgegeben und sich mit dem Abstieg angefreundet. Doch die anderen kämpfen noch und versuchen die Armut in ihrem Alltag zu verdrängen. Schicke Klamotten, dicker Schmuck, aufwändiges Makeup, können nicht über diese innere Leere hinweg täuschen. Was macht deren Leben schon aus? Das sind lediglich Konsumzombies, Verbraucher, Konsumenten, Arbeitnehmer, Funktionsidioten die am liebsten Maschinen wären. Ständig wird an irgendetwas gearbeitet, an der Karriere, am Outfit, am Körper, an der Beziehung oder an der Wohnung. Zutun gibt es immer irgendetwas. Es gibt immer die Möglichkeit sich auszublenden. Für viele ist das eine derart normale Gewohnheit, für sie ist das Leben. Für mich ist es ein Alptraum. Wie kann man Staus, überfüllte U-Bahnen, Fast-Food-Restaurants, Discounter und Bürogebäude ertragen? Wieso akzeptieren wir die permanentene Normierung und damit Zerstückelung unseres Lebens? Der ganze Alltag besteht darin vor Automaten, Maschinen zu warten, sie zu bedienen und am liebsten würden wir das auch mit allen Menschen so machen. Wohin soll uns das Ganze führen? Stellt sich überhaupt jemand diese Frage? Großstädte sehen für mich so aus als könnten sie jeden Moment explodieren oder implodieren. Da werden Katastrophen verwaltet und verdrängt. Menschen wühlen im Müll und einen halben Meter weiter küsst sich ein junges verliebtes Paar, streichelt eine Mutter ihr Kind, nuckelt ein Penner an seinem Bier, fährt der Lamborghini eine Taube platt. Diese Zustände die unerträglich sind werden von anderen gar nicht gesehen weil sie nur Augen für ihr Leben und ihr Nest haben. Sie klammern sich regelrecht an die minimale Portion Glück und Hoffnung die ihnen noch geblieben ist, sei es der Partner oder das Kind oder ein bestimmtes Hobby oder ein bestimmter Job in dem sie noch irgendwie erfolgreich sind oder Freude haben. Aber ringsherum sind offensichtliche Beschädigungen des sozialen Gefüges am ausbrechen. Die Seuche der Ignoranz und Gier greift um sich während die Leute immer noch glauben all das wird sich noch zum Guten wenden. Aber nichts wird dahingehend passieren. Wir sind verloren weil wir uns selbst verloren haben. Wo ist denn noch der Bezug zur Natur in einem U-Bahn-Schacht? Wo ist denn noch die Liebe zu den Elementen in abgeschotteten Bürogebäuden? Es ist gräßlich und traumatisierend. Wer dies akzeptiert und darin funktioniert ist die Krebszelle die diesen Organismus namens Erde vergiftet und zerstört. Man muss rebellieren. Man muss sich weigern zu funktionieren. Es ist erforderlich auf die Entfremdung und Ignoranz hinzuweisen. Manche Menschen besaufen sich in aller Öffentlichkeit um völlig kaputt in irgendeiner Ecke zu verrotten, es sind Obdachlose, es sind Punks, es sind auch ganz einfache Leute die in ihrer Freizeit zuviel Party gemacht haben, – sie alle setzen ein Statement: Sie können das alles nicht mehr ertragen ohne eine ordentliche Portion Selbstzerstörung. Alkohol ist Nervengift. Nikotin hat eine ähnliche betäubende und zerstörende Funktion. Und der ganze Zucker und das Fett in den Lebensmitteln haben auch eine äußerst beruhigende Funktion. Ich denke das macht den Erfolg von Junk und Fast Food genauso aus wie von Zigaretten, Alkohol und sonstigen Geschichten mit ähnlicher Wirkung. Ablenkung, die Suche nach dem Ruhepol, der Quelle an der man wieder Kraft auftanken kann und zu alter Stärke finden kann, all das verbindet viele Menschen. Es ist kaum zu glauben wie ähnlich wir uns alle sind. Wir versuchen uns zu unterscheiden mit Klamotten, Autos, Erfolgen, aber das ist alles nur oberflächlich, denn in Wahrheit sind wir alle gleich was grundlegende Bedürfnisse angeht. Wir brauchen Anerkennung, Nähe, Vertrauen und Stabilität. Aber wir entziehen mit unserem bewusstlosen Dasein die Grundlage die für die Befriedigung dieser Bedürfnisse erforderlich ist. Wer kapitalistisch lebt, also nur für die Profite arbeitet und dieses Muster der Leistungsintensivierung und -maximierung verfolgt, zerstört nicht nur sein eigenes Leben, er zerstört überhaupt das Leben an sich. Er ignoriert nicht nur die Vielfalt, er zerstört die Bedingungen für die Entfaltung von Vielfalt. Wer sich den Rationalisierungen unseres wirtschaftlichen und politischen Systems unterordnet darf nicht damit rechnen das er in Zukunft glücklicher wird.

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Sprengt die Konzerne, Parlamente und Nationen

Die Aggressivität als Ausdruck der Verlogenheit, Ignoranz und Verzweiflung ist in allen Lebensbereichen erkennbar. Ob auf dem Weg zur Arbeit/Schule auf den Autobahnen und Straßen, ob in den Schulklassen oder am Arbeitsplatz, der Krieg zwischen den Menschen gestaltet sich nicht mit Kugeln sondern mit Zielen wie man die eigene Karriere vorantreiben kann, wie man die Profite des „eigenen“ Unternehmens vorantreiben kann. Jede Minute am Arbeitsplatz oder in der Schule ist eine verlorene Minute, weil wir uns in dieser Zeit mit Dingen auseinandersetzen die uns das Leben nicht genießen lassen. Wem dienen die Noten, wem dienen die Banknoten? Kann man davon sprechen das sie uns allen mehr Glück, Ruhe und Genuss verschaffen? Fettleibige, Raucher, Drogenabhängige, Geldfixierte sehen nicht sonderlich glücklich aus. Was ist mit den Milliardären? Sind das die glücklichsten und besten Menschen? Sind das unsere Götter? Wollen wir nicht alle reich sein? Wenn wir es nicht wollen, warum setzen wir uns so unter Druck? Man wird auf die Erde geworfen, lernt seine Eltern lieben und versteht das etwas zwischen dieser Liebe steht. Nämlich die Angst der Eltern, das Kind wäre nicht gut genug, wird Probleme haben sich im internationalen Konkurrenzkampf durchzusetzen. Davon weiß man als Kind natürlich überhaupt nichts und versucht stattdessen instinktiv die Angst der Eltern, die selbstverständlich deutlich spürbar ist, mit eigenen Leistungen zu vertreiben und damit wieder Platz für die Liebe zu machen. Das Leistungsstreben der Leute, was von einigen verblendeten Menschen als Triebfeder des Fortschritts bezeichnet wird, ist nichts anderes als das Streben nach Liebe. Und weil keine Leistung alle Ängste auf Dauer vertreiben kann, gibt es kein „genug“. Wir sind immer gierig und hungrig nach der Anerkennung die wir in der Kindheit nie erlebt haben. Manche hatten Glück, keine Frage, aber der Masse geht es eindeutig anders. Warum sonst haben wir soviele Drogentote, Suizide, Depressive, Burnouts, Stresssymptome, woher kommt der Drang der Leute sich und andere zu belügen und zu betrügen? Warum sollte das uns in irgendeinerweise zu etwas besseren führen? Offensichtlich wird es nicht besser, die Müllberge wachsen am Land genauso wie auf See. Wenigstens krabbeln auf den Müllinseln der Weltmeere noch keine verdreckten Kinder ohne Perspektive herum. Ich verabscheue die Poliitk, mich widert das Bildungssystem an, ich kriege das kalte Kotzen wenn ich unser wirtschaftliches System sehe. Alles ist so strukturiert und gestaltet das man als mitfühlender und mitdenkender Mensch gebrochen wird. Alles ist normiert und erfordert Anpassung und ein zerstückeltes kurzsichtiges Weltbild und Empfinden. Wer will denn „Chicken Wings“, wer will denn Uhren mit Leder, die fiktive Uhrzeiten anzeigen, wer will denn überteuerte Fahrzeuge die einen von einer Wüste in die nächste bringen? Das müssen doch alles totale Vollidioten sein die soetwas mit Genuss kaufen. Aber ich will mich nicht herausnehmen, ich bin genauso schlimm. Ich kaufe auch irgendeinen Massendreck und vergifte mich und andere so effizient wie es nur geht. Hierauf habe ich stets mit Ekel und Abscheu reagiert, mein Ventil war Black Metal und ist es immer noch, aber ich bin dabei zu lernen. Widerlich wie die Menschen sich in den Katastrophen einrichten, achselzuckend Verkehrs- und Hungertote hinnehmen, anstatt den Verkehr einzuschränken und Essen zu verschenken. Anstatt das Ziel der Produktionsweise zum Wohl aller Menschen zu ändern, spalten sich die Menschen lieber auf, streiten sich um jeden Euro, gucken das sie möglichst schicke Klamotten dafür kriegen und holen sich einen darauf herunter. Als ob das alles irgendetwas bedeuten würde. Mich widert das unendlich an. Wie kann man Familien zeugen in so einer kaputten Welt? Gibt es einen größeren Akt des Wahnsinns? Aus meiner Sicht leben wir alle in Konzentrationslagern, nur sind wir Juden und Wärter zugleich. Wir peinigen uns mit Schlägen, hungern uns schlank, arbeiten uns kaputt und mit letzter Kraft werfen wir Nachwuchs zwischen Blut, Kot und Leichen. Da braucht man sich nicht zu wundern wenn sich die Geschichte wiederholt. Wir bestimmen die Regeln, aber wir bestimmen zurzeit lieber wer sie in welcher Form für uns macht und meckern hinterher wie falsch und hohl die Regeln und Regelmacher doch sind. Ja, die Ketten schmerzen, sie stumpfen uns ab, treiben Leere und Kälte in den Körper und die Seele, aber den Schlüsseln halten wir permanent in den Händen. Ganz ohne Metaphern: Die Parlamente aller Welt verwalten den Irrsinn und belügen uns nicht nur alle paar Wahlen. Wir glauben ihnen, lassen uns beruhigen, damit wir weiter in Ruhe konsumieren und arbeiten können. Klar, der Konkurrenzkampf wird stärker, die Gehälter stagnieren, während die Vermögen kleiner Minderheiten wachsen, wen interessiert das schon? Es muss ja irgendwie weitergehen. Keine Experimente! Bloss nicht! Es könnte ja etwas verändern, es könnte uns ja weiterbringen. Die Angst hält uns davon ab. Wir glauben nicht an uns. Wir glauben wir sind nicht gut genug für das Leben ohne Lohnabhängigkeit, ohne Parlament, ohne Parteien und Landesgrenzen. Wer braucht Führungspersonen? Wer braucht diese ganzen Affen die nur sich selbst helfen können? Hören wir doch auf diesen Lügen zu glauben. Wir sollten akzeptieren das nur wir selbst unsere Bedürfnisse erkennen und befriedigen können. Das muss organisiert werden mit möglichst wenig irrationaler dogmatischer Struktur. Wann werden wird den Mut haben die Minister und Bosse hinfort zu jagen, sie zu ganz gewöhnlichen Mitmenschen zu machen? Wann hören wir auf Angestellte zu sein, hören wir auf Schüler zu sein? Wann hören wir auf Leistungsdruck und Konkurrenzkampf als Naturgesetze zu verstehen? Ich will die Parlamente sprengen, ich will die Mauern in den Köpfen sprengen, ich will endlich frei atmen ohne Furcht vor Gift, Lüge und Zwietracht! Das muss doch möglich sein! Es ist unserer Pflicht, wollen wir eine Zukunft haben. Eine Zukunft die mit wirklichen Leben erfüllt ist. Einem Leben voller ereignisreicher Augenblicke. Was erleben wir denn in der Schule? Was erleben wir denn in den Konzernen? Graue Scheiße die uns alle erniedrigt und frustriert. Es gibt keinen Grund das länger hinzunehmen. Lasst Euch nichts anderes einreden! Organisiert Euch, diskutiert, protestiert und setzt neue Lebensformen durch! Demokratie von unten, Betriebe müssen solidarisch anhand unserer Bedürfnisse organisiert werden. Wir sollten auf Profite scheißen, genauso wie wir auf Noten scheißen sollten. Wen interessiert denn bitte sowas? Wo soll uns das hinführen? Wir sind hier um das Leben zu genießen und zu gestalten, nicht um uns mit krankhaften Perfektionismus und Bulimielernen zu missbrauchen. Rationalisierungen und Optimierungen sollten nur noch stattfinden wenn wir dadurch mehr Freizeit haben. Schulen sollten vorwiegen so organisiert werden das wir alle Spaß daran haben. Es gibt hunderttausende Möglichkeiten die momentan ignoriert werden!

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Eingeordnet unter Emotionales

Sabotiert die Wüsten

Das wichtigste in unserer Gesellschaft ist der Profit und dessen Maximierung. Die Politik mit all ihren Parteien und die Wirtschaft mit all ihren Branchen orientiert sich zuerst am Profit. Deshalb herrscht über alle Menschen und auf allen Kontinenten, von der Geburt bis ins Grab, unendlicher Konkurrenzkampf und Leistungsdruck. Es gibt immer mehr Verlierer als Gewinner. Daher wachsen Zivilisationskrankheiten, Einsamkeit, Orientierungslosigkeit, Lethargie, Apathie, wächst die Umweltzerstörung und die Tierquälerei. Menschen die sich nicht kennen und nicht lieben zeugen ungeliebte Kinder, die sie auch nie richtig kennenlernen, die wiederum in Betonlandschaften Amok laufen nachdem sie in Lernfabriken und in besagten kaputten Familien mit hohlen Befehlen und Sprüchen missbraucht wurden. Arbeitslosigkeit, Kinder- und Altersarmut, Obdachlose, Suizide sind notwendige Koleratalschäden, wie ermordete Zivilisten im Krieg, um die Maschinerie fortzusetzen. Wir sind als Treibstoff in diese Maschinerie hineingeworfen, gebrochen und gezüchtet worden um zu funktioniert. Jeder Versuch Gefühle zu empfinden muss als Kritik am System verstanden werden. Die Vernichtungswelle vergrößert sich in jeder Sekunde, wird in all die Winkel des Lebens getragen wohin die Menschen mit ihrem Profitstreben gelangen können. Jeder Schultag, jeder Arbeitstag, ist ein verlorener Tag im Paradies, ist ein Akt der Zerstörung, eine Vergewaltigung unserer Natur. Die Menschen organisieren die Hölle auf Erden, immer im Sinn die Profite und die darauf aufbauenden Illusionen. Wir sollten die Dinge so sehen wie sie sind und nicht so wie sie sein sollten. Deshalb müssen Staaten, Parteien, Konzerne, alle darin befindlichen Hierachien und Ideologien als unnützes giftiges Zeug erkannt und vergessen werden.

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Eingeordnet unter Gesellschaft

Gleichgültigkeit im Maßanzug

Wenn man als Arbeitnehmer kündigt braucht man nicht erwarten das der zuständige Personalleiter, Abteilungsleiter, Niederlassungsleiter oder Chef irgendeine Form der Emotion zeigt. Im Grunde genommen ist es diesen Typen scheissegal aus welchen Gründen man ausscheidet. Sie sehen höchstens oberflächlich eine Persönlichkeit aus Fleisch und Blut vor sich, in erster Linie rattern bei ihnen die betriebswirtschaftlichen Folgen durch die Birne. Die Frage warum jemand freiwillig geht, gerade in wirtschaftlich angespannten Zeiten, wird genauso wenig gestellt, wie um den scheidenden Mitarbeiter und dessen Erfahrungen gekämpft wird. Gleichgültig wird die Änderung im Abwicklungsprozess der Profitmaximierung hingenommen, ohnehin sind die Beziehungen untereinander als Kollegen begrenzt und distanziert, für die meisten ist die Arbeit eine einzige Quälerei die aus Liebe zur Familie, Geldnot oder Geldgeilheit ertragen wird. Es gibt Chefs die ihre Mitarbeiter allen Ernstes trotz dieser offenkundigen Fakten mit sozialistischen Sprüchen von Revolutionären wie Rosa Luxemburg motivieren wollen produktiver, im Sinne der Profite, zu arbeiten. So findet sich bei einer der vielen Emailansprachen auch der Spruch: „Wer nicht kämpft hat schon verloren.“ Diese Durchhalteparolen sind ein pikantes und entlarvendes Beispiel dafür wie tief die Ahnungslosigkeit und das Desinteresse um die Geschichte des Kapitalismus und der Arbeiterschaft sitzen muss. Selbst Führungspersonen, studierte Leute mit Jahrzehnten beruflicher Erfahrung, erschöpfen sich in Stumpfsinn nur um irgendwie den Laden am laufen zu halten und produktiver zu machen. Es ist auch scheiss egal ob das allen schadet, solange es keine ernsthaften Bewegungen oder brennende Strassensperren auf dem Weg zur Arbeit gibt werden diese Mitläufer weitermachen und glauben das sie mit ihren Überstunden, ihren dicken Gehältern, überteuerten Fahrzeugen, Klamotten und ihrer Überheblichkeit, Ahnunglosigkeit sowie Gleichgültigkeit gegenüber der eigenen Geschichte, sich selbst und anderen Kollegen richtig liegen. Für die ist alles in bester Ordnung jede Arbeitsflexibilisierung und -intensivierung, jede ihrer Arbeitsanweisungen erscheint ihnen als der einzig richtige und legitime Weg für das Glück aller, die Leute müssen nur brav arbeiten dann wird alles gut. Sie können sich nichts anderes vorstellen weil sie nie anders gelebt haben und sich auch nichts schöneres erträumen können als irgendwelche Führungsrollen zu schauspielern. Das wir alle besser dran sind ohne diese Hierarchien, ohne Wettbewerb, ohne Profitmaximierung, ohne Rollenspielerei und Gleichgültigkeit gegenüber anderen Menschen, deren Bedürfnissen und so weiter kommt diesen eindimensionalen Menschen tatsächlich nicht in den Sinn. Darin besteht die ganze Traurigkeit und Wüste.

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Eingeordnet unter Arbeitertagebuch

Abwesenheit der Reife

Ich trage wie die meisten Menschen Geschichten, Gedanken, Probleme, Visionen und Flausen mit mir herum. Es gibt niemanden dem ich davon erzählen und berichten könnte, zumeist fehlt die Zeit, das Interesse, Mitgefühl und so weiter. Viele haben ihre Jobs, Hobbys und gewohnten Menschen die sich zumeist nur oberflächlich verändern und verhalten. Das gibt Halt und Sicherheit, aber vorallem keine lästigen Veränderungen in Form von Erfahrungen und Erkenntnissen. Jegliche Unterhaltung die doch irgendwie stattfinden musste war für mich vorhersehbar. Ich darf nichts erwarten. Wieviel Lebensqualität erlebt ein durchschnittlicher Mitbürger wie ich? Gedrängel auf den Fusswegen, Strassen, an den Supermarktkassen und Bankautomaten, Gehetze zum Büro, im Büro und auf dem Weg nach Hause, Abgase in der Lunge, Müll, Kotze und Scherben zieren die Betonlandschaft wie speckige Fettringe und vergilbte Falten die Körper meiner Nächsten. Gehupe, beinahe und richtige Zusammenstösse von ökologischen und ökonomischen Wahnsinn, zwischen Plattenbau, vollgepissten vermüllten Spielplätzen, überfüllten Arztpraxen, unterbesetzten Schleckerläden und immer geöffneten Tanken, Burger-, Dönerbuden, Autobahnen und Flughäfen. Immer zischen Blechlawinen durch die planierten Pfade. Die Luft erscheint als tödliches Transportmittel für allmögliche Gifte. Überall schmeissen die Leute ihren Krempel herum, setzen Haustiere zur Urlaubszeit aus, werfen vollgepinkelte Flaschen ins Gestrüp und jammern über ihre Luxusprobleme. Inmitten dieser Wüste feiern meine Mitmenschen sich selbst und irgendetwas, vielleicht um all das besser ertragen zu können, um ihre Einsameit, Verzweiflung und Hilflosigkeit zu verbergen. Die ganze Welt ist zerrissen und voller endloser Schluchten in denen arme Seelen um Erlösung bitten. Die Sucht vieler Menschen nach unbefangener Freude die sie in Diskotheken, am Boden einer Wodkaflasche, den primären Geschlechtsmerkmalen von Fremden suchen, ist Ausdruck einer grossen Furcht. Der Furcht vor der leeren Unendlichkeit in ihnen und um ihnen herum. All dieser Lärm in den Häuserschluchten, die Spektakel in den Medien und die Dramen in den Familien, die Konflikte ums Geld in den Konzernen sind vollkommene Leere und stehen als lebendige stinkende zersetzende Wahrzeichen für das blanke Entsetzen und die Trostlosigkeit die diese untoten Menschenmassen mit Blut und Tränen verbreiten. Übelkeit, Ekel, Trauer, Apathie und Depressionen gehören zu den einzigen verlässlichen Gefährten in diesen Wüsten voller Schlachtfelder. Wer will da schon irgendetwas erwarten? Jedes Wort ist überflüssig. Die Menschen richten sich in der Katastrophe ein und werden so selbst zu einer. Ich spüre wie es mir langsam egal wird. Es ist wie eine Transformation zu einem Zombie. Die Allgegenwärtigkeit der Ignoranz impft einem täglich ein das es sich nicht lohnt das eigene Gewissen zu hören. Was bleibt einem übrig. Isoliert durch Profitmaximierung und Konkurrenzkampf sind wir nach etlichen Jahrzehnten derart behindert und unfähig Alternativen zu erdenken das wir alle die es trotzdem probieren als Träumer und Spinner abtun. Wir sind trotz aller Fortschritte kein bisschen reifer geworden.

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Eingeordnet unter Gesellschaft

Allmächtiger Kern

Das Schlimmste ist die stetige Wiederholung der ewigselben Problematik. Ständige Wiederkehr von Phrasen, Sprüchen, Situationen, alles scheint vorprogrammiert. Man kann heute sagen wie es morgen oder die nächsten Wochen, Monate und Jahre sein wird. Die Unterschiede und Veränderungen sind immer nur oberflächlich. Es gibt andere Kollegen, es gibt andere Satzstellungen, sanftere oder boshaftere Äußerungen, es gibt freundliche und unfreundliche Chefs und alles scheint überhaupt keine Rolle zu spielen für den Kern, der uns alle in die Büros dieser Welt treibt. Jegliche Spontanität wird aus den Individuen gesaugt, die Individuen existieren nur noch für diesen Kern. Der wesentliche Kern jeglichen Treibens der die Leute zusammenhält, der sie gemeinsam kämpfen lässt, obwohl sie sich selbst und alle anderen verabscheuen. Wenn Plakete im Büro hängen die so etwas dämliches sagen wie „Service ist unsere Leidenschaft“ oder „Wir hängen uns voll für unsere Kunden rein“ mit entsprechenden Sinnbildern darüber, dann spielen sie auf diesen Kern an der unsere Familie, Umwelt, unser ganzes Leben vergiftet. Der Kern ist die Profitmaximierung, die maximale Verwertung menschlicher Arbeitskraft, die Intensivierung des Arbeitsprozesses. Jegliches Gelächter der Kollegen an guten Tagen kann nicht über diesen Kern hinaus gelangen. Nichts, weder der Urlaub, die Freizeit, das Intimleben kann diesen Kern aufheben und nichtig machen. Alles geht von ihm aus und alles bezieht sich auf ihn und entsprechend stark ist seine Sogwirkung auf alle Generationen. Blind wird darauf vertraut das die Ordnung der viele Millionen Menschen folgen schon seine Richtigkeit hat. Als ob den Leuten schon immer nichts anderes übrig blieb sich den Verhältnissen hinzugeben. Als ob die Leute schon immer so hörig den Gesetzen des  Kapitals und der herrschenden Klasse waren. Jeder der diese Ordnung, die in Wahrheit Chaos ist, als das erkennt und artikuliert was sie ist, wird als Nestbeschmutzer, Eigenbrödler oder schlicht als Mensch mit negativer Einstellung abgewertet und abgefertigt. Die ganze Problematik spitzt sich so noch weiter zu. Wie erklärt man einen Kranken der sich für gesund hält, wie krank er eigentlich ist? Wie kann man als Infizierter, als von der allmächtigen zerstörerischen Ordnung Bedrohter überhaupt gegen den Kern ankommen? Man wird von ratternden Motoren genauso überfallen wie von den sich ständig ausweitenden Industriegebieten und Asphaltlandschaften. Es stinkt ständig nach Verwahrlosung, in Form von Öl, Benzin, Urin usw. Man muss darauf achten nicht in zerbrochene Bierflaschen der letzten Trunkenbolde zu treten, oder in die Kackhaufen von geliebten neurotischen Haustieren. Achtlos wird diese Umwelt betreten, benutzt und weggeworfen als würde es sie immer geben unabhängig davon was wir als Menschen so machen. Völlig abgeschottet sitzen die Leute in ihren überteuerten Fahrzeugen auf dem Weg zur Arbeit, zum Discounter, zur Disco oder zum Urlaubsziel und begreifen dabei gar nicht wie sie modern und bequem die Erde unbewohnbar machen. Wie kann man soetwas aufrütteln ohne gleich als Öko, Kommunist und so weiter beschimpft zu werden? Die stetige Wiederholung muss endlich gebrochen werden. Der Kern muss offenkundig gemacht werden. Ob das letztlich die Menschen überzeugt die sich in all diesen Katastrophen wohl fühlen bleibt fraglich.

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Eingeordnet unter Arbeitertagebuch