Monatsarchiv: Januar 2011

Ode an die Säure

Entsetzliche Haltlosigkeit zwischen Beton und Stahl, abgebrochene Menschen stürzen sich durch die Trümmerfelder. Brechgeräusche, ängstliches Wimmern in den Sätzen, in den Hallen und Gängen der sumpfigen Welten.  Müde schleppt der Wind die Blätter über die traurigen Köpfe hinweg.  Krachende Maschinen scheppern durch die Todeszone. Gedärme am Straßenrand.  Taube treffen Blinde treffen Stumme. Gegenseitige Behinderungen, Verunsicherungen zwischen den Zwängen. Es wird getanzt im Elend nebst Hunger- und Drogentoten. Freundlich lächeln wir uns im Kriegsgebiet an. Leichen in den Gedanken. Gestank in der Bewegung. Edle Klamotten darüber, Verzweiflung darunter. Alles in Ordnung. Kinder planschen in millionen Tränen während Bomben auf ihre Eltern fallen. Es duftet nach Burgern, Dildos vibrieren, Haustiere werden geschlachtet und mit leckeren Gewürzen angeboten. Gelächter. Blicke treffen sich, das Sperma spritzt ins Gesicht. Manchmal fühlen wir uns glücklich, dann wieder nicht. Kot fällt ins Wasser, Spülgeräusche.  Hände waschen. Hände schütteln. Masturbation. Finger in den Hals, ich möchte kotzen bis in den Tod. Abgetriebene fahren mit ihren Patschehändchen durchs Haar des momentan angesagten Topmodels, welches sich immer noch für hässlich hält. Dann gibt es Napalm zum Frühstück, während Konsumenten den neusten Joghurt aus vereiterten Eutern feiern. Ewige Trümmerfelder, Betonlandschaften, Kriegsgebiete, Kampfzonen. Da treibt man durchs Nichts und kann nichts tun. Selbstmord in der Dusche, vor dem Zug, im Wasser,  durch einen Aufprall. Fliegen und alles vergessen. Trauer, Wut, Verzweiflung, keine Rettung, durch nichts und niemand. Folter die durch nichts gerechtfertigt ist, eine ständige Wiederholung derselben Aufgabe, derselben Übung, bei einer stetigen langsamen Verschlimmerung der Zustände. Die Qualen nähern sich der Unerträglichkeit und die Menschen kaufen sich Scheiße die sie am atmen hindert, sie kacken sich gegenseitig ins Hirn und verpesten den Moment und die Ewigkeit. Das ist Leben. Das ist die Moderne. Wirres Gewäsch, applaudiert endlich, hackt Euch die Hände ab. Flucht mit allen Mitteln.

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Industriegebiete sind Kriegsgebiete

Aus allen Ecken strömen die Fahrzeuge, die Menschen mit ihren Partnern, Familien zu den Discountern. Sie schieben sich mit Einkaufswägen und Nachwuchs durch die Regale, greifen nach Angeboten und Fertigprodukten. Eingeschweißte Tierkadaver werden als herzhafte Schinkenstückchen angepriesen. Die Mütter streiten mit quengelnden Kindern, die Väter jammern alles tragen zu müssen, die alleinlebenden Rentner eiern still mit dicker Brille und zotteligen Haaren durch die Gänge. Ich weiß wie immer nicht was ich nehmen kann. Die bunten Bilder, die frechen Sprüche, die winzigen Inhaltsangaben befremden mich. Was soll ich damit anfangen? Ständig lautert mir einer auf, gehetzte Leute drängeln sich links und rechts an mir vorbei. Kein schöner Ort. Von den Kassierinnen wirken manche kampferprobt, andere abgekämpft. Sie wechseln sich gegenseitig mit den Raucherpausen ab. Sie stehen dann neben dem Haupteingang und ziehen nervös am Stengel, während neben ihnen die Einkaufswägen krachen, die Autos vorbeiknattern und das ganze Grau sich über den ganzen Tag ausbreitet. Desillusioniert gehe ich zu einem anderen Discounter. Dasselbe Bild drängt sich mir auf. Beim Lieferanteneingang zieht eine junge Angestellte mit zugekniffenen Augen an der Kippe während sie von einem Bein aufs andere hüpft. Ständig kommen mir Fahrzeuge aus allen Richtungen entgegen. Passanten, Fahrradfahrer, Mütter mit ihren Kinderwägen mitten im Industriegebiet, mitten im Nirgendwo. Betonlandschaften, Blechlawinen, nasser Schauer und rauer Wind, Millionen Kieselsteine auf Asphaltwüsten. Grell  grüßt das Logo des Discounters untermalt von dudelndem Chartbrei aus mickrigen Lautsprechern am Eingang. Es gibt eine Bäckerei und eine Poststelle die im Discounter integriert ist. Die Mitarbeiter arbeiten flink und angestrengt daran die Menschentrauben vor den Kassen zu bewältigen. Ich irre durch die Warenvielfalt und verzweifle. Nichts scheint offensichtlich gesund und lecker zu sein. Überfordert versuche ich zu fliehen. Die Kassen sind verstopft. Eine weitere wird eröffnet. Eilig rammeln die Leute zur freien Kasse. Plötzlich sehe ich zum ersten Mal etwas was mir gefällt. Etwas das Hoffnung auf das Paradies erlaubt. Ein junges blondes Mädchen reibt sich doch tatsächlich in diesem tristen Abfertigungszyklus auf. Sie achtet darauf niemanden zu tief in die Augen zu sehen und sagt zu jedem Kunden exakt dasselbe. Schönen Guten Tag…, das macht dann…., sammeln Sie die Herzchen?, Schönes Wochenende…., Schönen Guten Tag…., das macht dann…, sammeln Sie die Herzchen?, Schönes Wochenende. Und immer scheint sie das als Theaterrolle zu verstehen, denn sie sagt es nicht, sie spielt es, sie singt es mit einer merkwürdig schiefen Melodie. Ob das bereits Anzeichen auf ein gequältes Inneres sind? Ich werde es nie erfahren, längst wurde ich eilig beiseite geschoben. Mir war die ganze Situation peinlich. Wie kann man als wundervoller Mensch, als einzigartige Persönlichkeit, sich den ganzen Tag für Geld einer so dummen Situation aussetzen? Das blonde Mädchen, ich muss nicht betonen wie hübsch sie war, verliert ihr Potential mit jeder Minute in diesem Drecksschuppen der nur auf Profit aus ist. Ich trauere um sie und ihre Möglichkeiten. Mehr noch als bei vielen anderen, bei denen es mir eigenartigerweise leichter fällt jegliche Hoffnung aufzugeben. Die zerbrochenen, gestressten Menschen die blind gegenüber den Verhältnissen aus blosser Gewohnheit irgendwelchen Schund kaufen der ihnen später im Weg steht oder die Gedärme zerfrisst. Die gesamte Palette der Schmierblätter in sämtlichen Discountern sind nahezu komplett voller Artikel die keinerlei Verbesserung für irgendwen bedeuten, hauptsache es wird irgendwas geschrieben das sich verkauft. Alles nur Ablenkung von den wirklichen Problemen der Leute. Warum nehmen das soviele hin, warum wird nicht gnadenlos auf diese Zerstörung der Menschen, der Tiere und Umwelt verwiesen? Nein, stattdessen wird über sich über Skandälchen und Symptome einer kranken Gesellschaft aufgeregt. Diese hässlichen Industriegebiete die die Menschen vergiften, gleichgültig ob Angestellte oder Kunden, breiten sich immer weiter aus während die Erholungsgebiete quasi verschwinden oder eingegrenzt werden zwischen Autobahnen, Hauptstrassen, Flughäfen, S-Bahnen, Güterzügen und so weiter. Was für eine grauenvolle Welt erschaffen wir hier tagtäglich? Was erhalten wir mit unseren Entscheidungen tagtäglich?

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