Monatsarchiv: November 2010

Der endlose Zwang sich selbst zu betrügen

Die Beschleunigung unseres Lebens entleert auch viele der Dinge die wir den ganzen Tag so machen. Alles wird zur Arbeit egal ob Sport oder Liebe, in immer mehr Bereichen unserer Gesellschaft existieren dieselben leistungsbezogenen Parameter. Wir hetzen von der Arbeit in den Discounter, kaufen uns Dinge die uns fett und krank machen, hetzen von dort nach Hause werfen die Sachen in die Mikrowelle, telefonieren dabei oder surfen im Internet, treffen uns hier und dort, quatschen Nonsens, übersehen die Wertlosigkeit und Leere bis sie uns am nächsten Morgen überfällt, wenn wir erneut den Trott zur Arbeit antreten müssen. Wir als absolute Gewohnheitstäter höhlen uns selbst ständig aus mit Tätigkeiten die uns nicht glücklich machen. Wir schauen Action-Blockbuster in denen Gewalt verherrlicht wird, Pornos in denen Menschen erniedrigt werden, gehen achtlos an Obdachlosen, Nutten, Dealern und dicken Autos vorbei. Wir jammern über unsere öde Arbeit, den autoritären Chef, die schlechte Bezahlung, das unbefriedigende Sexualleben, die ganzen Schlampen die einen nicht liebten und geben die Schuld den Politikern, dem System. Wir legen unsere Hände ohnmächtig in den Schoß und damit auch unsere Chance auf ein befreites Leben voller Entfaltungen. Angeblich ist Deutschland wie Europa und Amerika das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, das Land der Meinungsfreiheit und überhaupt der Freiheit. Nur warum bringen sich jährlich tausende Menschen freiwillig um, indem sie sich von Brücken stürzen, sich bei Flatratepartys vergiften, bei Abtreibungen verbluten und auf viele andere Arten? Warum gibt es keinen echten Wandel in dieser Welt? Alles wird immer schneller aber nicht besser. Der Fortschritt bringt uns weit weg von uns selbst. Wir langweilen uns obwohl es noch nie soviele Ablenkungsmöglichkeiten gab. Die Schule ist Zwang, die Arbeit ist Zwang, der Konsum ist Zwang, wir reagieren nur noch und sind blind für jeden Ausweg. Wir haben Angst vor grundlegenden Veränderungen. Jede Debatte über Ausländer, Kapitalismus oder Demokratie zeigt dies sehr dramatisch. Betonköpfe regieren uns weil wir sie gewählt haben. Wir wählen Betonköpfe weil wir selbst welche sind. Es fällt uns schwer den Fernseher wegzuschmeissen, Generalstreiks zu organisieren, Häuser zu besetzen, Forderungen zu formulieren und durchzusetzen. Wir waren schon immer verwöhnt, haben nie Krieg erlebt und doch waren wir einer ständigen Manipulation ausgesetzt. Die Schule wird gern als Ort der Bildung und Entfaltung bezeichnet, aber dort gibt es selten kritische Töne zu unserer Gesellschaft oder gar Konzepte wie man sie überwinden könnte. Woher sollte das auch kommen? Weder die Wirtschaft noch die Politik will irgendetwas überwinden. Sie sieht nur Zahlen, aber nicht das wahre Wesen der Menschen, deshalb werden die Menschen immer ärmer je mehr sie produzieren. Nicht nur die Menschen in Afrika hungern nach Leben, sondern auch wir. Menschen mit Übergewicht fühlen sich leer, weil sie Bedürfnisse haben die nicht durch Konsum zu befriedigen sind. Wer schützt uns vor dieser irrationalen grausamen Welt, die uns diesen ökonomischen und ökologischen Wahnsinn aufzwingt? Wir haben wohl nur uns selbst und wenn wir uns weiter verlieren, dann sind wir verloren.

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