Die Offene Universität in Berlin wurde geräumt

Wie auf einschlägigen Internetseiten zu vernehmen ist wurde die OUBS geräumt. Ich kenne das Projekt aus persönlicher Erfahrung und bin über die jetzige Räumung kaum überrascht. Ich habe unter dem Artikel folgendes geschrieben:

Ich kam im letzten Jahr über einige Monate mit diesem Projekt in Kontakt. Und es war für alle damaligen Beteiligten klar das dieses Projekt jederzeit geräumt werden kann. Trotzdem waren alle unfähig etwas starkes aus diesen Räumlichkeiten zu machen und es vor der Repression des Staates zu schützen. Dies lag vor allem an psychischen Störungen, Drogenkonsum, fehlender Kommunikation, mangelndem Engagement und nicht vorhandenen theoretischen Durchblick. All diese Faktoren wurden immer wieder angesprochen und insbesondere von langjährigen „Aktivisten“ ignoriert, nach dem Motto es liese sich schon aussitzen.

Die eigentliche Katastrophe war das tagtägliche Geschrei und Geprügel welches das gesamte Projekt in Ohnmacht hielten und die Bewohner wie ein Häufchen Elend im Exil saßen, mitten in der deutschen Hauptstadt, ein paar hundert Meter Luftlinie zur Bundesregierung. Es gab weder Öffentlichkeitsarbeit, weshalb niemand etwas vom Projekt wußte, noch gab es saubere Toiletten, genug Geschirr, Gerätschaften wie Pcs, Fernseher oder gar Internet. Es fehlte an allem, sogar an Ruhe um die wenigen interessanten Bücher zu lesen die irgendwo lieblos in der Ecke lagen.  Die Fenster waren kaputt, die Türen konnte man nicht richtig schliessen, die Matratzen waren teilweise vollgepisst und vollgekackt. Einige hatten Räumlichkeiten zu ihrer persönlichen Rückzugszone erklärt und schrien und schleppten jene heraus die es wagten darin einzudringen. Manche wurden geduldet, insbesondere junge Frauen die verzweifelt und traumatisiert genug waren den leeren Versprechungen von Drogen und der langjährigen „Aktivisten“  zu glauben.

Nicht nur das ist passiert, es gab Gerüchte das Pädophilie und Koprophagie genauso einen Platz in diesem Projekt fanden wie sexueller Missbrauch. Es gab regelmäßige Besuche von Menschen aus der Irrenanstalt, weshalb die OUBS von einigen Besuchern den fliegenden Begriff der Offenen Irrenanstalt erhielt. Es war lustig gemeint, aber auch die volle Wahrheit. Gerade dann wenn Betrunkene, Heroinabhängige,  Drogendealer,  Diebe, Ausgestossene und Herausgefallene jeder Nationalität und Altersgruppe in einem Raum versammelt waren. Ich habe mit ihnen unter einem Dach gelebt, mit ihnen am selben Tisch gegessen. Es sind Menschen wie Du und ich, verzweifelt, traumatisiert, ohne Perspektive. Man sollte all die schlimmen Taten die dort passiert sind nicht nur den Bewohnern anlasten, sondern vorallem fragen welche Gesellschaft soetwas über Jahre hinweg zulässt und überhaupt ermöglicht.

Die Zustände dort waren lange bekannt, nicht nur schlauen Professoren und Studenten, es gab hunderte Besucher,  u.a. von Psychologen und auch von der Polizei. Keiner hat auch nur einen Gedanken daran verschwendet alle Hebel in Bewegung zu setzen um a) den Bewohnern zu helfen und b) das Projekt in die Bahnen zu bringen in die es einmal war. Das Bildungssystem ist immer noch eine Katastrophe und die kapitalistische Verwertungsmaschinerie läuft gnadenloser dennje, die OUBS wollte nie etwas anderes als den Sturz dieser menschenverachtenden Verhältnisse, hatte aber vergessen bei sich anzufangen. Jetzt ist die Wut groß, wer ist schuld und warum hat man nicht gehandelt? Es ändert nichts an der Situation. Es wird immer wieder Hausbesetzungen und Projekte wie diese geben, solange sich die Verhältnisse nicht nachhaltig ändern. Trotzdem ist nun eine Chance vertan, weil man es nicht geschafft hat über den eigenen Schatten zu springen und mutig für eine Alternative zu kämpfen. Die Bedingungen waren am Anfang gigantisch und mit den Jahren ist alles zerfallen und in den gesellschaftlichen Abgrund gerutscht.

Wer Berlin kennt, der kennt auch das Elend. Der Kampf wird weitergehen und er muss anders als früher gekämpft werden. Ohne Gewalt und ohne Hetze. Der Polizist ist genauso arm dran wie der Obdachlose, er weiß es nur nicht so genau.

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