Monatsarchiv: Juli 2010

Geld oder Leben / Arbeiten oder Sterben

Ja, man hat recht wenig vom Leben wenn man in die Schule geht oder in der Arbeit sitzt. Viele Stunden verbringen wir damit zu funktionieren. Man verlangt von uns gute und sehr gute Ergebnisse zu erzielen, denn nur diese könnten zu einem besseren Leben führen. Dabei können uns gerade jene die diese Ergebnisse erzielen sagen wie wenig das stimmt. Es gibt niemals einen letzten Gipfel, eine letzte Herausforderung, einen letzten Erfolg also etwas derart herausragendes was nicht mehr getoppt werden kann. Es gibt immer neue Möglichkeiten, neue Aufgaben und neue Prüfungen die uns das Leben stellt bzw. die wir uns ausdenken. Insofern macht die Suche und das Streben nach Perfektion nicht automatisch ein besseres Leben. Eher ist es so, dass wir Gefahr laufen die wesentlichen Dinge des Lebens zu vergessen. Denn wenn wir derart beschäftigt sind Ideale zu erfüllen, wie es an den Schulen und Betrieben zu sehen ist, verlieren wir vor allem die Zeit das Leben zu genießen.

Ich kann sagen alle Menschen verloren zu haben die mir jemals etwas bedeutet haben. Nicht einmal meine Eltern verstehen mich, kennen mich und umgekehrt. Es ist ein absolutes Armutszeugnis. Wir waren die letzten 10 Jahre damit beschäftigt Ideale zu erfüllen, um Rechnungen bezahlen zu können. Vielen anderen Familien ergeht es nicht anders. Es gibt Streit um Nichtigkeiten, es gibt nur noch sporadisch an gewissen Tagen des Jahres, wie Weihnachten, Ostern und Geburtstagen, Treffen an denen man sich wenig zu sagen hat und Liebe ist wie das Gefühl von Geborgenheit vergilbt und fast zu einem Fremdwort verkommen. Wir haben viele Familiendramen, es gibt Gewalt, mit oder ohne Einfluss von Drogen, es gibt dieses wortlose nebeneinander Leben ohne sich zu küssen, leidenschaftliche Gespräche und Diskussionen zu führen. Diese Tage an denen man Fertigprodukte aus dem Discounter in die Mikrowelle schmeißt um möglichst wenig Zeit mit scheinbar unnützer Hausarbeit verschwenden zu müssen. Schnell wird Ablenkung gesucht im spielen von Computer- und Videospielen, dem sehen von Hollywood- und/oder Pornofilmen, dem lesen von spannenden Fantasyromanen, dem stemmen von Gewichten in Fitnesscentern oder massiven Drogenkonsum auf Partys und dem lecken von Mösen und Schwänzen deren Träger man oftmals noch weniger mag als sich selbst.

Wo führt es uns hin wenn wir so weiter machen? Es wird sich zuspitzen, ganz klar. Vielleicht in einem Bürgerkrieg, vielleicht auch nicht. Vielleicht wollen wir weiter diese verdeckten Kriege mit unsichtbaren Waffen kämpfen. Wir betrügen uns selbst wenn wir uns weiterhin an dieser Jagd und Hetze beteiligen. Wir können damit aufhören indem wir verstehen was wir wirklich brauchen. Es sind ganz einfache Stichworte die ich hier beispielhaft nennen will: Liebe, Geborgenheit, Ruhe und Humor. Was kann es denn wichtigeres und schöneres geben? Warum wollen wir das nicht vermehren? Warum lassen wir diese Zahlenspielereien nicht einfach los? Ist es nur die Angst Ablehnung und Isolation zu erfahren? Wir haben doch längst ein einsames und trauriges Leben durch die Jagd nach Schul- und Banknoten. Müssen wir uns denn erst wieder bis aufs Blut bekämpfen bis wir wenigstens ein bisschen umdenken? Lernt der Mensch nur wenn er in den Abgrund fällt? Wir geben die Antwort mit unserem täglichen Verhalten.

Es ist nicht leicht neben der Schule und neben dem Job neue Menschen und Lebensweisen kennen zu lernen. Lebenszeit ist wohl das höchste Gut was es überhaupt gibt, gerade dann wenn wir wie besinnungslose Zombies durch die Welt steuern. Es gibt wenig Raum für Alternativen. Eine der wichtigsten Fragen wird also sein, wie kann man mehr Zeit gewinnen für die wirklich relevanten Dinge des Lebens? Generalstreik an allen Schulen und Betrieben erscheint unrealistisch, weil niemand in der Lage ist so viele Menschen zu erreichen, auch wenn es durch das Internet theoretisch möglich wäre, wenn sich eine klare Agenda finden ließe die alle Menschen überzeugt. Ist es also die Aufgabe von uns, die einiges erkannt haben, diese Agenda zu formulieren? Oder führt das nur zu einer Diskussion die niemals enden wird? Vielleicht sollte hier gleich ein Ansatz einfließen, nämlich ein sehr wichtiger: Wir können Perfektion nicht erdenken, weil Denken und Wissen immer unvollständig bleiben wird. Wir können keine perfekte Agenda formulieren, die die Dinge sachlich richtig auf den Punkt bringt, weil es zu viele Faktoren zu berücksichtigen gilt. Offenbar ist das auch der Grund warum Parteien wie die Grünen und die Linke scheitern, – sie hatten gute Ideen, wollten grundlegendes reformieren, haben sich mit ihren Ansprüchen unheimlich viel auferlegt und sind kläglich darunter zusammengebrochen.

Wer also etwas verändern will muss verstehen das man die Menschen nicht überreden kann das Leben anders zu betrachten. Die Menschen müssen von sich aus lernen was ihr Leben so traurig und leer macht. Jeder einzelne Mensch muss seine eigenen Erfahrungen machen und daraus seine eigenen Bedürfnisse schöpfen und realisieren. Kein Staat, kein Betrieb und keine Schule kann das den Menschen abnehmen. Eine Pauschalisierung birgt den alten Geist der Idealisierung und damit der Sucht nach Perfektion in sich. Es darf also keine Agenda geben, es darf keine Parteien geben, es darf keine Schulklassen oder Betriebe geben die gegeneinander konkurrieren, sie haben alle ihre Berechtigung, sie alle sind irgendwie richtig aber auch irgendwie falsch. Wir sollten uns fragen wie wir die Gesellschaft in einen offenen Kreislauf bringen können, denn täglich kommen neue Menschen, also neue Möglichkeiten ins Leben und diese waren wir auch einmal, nur haben wir uns zu Betonköpfen entwickelt, die Aberglauben nachplappern, als wäre das die Wahrheit. Dabei gibt es keine Wahrheit, genauso wie es keine gerechten Kriege oder gerechte Politik oder Löhne gibt.

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Schulnoten und Banknoten sind Symbole unserer Bewusstlosigkeit

Es ist erstaunlich wie viel man innerhalb von wenigen 24 Stunden erleben kann, wenn man nicht den ganzen Tag damit verbringt Profite für einen Arbeitgeber zu erwirtschaften. Für Menschen die ihre Arbeit an dem immer selben Arbeitsplatz verrichten müssen, im Büro oder an der Kasse, bleibt wenig Raum für neue Perspektiven auf das Leben und vor allem für ihre eigenen Möglichkeiten ihr Leben zu gestalten. Genauso trifft das auf Schüler zu, sie sitzen ähnlich wie die Angestellten in den immer selben Gebäuden und Gegenden, wo eben der Schulbetrieb durchgezogen wird. Klar, man nennt das Heimat oder Standort, Industriegebiet, usw. Aber die Welt ist groß und weit, wir wissen das und langweilen uns schnell wenn sich immer wieder ähnliche Muster auftun.

Der Schulweg, der Arbeitsweg ändert sich oft über Monate und Jahre so gut wie gar nicht. Folglich hat man es mit den immer selben Schwierigkeiten und Besonderheiten zutun. Manche lieben das, es gibt ihnen Sicherheit, sie können sich klar daran orientieren, ihr Leben um diesen Mittelpunkt herumbauen und zementieren. Auch wenn sie dann schnell in Panik geraten wenn sich ein paar Kleinigkeiten ändern, beispielsweise die Wetterverhältnisse, oder schlimmer, wenn der Arbeitgeber sich einen günstigeren Standort für die Profitsteigerung sucht. Man hat Familie, Mietwohnung, Freunde und Bekannte, die man nicht missen möchte. Über die Jahre gewöhnt man sich an die immer selben Muster, stumpft ab, degeneriert, weil man die Isolation als Normalität verstanden hat. Dabei spricht eigentlich nichts dagegen gemeinsam mit seinen Freunden, der Familie durch Länder zu reisen, hier und dort zu leben. Wäre da nicht die Sache mit der Sicherheit. Wir sind Sicherheitsfanatiker, wir lernen schnell das wir Leistung bringen müssen um Geld zu erhalten, Miete bezahlen, Haus ab bezahlen, Urlaub und auch gewöhnliche Lebenshaltungskosten finanzieren zu können.

Wie kommen wir also zu Geld? Nur indem wir uns für die Arbeitgeber flexibel machen. Wir erklären uns bereit möglichst langfristig unser gesamtes Leben dem Betrieb zu verschreiben. Natürlich wollen wir nicht allzu viele Überstunden machen, aber das passiert allzu oft, wenn man mal länger dabei ist und verstanden hat wie ersetzbar man ist. Man fürchtet sich davor die regelmäßigen Einnahmen zu verlieren und damit auch die Sicherheit, die in Wahrheit ja gar keine ist. Die Schule ist hier nur so eine Art Vorreiter. Die Lehrer sind wie die Chefs in den Betrieben, sie sagen uns was es zu tun gilt, und wenn wir es nicht erfüllen, bekommen wir nach einigen Ermahnungen, gut zu reden, Fristen und danach eben entsprechend härtere Strafen, die letztlich in Kündigung, also Versetzung in andere Schulen, Sonderschulen usw. münden können. Im Kern bereitet die Schule uns nur darauf vor, was das Leben für uns insgesamt sein wird, ein permanentes Hetzen nach Leistungserfolgen und Resultaten mit denen wir uns schließlich ein Einkommen/eine Belohnung „verdienen“.

Dies ist kein Zeichen einer freien harmonischen Gesellschaft. Viele Menschen wissen das, egal wie alt sie sind, aber ihre Folgerungen daraus sind sehr unterschiedlich. Einige kämpfen offen gegen die Verhältnisse an bis sie hart bestraft und zerstört werden, andere agieren eher im stillen, betreiben subversive Aktionen, sabotieren Betrieb und Lehrbetrieb, indem sie die innere Kündigung vollziehen, langsamer arbeiten oder ständig schwätzen, dem Unterricht ferne Tätigkeiten betreiben wie zeichnen, träumen und Musik hören usw. All das sind verzweifelte Versuche eine kollektive Ohnmacht und Besinnungslosigkeit zu ertragen bzw. zu überwinden. Aber allein sind wir ohne Chance hier etwas langfristig funktionierendes zu ermöglichen. Wir können weglaufen, wir können zerstören, wir können schreien, uns mit Lärm und Rausch ablenken, es wird nur ein paar Momente helfen, weil wir Geld brauchen um unsere Bedürfnisse zu bezahlen. Das macht uns traurig und es saugt uns die Lebenslust aus. Wir schöpfen ständig Dinge deren Zweck wir nicht erkennen können, an dem wir uns nicht bereichern können. Wer sieht denn schon das Ergebnis seiner Arbeit? Wer sieht denn schon den Wert einer Schulnote? Zahlen die sich unterscheiden, warum sollte man daran seine Gefühle, sein ganzes Leben fixieren und ausrichten? Was soll das? Ist das nicht eine große Dummheit die nur in Verzweiflung, Krankheit und Krieg münden kann? Das Leben ist viel zu bedeutend und vielseitig, als es an diese dogmatischen Ideologien zu fixieren, die hinter diesen Zahlenspinnereien stecken.

Egal ob Schulnoten oder Banknoten, es geht um Zahlenspinnerei die uns die Lebenslust nimmt. Daher will ich alles tun um uns davon zu befreien. Die Lebenslust muss frei sein von zementierten Lebensvorstellungen. In allererster Linie so wie wir es erleben wenn wir lieben und uns verlieben. Wir lieben doch bestimmte Dinge, bestimmte Menschen, bestimmte Situationen, die uns bereichern. Es gibt überall Muster in der Welt, wir können sie gar nicht alle wahr nehmen, aber es macht definitiv krank immer nur einem Muster zu folgen. Muster wie die Leistungs- und Wettbewerbsprinzipien die in unserer Politik und Wirtschaft seit vielen Jahrtausenden als Normalität vorgegaukelt werden. Es ist eine Frage der Erziehung, eine Frage der Kommunikation, der Vorstellungen der jetzigen Generation der Menschheit, inwieweit wir das fortsetzen wollen. Wollen wir unseren Kindern denselben Unsinn antun, den wir selbst Jahre und Jahrzehnte erleiden mussten? Ist es denn zwingend notwendig, für ein schönes Leben, was auch immer man darunter versteht, ständig gegen andere Menschen und ihre Bedürfnisse anzukämpfen? Gibt es keine Möglichkeit Arbeit anders zu organisieren? Ohne Chef und demokratisch? Warum sollte es nicht möglich sein Mieten abzuschaffen? Grundsätze wie Eigentum, Staat und Kapital zu hinterfragen?

Wir müssen schon etwas riskieren um diese Fragen zu beantworten. Wir sollten uns von zweifelhaften Sicherheiten befreien, die nichts anderes sind als Ketten, die uns lang genug gehindert haben das Leben zu erleben, wirklich frei durch die Welt zu gehen und sie mit unseren Liebsten zu entdecken.

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Audiophrasen

Man hört es mir an, ich habe kaum geschlafen, wenig gegessen und getrunken. Aber ich wollte dennoch einen Versuch machen meine Gedanken gesprochen festzuhalten. Nichts wurde geschnitten.

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Das Ende

Zerstörte Familien, traumatisierte Kinder, endlose Kilometer Betonlandschaften, tausende Megatonnen Bombenmaterial, Leichenberge enstanden durch Hunger und Elend, die Bergen von Luxusgütern gegenüber liegen, neben polierten Hochgeschwindigkeitsfahrzeugen, die von blinden Eigentümern als Zeichen ihrer Verblendung bald als langweilig wie eine vergewaltigte Nutte liegen lassen werden. Das Trümmerfeld der Welt, Nationen, Konzerne, Haushalte, Menschen kämpfen um Anerkennung, Aufstieg, Macht und Wohlstand. Die Illusionen sind über die Jahrtausende immer ausgefeilter geworden. Rachepläne, Karrierepläne, Pläne wie man die Konkurrenz ausschalten kann, wie man die Profite steigern kann, wie man die Betriebsräte das Maul stopfen kann, wie man seine Millionen an den Fiskus vorbeischleusen kann, wie man Meinungen unerkannt machen kann, unmengen von Treibsand steckt in den Köpfen der Menschen. Keiner wer weiß wer dieses Ding ist, diese Maschine die tausende Menschen verhungern, tausende Tiere schlachten, tausende Liter Wasser verschmutzen und das Paradies zur Hölle werden lässt. Manche sagen es wäre das System, andere sagen es ist die Ideologie, die nächsten meinen so ist der Mensch, alles bleibt Theorie, offenbar sind wir ohnmächtig und verbohrt genug die Lust an der Selbstzerstörung direkt oder indirekt als unseren Lebensinhalt begeistert anzunehmen und zu neuer Perfektion voranzutreiben. Es lebt sich wunderbar als Westeuropäer. Man muss nur ein wenig seinen Arsch und seine Seele hinhalten, schon kann man sich eine Zelle kaufen und sich allerlei Nonsens kaufen, der einen von den Ketten ablenkt die man mit sich herumschleppt. Wenn das nicht reicht nimmt man sich einen Zellengenossen, säuft mit ihm, schlägt ihn, beklaut ihn, belügt ihn, fickt ihn und schickt ihn dann weiter, bis zum nächsten Mal. Nicht wenige Menschen sind dafür mittlerweile zu schüchtern oder isoliert. Also spielen sie am Computer, an Konsolen, wichsen zu entleerter Fleischschieberei, mechanisch, besinnungslos, wie die Zombies in lächerlichen Horrorfilmen schleppen sich die Soldaten und Generäle durch die Welt, immer auf der Suche nach einen Kick, einen Reiz, einen Rausch. Vielleicht sind das die Überreste von Sehnsucht, nach Liebe und Geborgenheit. Die Erde ist ein Trümmerfeld und so sehen die Menschen auch innerlich aus. Wir haben keine freie Welt, keine freie Nation, keine freien Menschen. Wir werden überwacht, gesteuert, bedrängt, gestraft, benutzt und vergewaltigt seit man uns auf die Erde warf. Was uns bleibt sind unsere traumatisierten Eltern, unsere weltweit verteilten Verwandten, vielleicht werden wir teilweise von ihnen verstanden, manchmal endet es im Amoklauf, im Konsum von Scheiße, aber immer ganz sicher im monotonen Grau der Verwertungsmaschinerie unserer Gesellschaft. Es gibt keine Fluchtmöglichkeit. Im Weltall ersticken wir, Raumschiff Erde hält uns gefangen. Wir treiben durchs All, ohne Gefühl und Erfüllung. Täglich gibt es neue Versuche Geld und Erfolg zu fressen, die Leere wächst, das Gemetzel erlebt Hochkonjunktur, die Bewusstlosigkeit treibt uns an mehr Bomben zu bauen, mehr Fleisch zu fressen, den Armen noch weniger zu geben, uns selbst den letzten Funken Hoffnung zu ersticken. Darin besteht unsere einzige Konstante: Zerstörung, aus Wut, Trauer, Rache, Neid, Gier, Gedankenlosigkeit, Leere und Manipulation. Noch leben wir, noch ist das Leben größer als unsere Dummheit. Ich warte täglich auf den letzten Napalmregen, die Schreie in den Straßen, das ausgebrochene Chaos, damit dieses Schauspiel endlich seinen letzten Vorhang findet.

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