Monatsarchiv: Mai 2010

Disharmonie & Entfremdung

Würde man das weltweite Budget für Militärs in Höhe von mehr als 700 Milliarden US-Dollar zur Verfügung haben, könnte man die größten Probleme der Menschheit lösen, egal ob Hunger, Krankheit oder Bildung, keiner müsste mehr am Mangel leiden. Dennoch verhungern täglich tausende Menschen, sterben tausende Menschen an heilbaren Krankheiten, bekommen hunderte von Millionen Menschen weniger oder gar keine Bildung, während wir hierzulande mit Übergewicht, Medikamentensucht, Hypochondrie und Bulimielernen zu kämpfen haben.

Diese Welt lebt in großer Disharmonie und Entfremdung. Wir kämpfen tagtäglich für Noten die uns nicht intelligenter machen und für Geld welches uns nicht reicher macht. Wir wählen Parteien die uns betrügen, arbeiten für Unternehmen die uns beklauen und konsumieren Produkte die uns betäuben. Wir haben die Freiheit CDU oder SPD, Arbeit oder Arbeitslosigkeit, Cola oder Pepsi zu wählen. Wir sind wie die Hungernden in aller Welt, denn wir hungern nach Geborgenheit und Liebe.

Aber wir sind mehr als nur suchende Hungernde, wir sind nicht nur Opfer einer primitiven kapitalistischen Verwertungsmaschinerie, wir sind auch Täter, die Funktionäre dieser Ideologie, denn mit unserer Ohnmacht ermächtigen wir Führer und Tyrannen, wir sind es, die die hungernden Kinder erwürgen. Wir sind die gierigen schmatzenden fetten Säue, die blind vor Wohlstand und Ideologie das Leben um uns und ins uns zertrappeln. Ekelerregende Zombies die trotz aller Mode, trotz aller Musik, trotz aller Verblendung gelegentlich Amok laufen, sich und andere zerfleischen.

Wir wissen nicht wer wir sind, weil wir seit Generationen vor uns und der Realität davon laufen. Dieser quälende Wettlauf ist das Ergebnis der herrschenden Meinung, die von Politik, Wirtschaft und Wissenschaft maßgeblich geprägt wird. Uns wird von der Kindheit an eingeredet, wir seien nicht gut genug, wären nicht ordentlich genug, nicht schnell genug, wir würden dies und jenes nicht angemessen erfüllen. Das sind Leistungs- und Konkurrenzprinzipien die den Hunger in uns auslösen und den wir ständig durch Leistung und Kampf zu stillen suchen. All diese Aktivitäten liefern keine Ruhe, befreien nicht von der Angst, weil die ursächliche Quelle ignoriert wird.

Wir haben lange Zeit aufgehört nach der Wahrheit zu suchen und uns selbst zu erkennen. Solange wir uns belügen, betrügen und bestehlen lassen von diesen Prinzipien, werden wir krank bleiben, werden wir Täter bleiben, werden wir besinnunglos die Vielfalt des Lebens verwerfen, monoton und grau die Hebel der Unterdrückung und Ausbeutung an kommende Generationen weitergeben. Es ist an der Zeit zu Fragen was wir von unserem Leben erwarten, wie wir alle Menschen freie Entfaltung und Befriedigung ihrer Bedürfnisse ermöglichen können. Wir müssen Fragen wieso alle bisherigen Ideologien gescheitert sind und wie wir das Paradies auf Erden schaffen können.

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Die Sklaven hier – Die Sklaven dort

Dieses alltägliche Ritual, zur selben Uhrzeit aufzustehen, sich genauso wie am Vortag zu säubern, sich in die  Arbeitsklamotten zu werfen, auf den Weg zur Arbeit zu machen, dort dann stundenlang die immer selben Probleme zu bewältigen und zu ertragen, um letztlich erschöpft wieder zurückzukehren und ins Bett zu kriechen, macht mein Leben monoton und eindimensional. Es wird aber von den meisten Menschen als ein erfülltes Leben betrachtet, denn mit dem auf der Arbeit erwirtschafteten Geld, lässt sich ja wunderbar Zeug kaufen, was  von dieser Monotonie ablenkt und diese dann auch irgendwie erträglicher macht. Natürlich wird oft gesagt, wenn Dir Dein Job nicht gefällt, such Dir einen neuen, was angesichts der schon seit 3 Jahre währenden Krise ein eher mieser Rat ist. Dann wird oft hinterher geschoben, es wäre früher ja soviel schlimmer gewesen, da wurden Leute, die nicht mitzogen,  schlicht umgebracht. Oder es wird auf die hungernden Menschen in aller Welt verwiesen, denen würde es ja wirklich dreckig gehen, die hätten echte Probleme, das was mir Schwierigkeiten bereitet sind dagegen ja wohl Kleinigkeiten.

Ich sehe aber eine Verbindung zwischen denen die Verhungern und mir. Zufällig bin ich ein privilegierter Sklave, weil ich in einer Arbeiterfamilie in Deutschland geboren wurde. Ich hatte rein formal bis zur 4. Klasse die Möglichkeit in die Oberschicht aufzusteigen, was mir aber nicht möglich war, weil mir Schule schon immer missfiel, gerade die Spalterei durch das Notensystem. Auch andere Mitschülern fanden es blöd bestraft oder belohnt zu werden, nur weil sie bestimmte Noten hatten. Die Trennung der Klassengemeinschaft in Gymnasiasten, Realschüler und Hauptschüler sorgte für traurige Gemüter. Aber diese Gefühle mussten verdrängt werden, denn es gab klare Regeln und Prinzipien die es zu erfüllen galt, – weshalb auch immer. Eigentlich ging es ab dieser Trennung immer so weiter. Es wurde bestraft und belohnt, was entweder Glück oder Unglück in der Schule, in der Familie, im späteren beruflichen und gesamten Leben bedeutete. Es wird seit Jahrzehnten darüber gestritten ob unser Schulsystem gerecht ist und wie man es verbessern könnte. Die Fronten sind verhärtet.

Jedenfalls bin ich ein privilegierter Sklave, weil ich aufgrund der schulischen Kategorien nur bestimmte Berufe ausüben darf, Berufe die mich lediglich über Wasser halten, aber nicht  innerhalb weniger Jahre eine selbstbestimmte Entfaltung ermöglichen können. Entfaltung wird in unserer leistungsorientierten Gesellschaft eben nur möglich, wenn es Profite bringt. Tätigkeiten die keinen Profit abwerfen haben keinen Wert, sind also auch keine Entfaltung der menschlichen Persönlichkeit, so die Unterstellung der Gesellschaft. Dies ist die Qual aller privilegierten Sklaven, sie dürfen Arbeiten, sie dürfen konsumieren, aber finden in dem was sie tun und leisten keine Erfüllung. Wirkliche Erfüllung ist nur für wenige Menschen in dieser Gesellschaft möglich. Für wenige Künstler, Wissenschaftler, Politiker und reiche Erben. Wer sich entfalten will braucht vorallem Kapital. Fehlt Kapital, braucht es enorm viel Anstrengungen dieses zu erwirtschaften, was aber aufgrund der hohen Konkurrenz am Markt quasi unmöglich ist.

Während der normale Sklave in Afrika von Geburt an arm ist und gar nicht die Möglichkeit hat sich in Kaufhäusern sinnlosen Gütern hinzugeben oder im Fernsehen dämliche Soaps zu betrachten, von Billig-Produkten immer fetter zu werden, muss sich ein privilegierter Sklave für ein Null-Summenspiel tagtäglichen den Arsch aufreissen, um seine Rechnungen bezahlen zu können und eben diesen entfremdeten Lebensstil meistern zu können. Beides ist Armut, beides ist Unmündigkeit, beides macht unglücklich und krank. Beides wird von unserem jetzigen politischen und wirtschaftlichen System mithilfe der Leistungs-, Wettbewerbs- und Konkurrenzprinizpien aufrecht erhalten und damit verstärkt. Und die wenigen Menschen die sich entfalten können, wollen ihren Lebensstil natürlich schützen und tun ihr möglichstes dafür auch ihren Kindern diesen Stil zu gewährleisten. All das wurde einmal als Klassenkampf bezeichnet. Aber auf beiden Seiten gab es wohl nie genug Bewusstsein dafür.

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