Kurzer Abriss

Gerade in den letzten Tagen, in denen ich verstärkt an die Zeit in Berlin denke erscheinen mir die Schwierigkeiten der meisten Menschen in einem neuen Licht. Ich erkenne die menschliche Seite meiner Kollegen, meines Chefs und Vorgesetzten, die der Putzen und so weiter. Mir ist ihre Belastung wesentlich stärker bewusst und verstehe ihre Frustration. Viele arbeiten unheimlich hart, sehr lange, Tag für Tag, nur um ein halbwegs würdevolles Leben finanzieren zu können. Andere hingegen haben dazu gar keine Möglichkeit und sind darüber frustriert, wovon sich einige total entmutigen lassen. Immer wieder kommt es zu Streit, Konflikten, die scheinbar eine ständige Wiederholung sind, denn es geht immer um dasselbe. Die Menschen wünschen sich Unterstützung, ehrliche, aufrichtige Zuneigung, eine Chance die sie wirklich ergreifen können, sie brauchen täglich handfeste Perspektiven, keine leeren Versprechen, keine tröstenden Worte, keine Ablenkung von diesen Problemen. Die Menschen nehmen das alles nur noch hin, weil sie keine Alternative kennen. Sie wissen keine Alternative zum egoistischen Verhalten. Sie glauben an die Leistungsprinzpien, die Wettbewerbsprinzipien, auch wenn sie genau wissen, es wird mehr Leid produzieren, immer mehr Menschen in den Abgrund stoßen.

Wir haben diese Menschen auch hier in Deutschland, selbst wenn behauptet wird, die könnten ja auf Kosten der Gemeinschaft leben. Was ist das für ein Leben, wenn man völlig machtlos ist? Man kann natürlich Hartz IV beantragen, wird dann aber zum Spielball der Ämter, die einen in Beschäftigungsmaßnahmen stecken, die rein gar nichts bringen, außer langeweile und noch meh Frustration. Selbst wenn man einen Job hat, weiß man das es jederzeit vorbei sein kann, gleichgültig welche Leistungen man in der Vergangenheit erbracht hat. Das ist keine Freiheit, das ist Willkür des Kapitals, Willkür unseres Glaubens an egoistische Prinzipien. Geld ist nützlich, klar. Aber wir haben längst die Übersicht darüber verloren; warum es immer schlimmer statt besser wird. Ist es die Börse? Sind es die Reichen? Sind wir irgendwie alle daran schuld? Eine permanente Debatte darüber sehe ich nur in Nischen der Gesellschaft, ansonsten wird nur Gejammert oder Gejohlt. Die meisten glauben daran, dass das System bald komplett gegen die Wand fährt und es wird so sein, aber keine fragt was danach kommen wird. Werden wir dann vielleicht es noch schlimmeres produzieren, weil wir uns heute keine Gedanken gemacht haben, welche Fehler in der Vergangenheit getan wurden?

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Eingeordnet unter Gesellschaft

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