Irgendwie warten wir alle nur auf den Tod

Es kann nicht besser werden wenn die Menschen einander und sich selbst nicht sehen. Befangen und verfangen in den eigenen Gedanken, in den Geschichten des Egos, drehen die Menschen durch und flüchten gleichzeitig in alle Richtungen und Möglichkeiten die das Leben auf diesem Planeten nur bieten kann. Aber frei und glücklich werden sie dadurch nicht. Wer verlernt hat nüchtern die Realität wahrzunehmen, der wird das wohl kaum mit Unruhe, Wut, Zorn, Neid, Gier oder Ehrgeiz erlangen. Vieles ist verlorenen gegangen durch den Fortschritt. Eigentlich war der Fortschritt ein Rückschritt, denn durch ihn haben wir weite Teile unseres Lebens verloren. Ich weiß nicht wieviele Menschen da draußen sich verrückt machen, aber es müßen einige Milliarden sein. Wer weiß schon wie das alles zusammenhängt und funktioniert. Natürlich läuft überall so einiges schief, überall werden Menschen geschlagen, vergewaltigt, unterdrückt, belogen, betrogen, benutzt und verkauft.

Es gibt keinen Tag und kein Land indem nicht soetwas zum Alltag gehört. Die Menschen beschäftigt ihre Angst, ihr Leid, ihre Fehler und Störungen, aber sie begreifen nicht das all diese Eindrücke und Vorstellungen von sich selbst gar nicht so dramatisch oder schrecklich sind. Kein Lebewesen ist perfekt. Es gab mehr als 50 Milliarden Lebensformen auf diesem Planeten, ständig vergehen welche, ständig kommen neue auf. Welche sind davon schon perfekt? Welche sind schon frei von sogenannten Fehlern? Dieser Drang von vielen Menschen die eigenen Fehler, die ja nur Ausdruck der eigenen Persönlichkeit und Erfahrungen sind, ausmerzen oder verdrängen zu wollen, macht das eigene und das Leben anderer Menschen zur Hölle. Die Leute wollen aufhören mit saufen, rauchen, kiffen, oberflächlichen herumgeficke, sehen aber längst nicht die Ursache dieser Handlungen und können daher auch nicht damit aufhören. Vielleicht lieben sie auch die Selbstzerstörung, hassen aber die Konsequenz daraus zu ziehen und den Suizid ernsthaft anzugehen, denn insgeheim lieben sie ja das Leben, aber sie sind zu verwirrt und bewusstlos als das sie es einfach leben können.

Diese Verwirrung kommt eben auch durch die Generationen zuvor, durch die Mitmenschen, Familie, Bekannte, Freunde, die Laufbahnen durch Schule und Beruf, der ständige Stress, man hat kaum Zeit für sich selbst und schon gar keine Zeit für Faulheit und dergleichen. Wo soll da Klarheit wachsen? Wo soll da die Ruhe aufkeimen? Wo soll da die Erkenntnis folgen? Es besteht doch alles im Alltag nur noch aus Lärm und Wahnsinn. Die Logik der Profitmaximierung muss im Krieg enden, ähnlich wie Rassenhass. Aber wer hat schon eine Lösung dazu parat? Ich denke es gibt keine Lösung. Jedes System welches sich der Mensch erdacht hat um das Paradies auf Erden zu schaffen, ist letztlich in sich zusammengebrochen und hat neben den materiellen Fortschritten immer Millionen von Menschen umgebracht. Die Frage ist, ob das immer so weiter gehen wird. Die Frage ist ob wir überhaupt eine Wahl haben. Lohnt sich Rebellion? Lohnt sich der Ausstieg aus der Lohnarbeit, nur weil der Job einen nicht befriedigt, das Gehalt mies ist und die Arbeitslosigkeit und Harz4 keine Option ist?  Ich habe die Befürchtung das die Menschen nicht begreifen werden, dass das Leben nicht vorhersehbar ist und alle Versuche es vorhersehbar zu machen im Chaos enden.

Unser Denken ist zu beschränkt für diese Realität und wir wollen das einfach nicht wahrhaben. Aufgrund dessen der ständige Kampf ums „besser“ werden. Die ständige Unterstellung man sei nicht gut genug, führte in den Wettbewerb, Krieg und brachte als Nebeneffekt Erfolge, Rekorde, Erfindungen und dergleichen. Aber was bringts, wenn man all das nicht genießen kann, wenn es ständig weitergehen muss, ständig Fortsetzungen der Schlachten gedreht und inszeniert werden? Dieser Irrsinn dreht sich immer schneller und ich begreife nicht weshalb die Menschen so still hinnehmen, was alles zerstören muss. Vielleicht weil sie selbst das Giftgas sind, was die Lebensfreude ersticken wird. Was solls, das Universum existiert in einer Trilliarde Jahre sowieso nicht mehr. Warum sollte ich mir darüber noch Sorgen machen? Alles Irrsinn, trauriger Irrsinn. Die einen sind zu fett, die anderen verhungern. Die einen haben zuviel Geld und langweilen sich damit herum, die anderen haben zu wenig Geld und hetzen sich durchs Leben auf der Jagd danach. Irgendwie sind alle Menschen auf irgendeine Art und Weise unglücklich und wenn sie glücklich sind, dann auf Kosten anderer Menschen. Wie soll es da Gerechtigkeit geben, wenn Milliarden Menschen mit ihren Vorstellungen, Entscheidungen und ihrem Leben diese Zustände jeden Tag aufrecht erhalten?

Ich bin da völlig machtlos. Ich kann nur zu sehen wie das ganze Potential den Bach runtergeht. Vielleicht kann ich mich auch in die Wildnis zurückziehen oder Suizid begehen, aber egal was ich letztlich mache, es wird mich schon jetzt total frustrieren. Es ist egal in welcher Hinsicht nicht zu ertragen.

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2 Kommentare

Eingeordnet unter Gesellschaft

2 Antworten zu “Irgendwie warten wir alle nur auf den Tod

  1. Bist Du wütend? Traurig? Hilflos? Ich denke, erst durch die Medien das von jeher vorhandene Leid für alle erkenntlich. Die Menschen scheinen nur noch mit Fakten leben zu können. Was man nicht sehen kann, gibt es auch nicht. Der Egoismus kommt hinzu, richtig. Meist rennen wir nur mit Scheuklappen rum. Wer sich dies aber bewusst macht, kann was ändern.

    Ich entspanne gerne, bin auch mal faul. In anderen Ländern ist man, trotz allem negativen, viel positiver gestimmt. In Deutschland funktioniert das irgendwie nicht (bin Deutsche). Alles was nicht solide oder fachlich ist, ist unsinnig. So kommt es mir meist vor.

    Es liegt aber an uns, nicht in Selbstmitleid zu zerfließen, sondern was zu ändern.

    SignoraZ

  2. mirokraj

    Menschen wollen nicht denken, außer sie werden für jeden einzelnen Gedanken tarifvertraglich bezahlt.
    Es ist so viel einfacher, nicht zu denken. Statt sich ab und zu mal mit dem eigenen Gehirn zu befassen, lassen sich die Menschen lieber unterhalten: Medien, Sport, Reklamen…
    Ich arbeite als Lehrer, habe infolgedessen viel mit jungen Menschen zu tun. Und ich muss resigniert feststellen: Diese Generation haben wir an seichtestes Tittytainment, unerfüllbare megalomane Karrierewünsche, an Fleisch, das Fettgewebe von Brüsten und an Fußballspielerethik verloren. Vielleicht wird sich ja mein Wunsch erfüllen, zumindest meinen kleinen Sohn zu einem denkenden Wesen erziehen zu können, obwohl ich befürchte, dass die Übermacht der gehirnweichspülenden Wohlfühlwelt – gegen Bezahlung natürlich – die Oberhand gewinnen wird.
    Ja, wir waren und sind immer noch Arbeitstiere und Schlachtvieh. Angefangen bei den Pyramiden über die Kathedralen bis hin zum Leben als Kanonenfutter der Welt- und anderer Kriege bis ausschließlich auf die Erniedrigung auf Kreditnehmerstatus hatten und haben wir keine bedeutende Rolle zu spielen. Schulsysteme sollen nicht zum eigenständigen Denken befähigen, sie sollen die Kinder zum Ja-Sagen, Arschkriechen und Geldausgeben erziehen. Wann immer ich eine Diskussion anregte, in der ich die Meinung der Kids zu Seele, Geist, Sinn oder Zukunft hören wollte, bekam ich vorgekauten Brei zu hören.
    Ich will damit nicht sagen, dass ich etwas Besseres wäre. Jeder macht Fehler, das ist nur menschlich. Aber muss es tatsächlich so sein, dass zum Denken fähige Menschen freiwillig ihr Mandat an quasi-demokratische Gremien verschenken, ohne jemals ein Programm gehört zu haben? Wie kann es sein, dass Menschen, die in ärgster existenzieller Not doch noch zueinander finden und sich helfen, im Alltag einander spinnefeind sind oder sich gar hassen und töten? Für wie dumm halten wir uns selbst, wenn wir Reklamen, Nachrichten oder Betrügern Beachtung oder gar Glauben schenken?
    Ich habe keine Antwort auf diese Fragen. An irgendeine (göttliche) Gerechtigkeit mag ich nicht glauben, zumal sie sowieso zu spät käme. Trotz all seiner Potenziale kann die Gattung homo sapiens nichts zur Besserung ihrer Lage tun. Was bleibt dem Individuum denn anderes übrig, als sich ins interne Exil zurückzuziehen und in der (immer mehr bedrohten) Privatsphäre zu existieren, zu denken, zu hoffen?
    Ich will, lieber Freund, nicht bevormunden, das ist nicht meine Absicht. Doch zumindest will ich dich wissen lassen, dass du nicht allein bist mit deinen Gedanken. Viele Menschen spüren in ihrem Innersten die Unmenschlichkeit dieses Systems. Nur wenige versuchen zumindest, dies in Worte zu fassen.

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