Die Qual der Wahl

Was ist an Berlin so besonders? Vermutlich gar nichts. Die Menschen hier sind aggressiv, neidisch, gierig, notgeil, verzweifelt, ängstlich oder orientierungslos obwohl sie gleichzeitig soviele wunderschöne Facetten entfalten können. Einige von ihnen wissen: So kann es nicht weiter gehen. Doch am nächsten Tag vernichtet die Realität hoffnungsvolle Gefühle und Gedanken mit harten ätzenden Schlägen. Einige Menschen ertragen das nur mit viel Ablenkung und Ablenkung hat viele Gesichter. Jedes Wochenende gibt es bspw. bundesweit Party mit vielen Drogen, sinnfreien Gesprächen und Spielchen. Millionen Menschen aus allen Klassen und allen Alters schreien, prügeln, saufen, kiffen als gäbe es kein Morgen. Einige von ihnen versinken nicht nur in ihrer verzweifelten traurigen Gefühls- und Gedankenwelt, mit ein paar Schimmern Hoffnung, sondern baden und reiben sich auch noch darin bis zur Bewusstlosigkeit oder bis zum Tod auf. Die Drogen werden von ihnen nicht als Bewusstseinserweiterung genommen, sondern um diese Welt und/oder sich Selbst zu ertragen.

Berlin ist ein hartes Pflaster. Die Menschen versuchen sich an dem zu klammern worin sie Liebe, Wärme, Inspiration, Schutz, Halt oder Vertrauen zu finden meinen. Sie versuchen etwas zu finden oder zu halten, was abgesehen von ihnen selbst, besonders von einer riesigen, um sie herum existierenden Masse an Menschen und deren ignoranten, dekadenten Lebensstillen ständig gestört, zerrissen und zerstört wird. Die sogenannten Aussteiger, Punks, Linksradikale, Asoziale etc. auf den Strassen Berlins leben eine sehr individuelle antiautoritäre antihierarchische gesellschaftliche Alternative die von der gegenwärtig dominierenden Lebensweise der gesellschaftlichen Mehrheit zutiefst missverstanden, abgelehnt und auf brutalste Art und Weise bekämpft wird.

Die etablierten Ansichten, Lebensweisen fürchten, spalten und bekämpfen Punks usw. weil sie auf Unterdrückung und Ausbeutung basieren. Würden sie sich den Zweifeln, Ängsten und Gedanken stellen die die Menschen auf der Strasse teilweise erkannt haben und sogar leben, würde sich alle fundamentalen Schwierigkeiten auflösen. Kapitalismus ist bspw. eine Krise, die viele bestraft und wenige bevorzugt. Demokratie ist ferner die Diktatur der Mehrheit über Minderheiten. Die Mehrheit hat immer Recht auch wenn sie falsch liegt. Die Punks auf den Strassen Berlins mögen mit ihren Ansichten teilweise korrekt liegen, aber durch unser System werden sich die korrekten Ansichten niemals oder nur sehr langsam verbreiten und durchsetzen können. Unsere Demokratie erlaubt keine grundsätzlichen Änderungen bis hin zur Anarchie, sondern nur minimale Änderungen durch die gewählten Parteien innerhalb des Ausbeutersystems. Das Ausbeutersystem besteht weiterhin, egal was gewählt wird. Die Parteien legen nur fest WIE ausgebeutet wird und die Bürger geben ihren Willen bei den alljährlichen Wahlen bereitwillig ab, um sich weiter mit grosser Lust und Ausdauer in ihren Depressionen zu wälzen.

Die deutsche Bevölkerung scheint nicht fit zu sein, für ein Leben ohne Herren. Vorallem weil sie sich selbst nicht erkennen will im globalen, nationalen oder lokalen Zusammenhang. Der gesellschaftlich organisierte Mix aus Arbeit, Freizeit und persönlicher Rückzugsraum (Wohnung) sorgt dafür das die bisherigen Vorurteile, Dummheiten und Illusionen weiterhin als Gesetze, Gebote oder als „normal“ und unveränderlich betrachtet und gelebt werden. Die Menschen die auf der Strasse leben, leben der ignoranten Menge mutig vor wie schnell und simpel Alternativen gebildet werden können. Würde die Menschenmenge nicht mithilfe ihrer verlogenen Politik, ihrer Polizei und so weiter diese Alternativen boykottieren und schlecht machen, sondern sich diesen Alternativen, Zweifeln, Forderungen usw. öffnen, sich damit konstruktiv gemeinschaftlich auseinandersetzen usw. wäre alles besser. Aber soweit kommt es nicht solange sich die Menschen ablenken und nicht ehrlich und freundlich miteinander und vorallem auch mit sich selbst kommunizieren.

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