Monatsarchiv: Juli 2009

Lauf um Dein Leben

Lauf um dein Leben – vom Junkie zum Ironman ist ein deutscher Spielfilm, der die wahre Geschichte des Top-10-Triathleten Andreas Niedrig erzählt: Seinen Kampf gegen die Drogensucht, seinen Aufstieg vom Junkie zum Ironman.

Es ist einfach beeindruckend was man aus sich machen kann wenn man etwas findet was einen erfüllt und begeistert. Der Film ist nicht nur etwas für Sportbegeisterte sondern auch für Menschen die meinen sie könnten nicht wirklich etwas tolles in ihrem Leben leisten. Niemand kann einem vorschreiben was man schaffen kann oder nicht außer man steht sich selbst im Weg und lässt sich von Zweifeln zerfressen.

Natürlich ist es niemals einfach, es ist eine Frage der Überzeugung, Erfahrung und Motivation. Jedenfalls sollte man sich nicht hängen lassen, am Ende des Lebens sagt man sonst vielleicht man hat niemals richtig gelebt. Man sollte schon erleben was Leben sein kann und nicht im Frust oder Langeweile versinken. Um es mit den Worten von Andreas Niedrig zu sagen:

„Wir haben es geschafft einen ehrlichen Film zu produzieren der nichts verschönt und zeigt wie es in der Realität eines Abhängigen aussieht. Auch geht es inhaltlich um Werte die in unserer Gesellschaft leider immer mehr verloren gehen, Liebe, Leidenschaft, Loyalität sowie Freundschaft. Mit mehr als 100 Schulen und vielen Unternehmen habe ich 2008 gemeinsam den Film angeschaut und erlebt, dass junge aber auch erwachsene Menschen emotional ergriffen anfingen über ihr eigenes Leben nachzudenken. Nichts anderes wollten wir erreichen!“

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Glücklich sein ist mir ein Rätsel

Ich habe nie gelernt glücklich zu sein oder was die Zutaten für Glück sind. Ich schätze soetwas findet man in der Familie, bei Freunden, im Beruf, im Hobby oder in seinen Eigenschaften, vielleicht hängt alles miteinander zusammen. Alles in allem würde das für mich jedenfalls einen Sinn ergeben, das würde nämlich erklären warum ich nie gelernt habe glücklich zu sein, denn von allem habe ich zu wenig erfahren.

Die Familie war schon vor meiner Geburt überall verteilt, wir sind noch nie alle in einer großen Runde zusammen gesessen. Wenn überhaupt nur vereinzelt und dann kannte ich sie kaum. Alles was ich von meiner Familie kenne sind meine Eltern und die sind seit ich lebe entweder arbeiten, mit sich selbst beschäftigt, über meine Leistungen, Denk- und Verhaltensweisen verwundert oder enttäuscht. Nur manchmal gab und gibt es schönere Momente an die ich mich kaum noch erinnern kann.

In meiner Jugend gab es viele Umzüge, also auch immer wieder Trennungen von liebgewonnen Mitmenschen, der Kontakt brach regelmässig nach kurzer Zeit ab. Immer wieder kam ich in eine neue Umgebung, musste mich orientieren zurecht finden und diesen ganzen Mist. Ich habe davon nie viel gehalten und kam entsprechend schlecht bei den „neuen“ Klassenkameraden an. Ich konnte nichts mit deren Vorstellungen anfangen was einen tollen Menschen ausmacht. Es waren zwar wie ich Kidz die nach Abenteuer, Spaß und solche Dinge suchten, aber sie versuchten gleichzeitig bei allen Eindruck zu schinden, als gäbe es dabei irgendetwas zu gewinnen. Mir waren sie fremd und ich war ihnen fremd. Also war ich isoliert und tat auch nicht viel daran irgendetwas zu verändern.

Als ich die Schule abgeschlossen hatte ging es weiter mit der Ausbildung. Ich habe eine Ausbildung begonnen von der ich nicht wusste was sie zum Inhalt hatte. Die Entscheidung hat mein Vater für mich übernommen, gut er hat zwar gesagt ich könnte das selbst entscheiden, aber sagte auch ich hätte keine Chance auf dem Arbeitsmarkt und dies wäre meine einzige und letzte Chance es zu etwas zu bringen. Da ich nichts zu erwidern wußte mit meinen jungen Jahren und eigentlich auch andere Dinge als berufliche Karriere im Kopf hatte, sprang ich über meinen Schatten und sagte zu. Wieder gab es jede Menge Fremde, nur waren diese Leute älter, ständig im Stress, ständig am schreien, meckern und herumgackern. Hier ging es sich auf einer Ebene zu verständigen auf der man gemeinsam die Arbeitsprozesse bewältigen konnte. Da gab es nie persönlicheren Kontakt, wenn überhaupt sehr selten.

Ich war auch hier eher jemand den man schräg angesehen hat. Denn ich erfüllte meine Arbeit ohne viel zu sprechen, für mich war es einfach ein Gefallen den ich meinem Vater schuldig war. Er hatte mich großgezogen viele Opfer gebracht und ich wollte ihn nicht enttäuschen nach all den quälenden Jahren in der Schule in der ich alles andere als großartige Leistungen erbrachte. Alles hat seine Gründe, man hätte sie ausführlich besprechen müssen, stattdessen wurden sie weggeschoben und man blickte nach vorne als ob das was besseres wäre. Jedenfalls habe ich mich 3 Jahre durch eine Branche gequält die ich nicht mochte, mit Menschen die ich kaum kennenlernte. Ich hatte am Ende eines meiner besten Zeugnisse abgeliefert, ich fing langsam an zu verstehen wie das alles läuft. Aber ich blieb isoliert und war unzufrieden mit meiner ganzen bisherigen Laufbahn.

Als ich dann beim Bund war gab es zwar keinen beruflichen Stress, dafür eine andere künstlich herbeiorganisierte Form von Stress. Es gab hirnrissige Aufgaben und noch sinnlosere Regeln und Sprüche die man ständig aufsagen musste. Dienstgrade auswendig lernen, Soldatengesetze, Nationalhymne  lernen, ordentlich grüßen, schön wie eine Marionette marschieren und der ganze Käse. Ich hatte mich auch hier völlig geirrt was diesen Verein anbelangt hat. Aber ich wollte weg von meinem Ausbildungsbetrieb. Denn ich hatte mich dort zulange gequält und dachte ich würde das nicht mehr lange aushalten. Ich weiß noch wie glücklich ich war, als ich tatsächlich zum letzten Mal dort gearbeitet habe. Ich musste zwar wieder Überstunden schieben, aber es war tatsächlich vorbei. Und dann diese Enttäuschung, ich geriet von der alten Scheiße in eine neue Scheiße und begriff nicht warum.

Hunderttausende Menschen arbeiten beim oder für den Bund da möchte man doch glauben ich hätte ganz schnell sehr tolle Freundschaften geknüpft, aber auch hier hat es nicht geklappt. Die meisten Leute dort hatten sämtliche Charaktereigenschaften, der eine hatte ein Alkoholproblem, der andere konnte kaum Deutsch, der nächste war selbstverliebt, und wiederum ein anderer war ein Computerfreak. Jeder war auf seine Weise irgendwie verrückt und gefangen in seiner eigenen Welt, da gab es einfach nicht mehr als oberflächliche Gespräche bei einem Bierchen. Laue flache Abende, gewürzt mit einem Alltag voller Scheiße. Ich war in einer neuen Hölle gelandet. Man bezahlte mich zwar dafür aber ich verstehe bis heute nicht warum. Später hat man mich dann ganz normal versetzt in meine feste Tätigkeit beim Bund. Dort fand ich wieder nur Menschen die ich merkwürdig fand. Es gab gleich mehrere Menschen dort die einen absoluten Ordnungszwang hatten. Alles musste streng nach Vorschrift aussehen, der schöne Schein musste passen. Regelmässig gab es langweilige distanzierte beklemmende Versammlungen in einem viel zu kleinen Raum. Dann wurde auf einen Geburtstag, Beförderungen, Sommerfest oder einfach nur so angestossen, viel zu fett gegessen und jede Menge dienstlicher bis langweiliger privater Mist ausgetauscht.

Ich habe mich fast immer während meiner Zeit beim Bund gelangweilt. Ich fing an überall einzuschlafen, am Schreibtisch, Toilette, Kopierer, selbst in der Kantine konnte ich mich kaum wach halten. Ich schlief auch auf dem Weg zur Arbeit. Ich empfand die ganze Zeit als einschläfernd und doch musste ich immer pünktlich und vollständig meine Arbeitszeiten einhalten auch wenn überhaupt nichts wichtiges zutun war. Es war Vorschrift, es musste getan werden, egal was die menschliche Logik dazu sagt. Es war der pure organisierte Wahnsinn und ich durfte nichtmal laut schreien oder dagegen protestieren, denn ich wäre ohnehin völlig missverstanden worden, man ging davon aus jeder Soldat ist gerne Soldat ohne Abstriche oder Widersprüche. Ekelhaft! Unmöglich dort irgendwen zu finden mit denen man diese Erlebnisse teilen konnte. Es gab zwar hier und da tatsächlich jemanden, aber diese Leute brauchten eher Hilfe als das man von einer ausgeglichenen Freundschaft sprechen konnte. Ich könnte an dieser Stelle noch viel mehr erzählen, aber ich breche mal lieber ab.

Hobbys hatte ich seit meiner Kindheit keine mehr bei denen man mit vielen Menschen zutun hat. Ich hatte durch die Umzüge keine Freunde gefunden, und wenn sich mal jemand fand, dann waren es oberflächliche Geschichten in der Kneipe. Man kann also sagen meine ganze Lebensgeschichte ist ein zertrümmerter Haufen, es ist kein Wunder das ich für niemanden eine Bedeutung habe, vorallem weil mich niemand kennt. Und mich will auch keiner kennen, denn ich bin nirgends bekannt oder beliebt. Ich habe an allem etwas auszusetzen, weil ich die Dinge durchdringen will und ständig dazu neige es besser haben zu wollen. Denke mal das ist so eine Art Trauma durch die Umzüge. Ich habe also nie gelernt glücklich zu sein, weil es immer etwas auszusetzen gab und die Dynamik meines Lebens mich auch immer wieder ins Abseits hinausgetrieben hat. Es waren die Umstände aber auch meine persönlichen Eigenschaften und Entscheidungen die mich immer weiter hinaustrieben und weiterhin treiben. Ich glaube nicht das sich das jemals bessern wird.

Wir sind alle damit beschäftigt die Freunde die wir haben zu behalten, unseren Job zu machen, auszuspannen und uns abzulenken. Es gibt nicht viel Platz für neue Menschen im Leben. Das ist schon rein zeitlich kaum möglich. Eigentlich bin ich auch davon angewidert, was ist denn das für eine Zeit? Was ist das für ein Leben in dem man nichtmal mehr Zeit für neue Menschen hat? Eine oberflächliche traurige Zeit und ich bin ein Kind dieser Zeit. Ich bin zutiefst traurig, zerstört, verblendet und orientierungslos. Mir müsste erstmal jemand beibringen wie man glücklich ist. Ich denke danach suchen viele Menschen insgeheim, einige werden es verdrängen und oberflächlichem Glück fröhnen, mehr arbeiten usw. Wahrscheinlich kann man sich dieses Glück nur selbst geben, weil man immer allein sein wird. Vom Anfang bis zum Ende ist man bedeutungslos und hoffnungslos alleine. Es gibt manchmal Kontakt, aber nichts tiefergehendes. Alles ist nur ein riesen Haufen sinnloser stinkender Scheiße, da braucht sicher keiner Hoffnungen machen.

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Leben ohne Technik: Was Deutschland hat ist kein Fortschritt

In endlos langen Schuljahren hatten sie mir beigebracht, Dinge groß und Tätigkeiten klein zu schreiben, Wurzeln zu ziehen, ein blütenweißes Kissen mit gewaschenen Händen zu besticken und eine Sonatine auf der Geige zu spielen. Machte sich Unlust breit, so hieß es: Non scholae sed vitae discimus! – obwohl schon Seneca beklagt hatte, dass genau das Gegenteil der Fall sei“ beschreibt Anne Donath ihr Leben vor rund 40 Jahren.

Im Sommer 1969 hatte ich endlich das Abitur in der Tasche und keine Ahnung, wie man Feuer macht, wenn man friert, welche Kräuter essbar sind, wenn man hungert, und wo man Wasser suchen muss, wenn man Durst hat. All das konnte mir ein Hirtenkind in der Sahara schon mit zehn Jahren zeigen, ohne je in die Schule gegangen zu sein. So nahm ich Nachhilfe in Nordafrika, wo man das Leben einfach noch am Alltag lernen kann.
Dadurch bin ich manche Krücke losgeworden, mit der ich aufgewachsen war, ohne krank zu sein: Seit ein paar Jahren lebe ich nun schon ohne Strom, Telefon und Auto und bin, manchen Voraussagen zum Trotz, weder eingegangen noch vereinsamt.

Anne Donath wohnt in einer kleinen Holzhütte, mitten in Steinhausen, einem Dorf im Oberschwaben. Und sie hat alles, was sie braucht. Mehr nicht. Alles, was sie braucht eben: einen kleinen Ofen, ein Fell, das als Schlafplatz dient und ein kleines Gärtchen, in dem sie ihr Essen anbaut.

Wenn man die Schnecken jetzt nicht erwischt, sind sie nächstes Jahr eine ungeheure Plage“ sagt sie. Sie kommt gerade aus dem Garten und sitzt nun im Schein einer Bienenwachskerze in ihrer Hütte und spinnt Wolle. Ganz einfach, mit einem kleinem Stöckchen – als Spindel.

Ja, aufgewachsen sei sie „wie es sich gehört“: In einer bürgerlichen Familie. Später hatte sie selber einen solchen Haushalt: In einer Großstadt lebte sie, mit allem was man so hat. Zwei Autos, Wäschetrockner und Essen aus der Konservendose. Doch Anne Donath war schon immer neugierig und ausprobierfreudig. So reiste sie einige Male nach Algerien. Einmal saß sie dort eine Woche lang in einem Dorf fest, das gar keine Technik hatte, keinen Telefonanschluss, keine Wasserpumpe und auch keinen Dieselgenerator. Die Menschen im Dorf träumten zwar vom Fernseher, vom Dieselgenerator. „Ja, der Traum war schon da, von einem Leben mit all diesen technischen Geräten. Aber besser wird das Leben dadurch nicht. Nur anders“ erklärt Donath. Für Anne Donath war das Leben dort ein Traum. Es gab eine richtig gute Dorfgemeinschaft, Geschichten wurden erzählt und wenn jemand in die weit entfernte Stadt musste, wartete er eben, bis ein Laster vorbei kommt. Das dauerte dann eben manchmal drei Tage. Man nahm sich einfach die Zeit.
Die haben es dort zwar nicht total besser“, sagt Donath, „aber was wir haben, ist kein Fortschritt.

Bereichert um diese Erfahrung kehrte Anne Donath heim nach Deutschland. Ganz langsam entwickelte sich ihr Leben hin zu weniger Schnickschnack: Der Wäschetrockner gab den Geist auf und wurde nicht ersetzt, die Spülmaschine durchlief ihren letzten Waschgang. So wurde alles, was überflüssig war, einfach entfernt. „Ich bin kein Aussteiger von heute auf morgen. Es war eine langsame Entwicklung.“ sagt Donath. Sie habe einfach festgestellt, was sie alles hat und gar nicht braucht. Und schlechter lebt Anne Donath nicht. Die Freunde sind ihr geblieben, ja, sie hat sogar öfter Besuch als sonst. Und in einem Jahr, wenn ihr kleines Häuschen abbezahlt ist, muss sie nicht mehr arbeiten gehen: Sie hat ja kein Auto, kein Telefon und keinen Rasenmäher. Ihre Nahrung bekommt sie aus ihrem Garten: Kartoffeln wachsen hier. Und Zwiebeln, ein Apfelbaum.  Alles was ein Garten so her gibt.

Anne Donath braucht sich nicht zu erholen vom Arbeitsstress: Urlaub macht sie auf dem Weg zu ihrer Arbeit. Knapp eine Stunde ist sie zu Fuß unterwegs. Durch Wäler und über Felder. Eine wunderschöne Gegend. Manchmal nimmt sie auch das Rad. Trotzdem reist Anne Donath gerne. Erst letztes Jahr ist sie mit ihrem BMX über die Alpen geradelt. Aber sie haust auch gerne. In ihrer Holzhütte. Mitten in Steinhausen. Wenn man hereinkommt, vermisst man etwas: vier Schritte in der Tiefe, vier Schritte in der Breite misst das Haus. Ein Holzofen steht rechts neben der Tür. Sonst scheint es recht leer: kein Tisch, kein Stuhl, kein Bett. Ganz zu schweigen von Computer und Fernseher. Ein weiteres Zimmer gibt es auch nicht. Nur noch den Dachboden, zu dem keine Treppe sondern nur ein paar Eisen als Steighilfe führen. Zum Keller muss man das Fell zu Seite rollen und eine Bodenluke öffnen. Und das alles in einem Haus, das vier auf vier Meter misst. Das Fell dient als Schlafplatz. Der Ofen kann vom „Bett“ aus angemacht werden.

Anne Donath hat ein Paradox überwunden: Sie arbeitet nicht für das Auto, das sie braucht, um zur Arbeit zu fahren. Sie hat kein Auto. Und bald auch keine Arbeit mehr. Das bisschen Geld, das sie später noch braucht – Krankenversicherung ist hier der größte Teil – kann sie sich auch anders verdienen. Sie lebt dann nicht von Sozialhilfe, nimmt niemandem die Arbeit weg. Sie haust einfach in Steinhausen. Und: Seit sie keine technischen Geräte, kein Telefon mehr hat, ist es ruhiger geworden in ihrem Leben. Sie hat mehr Zeit. Und sie läuft wieder mehr, fährt Fahrrad. „Auf Dauer ist das Knöpfchendrücken doch langweilig“ mein sie. „Derzeit leben wir in einem Wettlauf: Wir versuchen, die anderen Dinge immer um eins zu überlisten.“ Das will Anne Donath auf Dauer nicht. So hat sie beispielsweise gemerkt, dass die Bauern in Afrika, die oft nur Primitive oder gar keine Hilfen haben, gleich lang arbeiten, wie die Landwirte in Deutschland mit ihren High-Tech-Geräten. „Das ist doch ein Arbeiten für die Maschinen“ erklärt Donath.

Auch der anderen High-Tech, von der sich gerade die gesamte Industriewelt abhängig macht, räumt Anne Donath keine große Überlebenschance ein: „Das Internet, die Handys und all das sind vergleichbar mit einem Garten: Wenn ein großer Frost kommt, gehen alle feinen Spezialisierungen kaputt. In einem strengen Winter etwa frieren die feinen Verästelungen ab, sowie bei einer schweren (Wirtschafts-)Krise die spezialisierte Technik nicht gefragt ist, wenn die Menschen erst einmal für ihre Grundbedürfnisse sorgen müssen.“ Anne Donath ist nicht technikfeindlich. Sie braucht sie nur nicht. Und das probiert sie zuweilen mal aus. Letztes Jahr hatte sie eine Zeit lang einen solarstrombetriebenen Laptop. Doch es dauerte nicht lange, bis er ihr zu lästig wurde, der Reiz des Neuen war verflogen. Es folgte ein Handy, mit dem sie einem zu bestimmten Zeiten die Möglichkeit gab, telefonisch erreichbar zu sein. „Ich habe es meinem Bruder geschenkt“ erzählt Donath über das kleine Gerät.
Ob Anne Donath sich ein solches Leben für die gesamte Menschheit vorstellen kann? Das sei deren Entscheidung. Ich wollte so leben und ich wollte nicht, dass mir das jemand verbietet. Jetzt will sie den Menschen auch nicht vorschreiben, wie sie zu leben haben. Dass bei ihrer Lebensform noch ein ganzer Haufen ökologisch sinnvoller Beispiele herauskommen, ist Glück, es war aber nicht der Auslöser, so leben zu wollen.
Es kann sein, dass die Menschen die Welt verändern, dass sie die Welt zerstören,“ denkt Donath, „aber das gehört dann auch zur Evolution, das ist dann so. Es wird sich dann alles neu organisieren.

Und ihre eigene Zukunft? Nachdem sie nicht mehr arbeiten muss, will sie vielleicht mal wieder eine große Reise machen. Aber vielleicht genießt sie es dann auch erst einmal so, daheim bleiben zu dürfen, dass sie das erste Jahr in ihrer Hütte verbringt. Bei ihrem Ofen, ihren Fellen und ihrer warmen Stimmung im Haus. Wenn man dort hinein kommt, fühlt man sich wohl, wieso also verreisen?

Einige Leute im Dorf verstehen Anne Donath allerdings nicht. Die Baugenehmigung hat sie fast nicht bekommen. Zu klein, hieß es. „Sie machen sich doch kaputt, ohne Strom und allem. So kann man heute doch nicht mehr leben.“ sagte man ihr. Anne Donath zeigt: Man kann es. Und das sogar bei sehr guter Lebensqualität. „Das ist ja nicht so, dass die dumm wäre oder sonstwas, das ist es, was einige hier im Dorf nicht verstehen können“, sagt ein Mann. Nein dumm ist Anne Donath wirklich nicht. Sie zeigt nur, dass möglich ist, was viele propagieren: weniger ist oft mehr.

Gut leben statt viel haben eben.

(Quelle)

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Frauen verkaufen ihre Jungfräulichkeit

Viele Menschen tun alles um an Geld zu kommen. In letzter Zeit kam es häufiger zu Meldungen in denen junge Frauen ihre Jungfräulichkeit im Internet versteigert haben. Zwei 18 Jährige, eine 22 Jährige und eine 28 Jährige sollen für Geld einem fremden Mann ihre Beine breit gemacht haben. Die Summen sollen zwischen 10 000  und 3,7 Millionen Dollar gelegen haben.

Ich könnte mich jetzt grundsätzlich darüber aufregen das sich Frauen und auch Männer überhaupt mit Geld kaufen lassen. Dann müsste ich mich aber nicht nur auf die Sexualität beziehen sondern auch auf die Wirtschaft, Politik, Wissenschaft, Religion, eigentlich alle Bereiche wo Geld auch seine Anwendung findet. Diese Gesellschaft ist durch und durch korrupt, jeder Mensch hat seinen Preis.

Da ist es kein Wunder wenn ein paar junge Dinger ihre Muschi für ihren aller ersten Fick verkaufen. Es hat einfach einen besonders bitteren Geschmack, wenn jüngere Menschen die alten Dummheiten konsequent mitmachen und zu neuen erschütternden Höhen bzw. Tiefen verhelfen. Es ist ein Armutszeugnis wenn eine Frau sich verkaufen will oder muss nur damit sie Geld für das Studium oder die Ausbildung oder die Gesundheit ihrer Mutter hat. Was ist das für eine Gesellschaft die solche Dinge möglich macht und die Menschen dazu ermutigt oder antreibt?

Es ist ein Armutszeugnis das es Menschen gibt die die schwächere Position von solchen Menschen ausnutzen und entsprechend bei solchen Auktionen bieten. Es sollen bei diesen Auktionen tausende Männer mitgeboten haben. Es gibt zwar Gerüchte das die eine oder andere Geschichte vermutlich nur erfunden ist, aber selbst wenn sie nicht stimmen, gibt es weltweit Menschenhandel, gibt es Prostitution mit Minderjährigen, gibt es diese krankhafte Fixierung auf die Jungfräulichkeit und die Ausbeutung von Menschen.

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Abwärtsspirale: Der Terror gegen den Terror

Für mich reicht eigentlich schon der Spruch den damals George W. Bush auf den Trümmern des WTC abgelassen hat: „Diejenigen die dafür verantwortlich sind, werden bald von uns hören“ sinngemäß und mit einem frechen Grinsen hat also der wohl mächtigste demokratische Präsident direkt Rache angekündigt.  (Originalwortlaut des Zitats: „I can hear you, the rest of the world hears you, and the people who knocked these buildings down will hear all of us soon!“)

Was ist das für eine Nation die in diesem traurigen Moment sofort dazu übergeht Massenmord zu begehen? Im Afghanistankrieg sollen mindestens über 3500 Zivilisten getötet worden sein, im Irakkrieg liegen die Schätzungen der getöteten Menschen zwischen 8 000 und 1 000 000. Die Opfer des WTC-Anschlages am 9.11.2001 werden auf 3000 Menschen geschätzt.

Ich weiß man sollte aus Respekt vor den Opfern solche Vergleiche nicht anführen, aber es zeigt doch die Realität egal was für Gründe dahinterstecken. Und ich frage mich: Warum? Warum mussten diese Menschen sterben? Nur weil sie auf der „falschen“ Seite standen? Alle diese Menschen wollten doch glücklich sein und einfach nur ihr leben Leben. Und jetzt sind sie tot.

Es ist kein Geheimnis das unheimlich viele Menschen von diesen beiden Kriegen und diesem und anderen Anschlägen profitiert haben und auch weiterhin profitieren. Die Rüstungsindustrie, die Ölindustrie, die Wirtschaft der USA erlebte einen unheimlichen Aufschwung und konnte ihre Verschuldung etwas dämpfen. Interessant ist nun das Säbelrasseln gegen den Iran, wieviele Menschen sollen noch im „Kampf gegen den Terror“ sterben? Ich frage mich wozu dieser Wahnsinn gut sein soll? Warum bekämpft man Terror mit Terror? Warum beschneidet man wegen ein paar verwirrten Menschen die Rechte von Millionen von Menschen?

Was steckt dahinter? Wir werden es nie herausfinden können weil die Fakten in den Millionen Informationsquellen verschiedenster Interessengruppen völlig untergehen und durchaus auch versteckt und verfälscht werden. Es ist gefährlich sich auf irgendetwas zu fixieren, man läuft ständig Gefahr irgendeinem Unsinn aufzusitzen. Da hilft es Abstand zu nehmen und auf das Wesentliche zu schauen. Und dann sieht man das beide Seiten brutaler kaum sein können.

Auch die Medien profitieren von diesen Kriegen denn sie bringen Quote und Auflage, es profitieren Industriezweige das bringt Arbeit und Profit, die Politik profitiert denn sie wird gebraucht und kann führen, schützen, die Terroristen profitieren weil sie Angst und Schrecken verbreiten können, nur die Opfer bleiben auf der Strecke, die Allgemeinheit und die Menschenrechte werden völlig fallengelassen. Und damit verliert die Gesellschaft ihre Substanz und ihr Potential, weil sie sich selbst zerfleischt und hasst.

Wir leben in einer barbarischen Welt und es wird nicht besser wenn die Menschen sich nicht mal langsam klarwerden worauf es wirklich ankommt im Leben. Wir haben einander zu respektieren und wir dürfen uns nicht als Konkurrenten oder Gegner begreifen sonst gibt es immer wieder Rachefeldzüge die endlos von Jahrzehnt zu Jahrzehnt hunderttausende von Opfer fordert.

Ich dachte die Amerikaner hätten spätestens im Vietnamkrieg gelernt das es nicht richtig ist mit Gewalt eigene Visionen durchsetzen zu wollen. Ich dachte sie würden verstehen was sie Demokratie, Freiheit und Gerechtigkeit nennen. Wahrscheinlich haben sie aus den Augen verloren was das eigentlich im realen Leben bedeutet. Sonst hätten sie ihre Männer nicht nach Afghanistan und in den Irak geschickt um sie zu toten oder psychisch/physisch verkrüpelten Helden zu machen, sondern angefangen sich für die Bedürfnisse und Interessen anderer Nationen zu öffnen und den Dialog voranzutreiben. Aber dafür ist diese Nation zu ängstlich, sie schlägt lieber wild um sich und verleugnet ihre Probleme.

Genau diese Verleugnung der mächtigen Menschen innerhalb der Wirtschaft, Politik und Wissenschaft führt dazu das sich endlos viele Menschen von sich und anderen Menschen entfernen. Sie bekommen noch mehr Angst, sind noch unsicherer, verzweifelter und agieren entsprechend destruktiv, machen sich und andere damit unglücklich und ertrinken in unerfüllten Sehnsüchten. Den Amerikanern und Europäern fehlt es genauso an gemeinsamen Perspektiven wie anderen Nationen weil sie sich selbst nich erkennen. Sie stehen immer im Wettbewerb zu sich selbst und eigenen Ansprüchen und Vorstellungen. Sie leben entweder in der Vergangenheit oder in der Zukunft und vergessen dabei völlig die Gegenwart, das Hier und Jetzt.

Sie sind völlig von ihren Problemen eingenommen und fasziniert, lieben Gewalt und kühle Pläne gegen den Feind, Konkurrenten usw. Ob Nationen, Konzerne oder einzelne Individuen, es ist immer dasselbe primitive Prinzip das sie alle langfristig ins Unglück stürzt, welches soviele Facetten haben kann wie es Atome im Universum gibt. Auf gelöste Probleme folgen neue Probleme und diese müssen genauso gelöst werden wie die daraus folgenden Probleme. Es ist eine Abwärtsspirale, wie weit kann der Mensch sinken, wie weit kann er sich quälen ohne sich völlig auszulöschen? Das versuchen die Menschen momentan auf allen Ebenen herauszufinden und es ist ein Jahrhunderte altes Spiel, was sich nur oberflächlich neuartig, modern und komplex darstellt.

Deshalb quälen sich die Menschen und kommen nie zu einem Ende. Es ist wie der Kampf gegen den Terror, jeder kann zum Terroristen ernannt werden, selbst Präsident George W. Bush oder Barack Hussein Obama II.

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Kampfzwang

Wir sind gezwungen uns durch die Welt zu schlagen. Die gesellschaftlichen Forderungen sind eindeutig: Arbeite, verdiene mit irgendetwas Geld oder geh sterben. Das soziale Netz hat seine Grenzen, seit neueren Reformen hat es größere Löcher und Begrenzungen bekommen. Wer sich nicht durch den Arbeitsmarktdschungel kämpft oder gar einfach nicht stark genug ist sich im Wettbewerb gegen die Konkurrenz durchzusetzen, hat nicht mehr viel vom Leben zu erwarten. Die Freiheit des Egoismus ist das höchste Gut in dieser Welt. Es gibt keinen Zusammenhalt, keine Perspektiven und schon gar nicht so etwas wie Ruhe. Stets sind wir gezwungen uns beruflich weiterzuentwickeln, in den seltensten Fällen machen wir das freiwillig. Wir sind gezwungen flexibel zu sein, wir haben uns den Regeln des Marktes zu beugen, wir sind die Marionetten der Konzerne, wir folgen dem Diktat der Bilanzen. Gibt es schlechte Zahlen braucht es bessere humane Ressourcen, wir können nur die Besten brauchen!

Die jungen Schulabgänger mit dem besten Notenschnitt sind gerade gut genug! Deren Naivität muss vollends in das Unternehmen integriert und investiert werden, diese junge Kraft muss benutzt und gebraucht werden bis der Mensch dahinter daran zugrunde geht. Die Menschen sind die Batterien, die Brennstoffzellen des Unternehmens und werden beliebig ausgetauscht, vorallem wenn sie nicht mehr funktionieren. Es gibt keine Gerechtigkeit. Derjenige mit dem größten Ego gewinnt. Wer kann am meisten vorweisen, sich am stärksten hervortun? Dieser Jemand gewinnt, wird hochbezahlt. Welche Perspektiven haben wir schon? Es geht darum einen Job zu erhalten, sein Leben finanzieren zu können, wir sind wie Junkies die jede Woche ihren Schuss brauchen. Wir müssen uns verkaufen wie Huren und von jedem anficken lassen der genug bezahlt. Wir sind in völliger Abhängigkeit zum Beruf groß geworden. Alles ist darauf ausgerichtet für den Beruf zu leben, wer sich nicht über den Beruf definiert oder nicht arbeitet existiert für diese Gesellschaft nicht. Wer nicht arbeitet, wer nichts einzahlt ist ein reiner Kostenfaktor und muss entsprechend gezwungen werden sich wieder in Reih und Glied zu begeben. Wer das nicht macht, wird weiter bestraft, finanziell, wird isoliert und gezwungen miese Jobs zu machen.

Kritik und Zweifel werden nicht gehört oder nicht ernstgenommen, denn keiner kann diesen Wahnsinn stoppen. Was wäre denn wenn man die Hungertoten überall in der Welt beachten würde? Was wäre wenn man die Millionen Arbeitslose nicht mehr wie Asoziale behandelt? Da würden sich Unruhen im ganzen Land ausbreiten, keine Sau würde mehr fleissig produzieren, alles würde plötzlich in Frage gestellt. Da gibt es keine Rekordgewinne mehr, keine Export oder Importrekorde mehr. Die Gesellschaft wäre mit ihren habgierigen Vorstellungen in einer Sinnkrise, müsste sich völlig auflösen und neuorientieren. Wir müssten erkennen, dass wir die Menschen- und Grundrechte umsetzen müssen und das dies unser einziges gemeinsames Ziel sein sollte. Aber warum passiert das nicht? Wieso kämpfen die Menschen allein? Wieso fühlen sie sich alle verlassen, gespalten, zerstört, getrieben, gezwungen, hilflos, traurig, ohne Mut und Kraft? Ich denke wir haben alle von Geburt an unmengen an Manipulation, Missbrauch und Zerstörung erfahren. Wir wurden benutzt, genauso wie unsere Eltern und werden wie sie unser ganzes Leben ausgenutzt.

Es fängt in der Schule an, wer in der Schule gute Noten schreibt, hat tatsächlich die Chance glücklich zu werden, auch wenn dieses Glück oberflächlich ist, weil es nur auf das eigene Leben und eigene Leistungen zurückgeführt wird. Unser Schulsystem ist darauf ausgerichtet Gewinner und Verlierer zu produzieren. Es ist absichtlich so ausgerichtet Konflikte und Probleme zu erzeugen, die jungen Menschen zu zwingen gewisse gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Normen zu akzeptieren und nicht zu hinterfragen. Der Leistungsdruck wird von Klasse zu Klasse erhöht, es wird immer mehr Lehrstoff pro Tag und Stunde verbreitet. Jene die die Leistung nicht erbringen können oder wollen, gelten als dumm, beschränkt oder sogar lästig. Es gibt zwar Lehrer die ihr bestes geben um die Schüler zu motivieren möglichst gute Leistungen zu bringen, abr nur weil ihnen völlig klar ist: leisten die Schüler nicht viel, werden sie später zu Verlierern abgestempelt sein und ihr ganzes Leben darum kämpfen als etwas Besseres zu gelten. Von Anfang an werden wir in diese Strukturen hineingeworfen und mit egoistischen Ideen manipuliert.

Es muss Arbeiter geben und es muss Menschen geben die diese Arbeiter kontrollieren und steuern. Es muss Menschen geben die nicht hinterfragen und all das kaufen was produziert wird. Ohne diese Menschen würde das System zusammenbrechen und die Menschen liesen sich nicht korrumpieren, kontrollieren und ausbeuten. Daher müsste nicht nur das Bildungssystem völlig neu ausgerichtet werden, sondern auch die Wirtschaft, die Politik und Wissenschaft. Leider sind diese Bereiche wie schon zu Zeiten der Nazis Teil des Problems. Es gibt zwar Menschen darin die aufrichtig sind und für gute Dinge kämpfen, aber die meisten Menschen akzeptieren die Verhältnisse oder erkennen sie nicht und unterstützen sie damit. Die Verhältnisse sind ungerecht, machen unheimlich viele Menschen zu minderwertigen Gestalten die jeden Job annehmen müssen.

Wir sind alle gezwungen mitzumachen wenn wir weiterhin künstlich voneinander getrennt und gespalten werden. Wir alle teilen ein gemeinsames Schicksal. Wir sind alle auf diesem Planeten, haben ähnliche Bedürfnisse, Vorstellungen vom Leben und Glück, sind gleichberechtigt und gleich wertvoll. Warum wir diese allgemein bekannte Tatsache nicht in die Realität umsetzen lässt, ist wohl ein absolutes Rätsel. Ich könnte darüber spekulieren, dass es wohl zu allen Zeiten Menschen gab, die ein Interesse daran hatten, dass sich die Menschen gegenseitig bekriegen, als Konkurrenten betrachten usw. Es gibt bestimmt Menschen die diese Verhältnisse erzeugt und gestärkt haben. Es wird kaum nachweisbar sein wer und warum dies alles gemacht wurde. Es ist extrem schwierig das nachzuvollziehen. Wer ist schon so elitär und  weg von der Realität um für Macht und Kontrolle soviele Menschen zu unterdrücken? Wer könnte so kaltblütig sein? Vermutlich werden wir diese Gestalten niemals erkennen und vor Gericht bringen können.

Uns gefällt es ja mittlerweile auch Leistung zu bringen, zu kämpfen und uns wie früher gegenseitig fertig zu machen. Scheinbar akzeptieren genug Menschen diese Realität als völlige Normalität. Die meisten glauben es ginge nicht anders, nur weil sie es selten oder gar nicht anders kennengelernt haben. Vielleicht haben die meisten Menschen den elitären Vorstellungen genauso nachgegeben wie ihre ursprünglichen und jetzigen Herrscher und Manipuleure. Das Opfer wird zum Täter, zum Komplizen und Helfers Helfer. Alle die von diesen hier und jetzt existierenden Verhältnissen profitieren und nichts tun um die Verhältnisse zu verändern, sind Teil des Problems, Teil des Etablisments und müssten eigentlich erstmal jahrelang therapiert werden. Wir kennen das.

Wir kaufen tolle Produkte, gehen toll Essen, nehmen Drogen und machen auch sonst all das was uns ablenkt. Wenn wir uns aber ablenken kommen wir den Ursachen unseres Wunsches sich abzulenken und gehen zu lassen nicht näher. Warum wollen wir denn frei sein? Weil wir uns nicht frei fühlen. Warum fühlen wir uns nicht frei? Weil wir seit unserer Geburt dazu gezwungen und dazu gebracht werden zu kämpfen, gegeneinander und gegen uns selbst. Für Geld würden wir sogar unsere Mutter oder unsere größte Liebe verkaufen, so gut funktioniert die Manipulation mittlerweile. Noch ein paar Jahrzehnte und Liebe wird verboten, weil sie keinen Profit abwirft.

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Der schrille stumme Schrei der Partygesellschaft

Es ist 3 Uhr morgens als ich laute dumpfe Musik in ferner Nachbarschaft höre. Ich steige auf mein Fahrrad und fahre hin um zu sehen was dort passiert. Die Band heißt Deichkind und tritt auf einer Massenveranstaltung vor tausenden von betrunkenen kreischenden jungen Leuten auf. Als ich ankomme ist bereits alles vorbei und die Massen taumeln benebelt von den Drogen, der lauten Musik auf glitschigen Untergrund nach Hause. Die Tage davor hatte es öfter mal Regen gegeben, einige Autos steckten im Schlamm und kamen nur schwer von der Stelle. Die Veranstaltung liegt an einem See und überall sind Zelte von Fans aufgebaut. Einige hören laute Musik, schreien, grillen, hocken auf ihren Plastikstühlen, versinken darin, haben eine Freundin auf dem Schoss oder starren benebelt in die Nacht.

Die Atmosphäre ist gleichzeitig geladen und entspannt. Ich glaube die meisten sind hergekommen um ihre Probleme und Verzweiflung aus den Leib zu schreien oder sie irgendwie für ein paar Stunden zu betäuben. Es ist illusorisch, aber  viele Menschen probieren das weltweit ständig. Sicher findet irgendwo auf der Welt gerade dasselbe statt, in Italien oder Brasilien. Die Musik, die Menschen, die Drogen und das ländliche Umfeld mögen anders sein, aber im Kern geht es genau um dasselbe. Ein paar Stunden aus einem gewöhnlichen langweiligen traurigen Leben fliehen, welches mit den gesellschaftlichen Ketten der Leistungs- und Wettbewerbsprinzipien festgehalten wird. Es starten immer mehr Autos, viele Besucher steigen in Sonderbusse, andere gehen zu Fuß nach Hause, sie kichern, gackern, albern herum, reden nonsens und liegen sich hier und da in den Armen während sie weiter durch die Nacht stolpern.

Das sind die kleinen glücklichen Momente dieser mir so fremden Menschen. Ich habe nichts mit ihnen zutun, glaube aber sicher zu wissen was in ihnen vorgeht und warum sie das alles machen. Eigentlich ist es ein schöner Ort besonders in der Nacht. Aber die Veranstalter haben überall sehr helle Scheinwerfer aufgestellt, es gibt Sicherheitspersonal welches streng auf die vorbeiziehenden Gestalten blickt, aus einigen Ecken dröhnt weiter Musik und es gibt noch viele andere kleinere Lampen und Lichter die auf dem gesamten Platz verteilt wurden. Viele Menschen haben sich verabredet um gemeinsam und anonym eine Band zu feiern die scheinbar keine echte Richtung vertritt. Vorhin hörte ich etwas von Yippie Yippie Yeah und Remmidemmi typisches Partygegrölle, nutzlose Phrasen die die menschliche Leere nur oberflächlich stopfen können und recht schnell mit dem Alkohol ausgekotzt oder ausgepisst werden.

Brot und Spiele: Diese Leute sind erfolgreich mit ihrer Musik, haben es sich erarbeitet und damit irgendwie verdient. Sie fahren gleich nach ihrem Auftritt in einem großen roten Bus mit schwarzgefärbten Scheiben weg. Soll man ihnen einen Vorwurf machen? Sie sind erfolgreich mit ihrer Version von Ablenkung. Sie lösen nichts, sie versuchen nur glücklich zu sein, genau wie die Leute die für ihre Auftritte bezahlen und besaufen. Manchmal glaube ich den Menschen reicht es gewisse Illusionen und Träume zu haben, damit sie ihren jämmerlichen Alltag bewältigen und ertragen können. Das Wochenende ist Opium fürs Volk. Da darf man sich wenigstens ein bisschen entfalten, lebendig sein und überhaupt so sein wie man es gerne hätte. Da die meisten kaum einen Gedanken daran verschwenden was sie denn gerne wären, kommt meistens nur Bullshit dabei heraus. Sie werfen ihr Potential weg, schieben die Ketten für ein paar Stunden Spaß zur Seite und treten spätestens am Montag gehorsam willig oder widerwillig ihren Dienst an der Gesellschaft an.

Diesen Menschen fehlt es an einer Richtung, genau wie der Gesellschaft an sich. Es geht nur darum die notwendigen Leistungen zu erbringen, darüber hinaus gibt es nach dieser Logik nicht viel mehr. Wer die Leistung nicht erbringen kann, ist eben ein Verlierer, wird weggeworfen und vergessen. Wer ein paar Monate arbeitslos war und keinen Job fand oder wollte, wird wissen wie ich es meine. Seht Euch an wie man mit den Rentnern umgeht die kaum bis gar kein Geld besitzen. Wie geht es überhaupt den Menschen hierzulande und weltweit, die kaum bis keine Besitztümer, Qualifikationen oder dergleichen haben? Unsere tolle „soziale Marktwirschaft“ hat dafür genausowenig übrig, wie die Politiker etwas für ihre Bürger. Es geht letztlich nur darum die Verhältnisse beizubehalten. Die Leute sollen arbeiten und feiern. Andere profitieren davon und wollen natürlich nicht dabei gestört werden. Um derartiges in den einzelnen Fällen konkret nachzuweisen braucht es aber Menschen die sich lange Zeit präzise damit auseinandersetzen. Diese Menschen gibt es immer seltener, denn die Zeiten sind hart, jeder Job ist unsicher und jeder Mensch ist in einer Leistungsgesellschaft ersetzbar.

Alles was produziert wird muss auch gekauft werden. Es muss irgendwelche Idioten geben die sich nutzlosen Mist kaufen, die zuviel Essen, Rauchen, Saufen, sich ablenken und ihre Kritikfähigkeit, Zivilcourage und ihr Gewissen vergessen, verdrängt oder verkauft haben. Und wenn diese Leute noch krank werden, ist das auch sehr gut, denn dann kann man ihnen Medikamente verkaufen, sie zum Psychiater schicken der ihnen Medikamente verschreibt. Klar kostet das den Krankenkassen etwas, die holen sich das Geld von anderen Leuten, indem sie alte Menschen nicht mehr für teure Krebstherapien zulassen. Es gibt für alle Probleme Lösungen um den Profit zu steigern!

Und wer nicht arbeiten will, der muss einfach nur mehr gefordert werden. Wer in der Schule nicht funktioniert wird mit schlechten Noten bestraft, wer keine Ausbildung macht oder in einem Job arbeitet wird mit weniger Geld bestraft, alles was nur irgendwie den Produktions- und Korruptionskreislauf des wirtschaftlichen und politischen Machtapparates schwächen könnte muss bestraft werden. Und jene Menschen die folgen und fleissig arbeiten werden mit Geld belohnt, damit sie sich ein Stückchen Freiheit erkaufen und auf nichtssagenden Konzerten saufen können. Die nächsten Krisen kollektiv wie individuell sind schon vorprogrammiert, könnt ihr Euch alle drauf freuen!

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