Ohnmächtiges Leben

Ich habe große Angst vor der Zukunft. Ich habe diese Angst weil ich nicht weiß ob mein Vater Recht hat wenn er sagt, dass ich mit meinem Lebenslauf keinen guten Job mehr finde. Er sprich von absoluter Chancenlosigkeit und der einzige Ausweg sei der Weg zum Bund. Diesen Weg bezweifle ich natürlich stark. Was ist zum Beispiel wenn ich für dieses Land mein Leben gebe? Dankt mir das irgendjemand? Versteht irgendeiner den Wahnsinn daran? Ich würde dann zwar genauso vom System benutzt, ausgenutzt und weggeworfen, aber zumindest wäre das sicher.

In der sozialen Marktwirschaft, dominiert von Kapitalismus und Profitgier, ist mein Marktwert sicher nicht gerade sonderlich günstig ausgeprägt. Mein Lebenslauf lässt wirklich nicht auf einen karriereorientieren Menschen schliessen. Ich gebe nicht soviel auf Geld verdienen und möglichst gute Positionen in irgendeiner unbedeutenden Firma, die sich selbst aber ständig in der PR-Abteilung/Verkauf-Abteilung auf eigene Leistungen einen runterholt.

Ich hinterfrage meine Umwelt und manchmal brauche ich dafür den ganzen Tag, die ganze Woche, den ganzen Monat und nicht nur die Zeit beim Arbeitsweg oder die schlaflose Nacht. Ich will begreifen was in dieser Welt grundsätzlich schief läuft und das wir alle diese umfassende Leere und Sinnlosigkeit spüren weiß ich ganz genau. Es sind nicht nur Amokläufer die mit ihren sinnlosen Taten auf eine sinnentleerte Gesellschaftsform hinweisen. Wir alle protestierten direkt oder indirekt gegen diese von uns über die Jahrtausende etablierte Gesellschaft. Das merken wir nicht immer, weil unser Frust, unser Elend, unsere Aggressionen nicht sonderlich konstruktiv sind. Sie sind immer nur ein Ventil, ein Symptom, eine Wirkung einer Ursache.

Meine Ängste sind auch die Ängste vieler anderer Menschen. Diese Angst nicht zu wissen was aus einem werden soll. Beruflich, finanziell, sozial. Soll man sich für billige Jobs verkaufen nur um irgendetwas zu haben? Nur um dazu zugehören? Ist es in Ordnung sich für etwas zu verkaufen was man eigentlich gar nicht so toll findet? Wieso tun wir uns das so oft an? Sind wir wirklich gierig wenn wir das machen? Oder tun wir das weil wir sonst befürchten total abzurutschen und auf der Strasse zu landen, plötzlich zum geächteten Penner zu werden den man angeekelt keinen Cent schenken würde?! Was ist der Zweck unserer Gesellschaft? Wachstum? Expansion um jeden Preis? Wieso haben wir nicht Ruhe und Gelassenheit als oberstes Gebot? Wieso gucken wir nicht, dass es allen gut geht? Wieso haben wir Profitmaximierung als oberstes Gebot?

Weil es die Leute beschäftigt hält? Ist das der Zweck? Ist es so das eine kleine reiche elitäre Gruppe sich einen drauf runterholt wie sie unerkannt Milliarden Menschen versklavt? Manchmal könnte man diesen Eindruck gewinnen, so irrsinnig ist diese Realität geworden. Es gibt genug Menschen die diese Theorie mit Fakten zu belegen versuchen. Es ist nicht so leicht. Es hilft uns und mir nicht, wenn es diese Gruppe gibt. Es spielt keine Rolle, es hat sich eh alles verselbstständigt. Millionen Menschen gucken Fernsehen, hören Radio, schecken all den Experten, Politikern, Entertainern und Marktschreiern ihre Lebenszeit, Aufmerksamkeit, geben ihnen Quote, Macht und Geld. Wir treiben uns ständig gegenseitig an ein krankes System voranzutreiben, über Strukturen die uns das gar nicht so sehr auf die Nase binden. Das erkennen wir nur manchmal wenn wir als Arbeitsloser im Arbeitsamt sitzen und jeden Mist auf Papier nachweisen müssen, für ein paar lausige Euros. Da kommen wir uns doch vor wie Verbrecher, nur weil wir leben wollen oder?

Es ist eine eigenartige Realität die wir produziert haben. Unlogisch und schizophren, kühl und wahnsinnig präzise geregelt. Alles hat seine Ordnung, selbst der Massenmord, selbst die Zerstörung der Umwelt und so weiter. Ich will nicht noch deprimierende Fakten verteilen. Ich zerstreue mich sowieso viel zu sehr. Ich weiß nicht weiter und das ist meine Situation seit langen Monaten. Was tun? Irgendwas? Irgendein Job und nebenbei hinterfragen? Das klappt nicht. Ist nicht sonderlich konsequent und schon gar nicht effizient. Man ist immer so vergiftet von den Theorien anderer Menschen und Arbeiter. Da kann man nur bei extremster Aufmerksamkeit einige Dinge lernen. Tiefsinnige Dinge.

Ich wünschte ich könnte 10 Jahre zurückgehen und das jetzige Wissen behalten. Das ist ein alter Traum ich weiß, den schon viele geträumt haben. Sovieles würde ich dann wirklich richtig machen. Früher dachte ich nicht mal halb soweit wie jetzt. Ich dachte es hätte alles einen geheimen Sinn den ich noch nicht begriffen habe. Alles sei meine Schuld nur weil ich es nicht begreife. Dabei ist da gar keine innere gesunde Logik. Es gibt nicht die schützende unsichtbare Hand.  Wir unterliegen Denkmustern die begrenzt und dumm sind. Die Cleveren und die Dummen sind imselben Maße gefangen in diesen kranken Strukturen, oft ohne es selbst zu merken.

Weiß nicht ob ich clever genug bin meine Meinung fundiert darzulegen, in einem Buch oder so und dann dieses erfolgreich zu verkaufen um mich unabhängiger machen zu können. Träumerei, wie soll das was werden? Alles muss sofort sein, nur dann wäre es gut. Denke ich mir irgendwie. Frustration und Ohnmacht sind mein Alltag.

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