Monatsarchiv: März 2009

Erbarmungslos

Ich habe heute einige Fotos von alten Arbeitskollegen gesehen. Sie sahen aus als wären sie schwer-krank. Gezeichnet, traurige Blicke, drei-tage Bärte, umkämpfte Frisur, schlaf hängende Gesichtspartien. Sie sahen aus als hätten sie eine unheilbare Krankheit. Sie sahen aus als wären sie der TV-Serie Stromberg entsprungen. So traurig, leer, vorhersehbar und eintönig.

Der tägliche Überlebenskampf gegen andere Unternehmen hat in der harten Speditionsbranche ihre Spuren hinterlassen. Nicht nur am Material, an den Lkws, an der Umschlaghalle, den Gabelstaplern sondern auch an den Menschen. Über die Jahre haben sich deutliche Spuren in ihre Körper und Seelen gezeichnet. Ein reduziertes Leben ist allen Arbeitern gemeinsam. Sie kämpfen tapfer für ihren Lohn, den Gewinn und Umsatz „ihres“ Unternehmens, damit sie sich neue Schuhe, Möbel und Autos kaufen können. Sie kaufen sich vergängliche Dinge von ihrer verkauften Lebenszeit. In ihrer Freizeit starren sie in den Fernseher und geben oberflächlichen Mist die größte  Macht.

Meine Kollegen haben jahrelang gekämpft. Ihre Ängste sind nicht kleiner geworden. Ihr Reichtum ist nicht größer geworden. Der Kampf scheint endlos und immer erbarmungslos. Jene die Schwächen zeigen, stürzen und sind schnell vergessen. Die biologische Uhr scheint im Überlebenskampf schneller zu ticken. Und bald sieht unser aller Leben aus wie ein Schrottplatz. Gespenstisch, rau und vielfach benutzt. Denn alles musste schnell funktionieren und gemacht werden. Das Gefühl für Lebenslust ist uns abhanden gekommen. Uns regieren die Zahlen, uns diktiert die Gier was wir zutun haben, wir sind zu Fast-food verkommen.

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Ohnmächtiges Leben

Ich habe große Angst vor der Zukunft. Ich habe diese Angst weil ich nicht weiß ob mein Vater Recht hat wenn er sagt, dass ich mit meinem Lebenslauf keinen guten Job mehr finde. Er sprich von absoluter Chancenlosigkeit und der einzige Ausweg sei der Weg zum Bund. Diesen Weg bezweifle ich natürlich stark. Was ist zum Beispiel wenn ich für dieses Land mein Leben gebe? Dankt mir das irgendjemand? Versteht irgendeiner den Wahnsinn daran? Ich würde dann zwar genauso vom System benutzt, ausgenutzt und weggeworfen, aber zumindest wäre das sicher.

In der sozialen Marktwirschaft, dominiert von Kapitalismus und Profitgier, ist mein Marktwert sicher nicht gerade sonderlich günstig ausgeprägt. Mein Lebenslauf lässt wirklich nicht auf einen karriereorientieren Menschen schliessen. Ich gebe nicht soviel auf Geld verdienen und möglichst gute Positionen in irgendeiner unbedeutenden Firma, die sich selbst aber ständig in der PR-Abteilung/Verkauf-Abteilung auf eigene Leistungen einen runterholt.

Ich hinterfrage meine Umwelt und manchmal brauche ich dafür den ganzen Tag, die ganze Woche, den ganzen Monat und nicht nur die Zeit beim Arbeitsweg oder die schlaflose Nacht. Ich will begreifen was in dieser Welt grundsätzlich schief läuft und das wir alle diese umfassende Leere und Sinnlosigkeit spüren weiß ich ganz genau. Es sind nicht nur Amokläufer die mit ihren sinnlosen Taten auf eine sinnentleerte Gesellschaftsform hinweisen. Wir alle protestierten direkt oder indirekt gegen diese von uns über die Jahrtausende etablierte Gesellschaft. Das merken wir nicht immer, weil unser Frust, unser Elend, unsere Aggressionen nicht sonderlich konstruktiv sind. Sie sind immer nur ein Ventil, ein Symptom, eine Wirkung einer Ursache.

Meine Ängste sind auch die Ängste vieler anderer Menschen. Diese Angst nicht zu wissen was aus einem werden soll. Beruflich, finanziell, sozial. Soll man sich für billige Jobs verkaufen nur um irgendetwas zu haben? Nur um dazu zugehören? Ist es in Ordnung sich für etwas zu verkaufen was man eigentlich gar nicht so toll findet? Wieso tun wir uns das so oft an? Sind wir wirklich gierig wenn wir das machen? Oder tun wir das weil wir sonst befürchten total abzurutschen und auf der Strasse zu landen, plötzlich zum geächteten Penner zu werden den man angeekelt keinen Cent schenken würde?! Was ist der Zweck unserer Gesellschaft? Wachstum? Expansion um jeden Preis? Wieso haben wir nicht Ruhe und Gelassenheit als oberstes Gebot? Wieso gucken wir nicht, dass es allen gut geht? Wieso haben wir Profitmaximierung als oberstes Gebot?

Weil es die Leute beschäftigt hält? Ist das der Zweck? Ist es so das eine kleine reiche elitäre Gruppe sich einen drauf runterholt wie sie unerkannt Milliarden Menschen versklavt? Manchmal könnte man diesen Eindruck gewinnen, so irrsinnig ist diese Realität geworden. Es gibt genug Menschen die diese Theorie mit Fakten zu belegen versuchen. Es ist nicht so leicht. Es hilft uns und mir nicht, wenn es diese Gruppe gibt. Es spielt keine Rolle, es hat sich eh alles verselbstständigt. Millionen Menschen gucken Fernsehen, hören Radio, schecken all den Experten, Politikern, Entertainern und Marktschreiern ihre Lebenszeit, Aufmerksamkeit, geben ihnen Quote, Macht und Geld. Wir treiben uns ständig gegenseitig an ein krankes System voranzutreiben, über Strukturen die uns das gar nicht so sehr auf die Nase binden. Das erkennen wir nur manchmal wenn wir als Arbeitsloser im Arbeitsamt sitzen und jeden Mist auf Papier nachweisen müssen, für ein paar lausige Euros. Da kommen wir uns doch vor wie Verbrecher, nur weil wir leben wollen oder?

Es ist eine eigenartige Realität die wir produziert haben. Unlogisch und schizophren, kühl und wahnsinnig präzise geregelt. Alles hat seine Ordnung, selbst der Massenmord, selbst die Zerstörung der Umwelt und so weiter. Ich will nicht noch deprimierende Fakten verteilen. Ich zerstreue mich sowieso viel zu sehr. Ich weiß nicht weiter und das ist meine Situation seit langen Monaten. Was tun? Irgendwas? Irgendein Job und nebenbei hinterfragen? Das klappt nicht. Ist nicht sonderlich konsequent und schon gar nicht effizient. Man ist immer so vergiftet von den Theorien anderer Menschen und Arbeiter. Da kann man nur bei extremster Aufmerksamkeit einige Dinge lernen. Tiefsinnige Dinge.

Ich wünschte ich könnte 10 Jahre zurückgehen und das jetzige Wissen behalten. Das ist ein alter Traum ich weiß, den schon viele geträumt haben. Sovieles würde ich dann wirklich richtig machen. Früher dachte ich nicht mal halb soweit wie jetzt. Ich dachte es hätte alles einen geheimen Sinn den ich noch nicht begriffen habe. Alles sei meine Schuld nur weil ich es nicht begreife. Dabei ist da gar keine innere gesunde Logik. Es gibt nicht die schützende unsichtbare Hand.  Wir unterliegen Denkmustern die begrenzt und dumm sind. Die Cleveren und die Dummen sind imselben Maße gefangen in diesen kranken Strukturen, oft ohne es selbst zu merken.

Weiß nicht ob ich clever genug bin meine Meinung fundiert darzulegen, in einem Buch oder so und dann dieses erfolgreich zu verkaufen um mich unabhängiger machen zu können. Träumerei, wie soll das was werden? Alles muss sofort sein, nur dann wäre es gut. Denke ich mir irgendwie. Frustration und Ohnmacht sind mein Alltag.

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Die Krankheiten der Gesellschaft

Überall im Land geschieht Unrecht, Dummheit, Korruption, Verfehlungen aller erdenklich-möglichen Formen finden einen Platz in dieser ganzen Gesellschaft. Ich als einzelner Mensch soll dennoch allen Bilderbuchidealen entsprechen die sich ein Unternehmer nur vorstellen kann. D.h. ein lückenloser Lebenslauf mit einer klar ersichtlichen Steigerung der Fach- und Sachkenntnisse in einem gewissen Beruf.

Weise ich nicht diesen Lebenslauf auf, weise ich nicht die Kenntnisse auf bin ich teuer und unangenehm für den Unternehmer. Ich bin damit ein Mensch der weniger wert ist für den Unternehmer. Ich bekomme dadurch schwieriger einen Job und muss mich auf die Unternehmen konzentrieren die nicht so genau hinsehen, leider sinkt dabei auch das Nivaeu  des Jobs. Folglich befinde ich mich in einer stillen sozialen Abwärtsspirale die sich immer schneller dreht, je später ich davon Wind bekomme.

Natürlich bin grundsätzlich immer ich selbst verantwortlich für meinen Lebenslauf, grundsätzlich bin ich schuld für alles was dort zu finden ist. Viele Faktoren werden nicht berücksichtig und es gibt selten eine zweite Chance, bzw. überhaupt eine erste Chance. Denn wir alle müssen sparen, die Unternehmen gleich dreimal, denn der Wettbewerb ist hart, wir kennen das alte Lied der Globalisierung. Ich bin sehr frustriert von dieser Realität. Nur weil ich mir die ehrliche Mühe mache in einer Auszeit eine Orientierung bzgl. Lebenssinn und Hinterfragung der Gesellschaft voranzutreiben, werde ich gegenüber notorischen Ja-Sagern die jedem beschissenen Trend hinterher rennen benachteiligt.

Eine absurde Gesellschaft. Wieso werden nicht gerade Diejenigen gefördert die die Gesellschaft hinterfragen? Warum sind nur die erfolgreich die letztlich nur die Eigennutz-maximierung im Sinn haben? Wieso denken Unternehmen nicht in globalen Zusammenhängen? Ich nenne diese korrupten Strukturen eine Krankheit die uns auf dem Weg zu einer besseren Gesellschaft schwer bremsen und behindern wird. Solche Menschen wie ich müssen es ausbaden. Jene ohne Lobby, jene die eigentlich nichts weiter als ein geregeltes konstruktives Leben wollen.

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