Chaos versus Frieden

Ich arbeite, meine Verwandten arbeiten. Freunde, Bekannte, Fremde, alle Menschen arbeiten. Von Früh bis Spät kämpfen wir mit Kunden, Verträgen, Produkten, Verkaufsstrategien usw. für unser Geld, unsere Zukunft und unser persönliches Glück.

Wir verlieren und versenken uns im Wettkampf gegeneinander. Gemeinsam kämpfen wir gegeneinander. Jeder gegen Jeden für die Freiheit und die Selbstverwirklichung, für ein bisschen Spaß! Manche von uns sind sehr erfolgreiche Arbeiter, Manche weniger, Andere erfüllen nur ihre Pflicht und das wars. Es ist und bleibt ein Kampf.

Wir lenken gern von dieser Wahrheit ab, indem wir feiern gehen oder besser, indem wir die Tage, Wochen, Monate, Jahre, Jahrzehnte zerteilen und verplanen. Wir trösten uns mit Musik, Süssigkeiten, Tanzen, eben irgendwelchen kurzfristigen Freuden, die wir uns selbst festlegen und erfülen. Keine dieser Freuden hält ewig oder gar lang genug, denn der nächste Arbeitstag mit all seinen vielen Stunden wartet schon und kommt unaufhaltsam näher und näher.

Dann sind wir wieder gezwungen für unser beschränktes, vorübergehendes Glück aufs Neue zu kämpfen. Akten wälzen, mit unangenehmen Leitern und Kunden fertig werden ohne zu schreien und zu weinen, durchbeissen, durch die Blechlawinen auf den Autobahnen, durchboxen durch die Menschenmengen an den Bahnhöfen. Die Atmung wird flacher, kürzer, wir verlieren mit der zunehmenden Geschwindkeit unseres Berufslebens immer stärker die Orientierung. Erst fliegen die Gefühle und Zweifel davon. Dann fliegen die Hoffnungen und Visionen davon. Und zuletzt fehlt der Mut, die Liebe und der Wille zu überleben.

Was haben wir von diesem Kampf? Die meisten Menschen kämpfen in ihren Berufen gegen Frustration, Burnout, etliche Herausforderungen. Seht Euch die Gesichter an, wenn ihr Morgens oder Abends unterwegs seid. Schaut in die Autos die neben Euch vorbei rasen, wenn ihr zur Arbeit fahrt. Schaut Euch die Gesichter der Fahrer an. Sind das glückliche Gesichter? Sind sie über jede Sekunde die sie leben dürfen glücklich und froh?

Die Leute wirken müde, abgekämpft, sie scheinen ihr Leben nicht zu geniessen. Dabei gehören wir in Europa und Deutschland zu den privilegierten Ländern und Staaten. Wir bekommen noch genug Geld für unsere Arbeit, sodass wir uns teure Autos kaufen, Häuser bauen, trendige Klamotten, Musik usw. kaufen können.

Trotz dieser erheblichen Zeichen eines maroden, ungerechten Systems gehen die Menschen weiter als sei nichts gewesen, als sei alles in Ordnung. Natürlich geht es uns recht gut, im Gegensatz zu Menschen in Afrika oder gewissen Teilen Indiens. Aber heisst das für uns nicht täglich zu fragen: Sind wir auf dem richtigen Weg? Ist das die beste und einzige Möglichkeit? Ist es nicht so, das wir mit unserem Verhalten die Armut anderer Menschen auslösen bzw. ermöglichen? Wer kauft denn die billigen Klamotten, wer kauft denn Tabak, Kaffee aus unfairen Situationen? Sind wir Opfer oder Täter?

Keiner von uns scheint diese Fragen gerne zu stellen. Fürchten wir diese Fragen zu stellen, weil es dann einer totalen ständigen Veränderung bedarf? Wir würden wieder in echter Unsicherheit leben wenn es soweit kommen würde. Halten wir das aus?

Vielleicht fürchten die meisten, es würde nichts besser werden. Wir hoffen auf schlaue, langjährige Politiker, die hoch qualifiziert und studiert unsere Probleme lenken. Oftmals erdenken sie Probleme wenn sie Lösungen erarbeiten sollen. Deshalb ändert sich seit Jahrhunderten nicht wirklich etwas. Reich bleibt reich, arm bleibt arm. Die Politiker können die Probleme von den Arbeitern nur oberflächlich nachvollziehen. Woher das alles kommt? Reformen bedürfen immer neuen Reformen; Neue Lösungen bringen neue Probleme und vom Lobbyismus der Wirtschaft wollen wir hier erst gar nicht sprechen.

Wir sind eine schizophrene Lebensform. Einerseits fasziniert vom Chaos und Tod, andererseits stets bemüht Frieden und Glück zu ermöglichen.

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Eingeordnet unter Gesellschaft

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