Vierter Tag

Ja, es stellt sich immer stärker eine gewisse Routine ein. Die Vorgänge wiederholen sich und ich begreife einmal mehr, wie stark begrenzt das Arbeitsleben sein kann. Soviele Spezialisten um mich herum, und wenn ich sie mir genauer ansehe, sie durchleuchte und durchdenke. Dann merke ich wie wenig von ihnen übriggeblieben ist. Wieviel Mensch ist von ihnen neben dem Beruf noch übrig?

Sie sind irgendwie gefangen in ihren dienstlichen, beruflichen Fähigkeiten, sie hängen in ihren Verpflichtungen gegenüber dem Arbeitgeber und dem eigenen Verantwortungsgefühl. Treiben sich an, weil sie Geld dafür bekommen, was sie wiederum in Massagen, Kleidung, Auto und so weiter stecken. Das Geld hält das Leben am laufen und damit das Leben läuft und auch in Zukunft weiterläuft, wird viel Energie in den Job gesteckt. In der Hoffnung es würde sich lohnen, mit dem Ziel das es einen bald besser gehen wird als jetzt. Mit dem Ziel bald unabhängig zu sein und in Frührente zu gehen. Mit dem Ziel endlich das Leben genießen zu können und verstehen zu lernen.

Bei manchen meiner Kollegen habe ich das Gefühl, es ist längst zu spät. Ihr Gang ist träge, ihre Blicke trübe, ihr Lachen schief und krumm. Die Sprüche, die Witze, gut einstudierte über die Routine eingespielte Wachmacher und Motivationsschübe. Irgendwie wirken sie weniger lebendig als die Kinder, die ich auf dem Weg zu Arbeit sehe. Die Kinder hüpfen, schreien, lachen und tanzen über die Straßen. Egal bei welchen Wetter. Und die Älteren tapsen schlaff über den Bordstein, als ob sie am liebsten gleich in ein Grab fallen wollten.

Wahrscheinlich haben sie nie ein echtes Gefühl von Freiheit erlebt. Waren nie am Meer und haben dort mal eine Nacht verbracht. Haben nie wirklich geliebt und leidenschaftlich für jemanden gelebt. Sehen sich nie richtig die Sterne an und trauen sich nicht über einfachste Dinge ganz offen zu staunen. Sie haben ihr Leben zu einem Schubladensystem gemacht. Abgesperrt und abgeschirmt. Afrika ist weit weg und von Politik wollen sie auch nichts wissen. Was hat man schon mit der Finanzikrise zutun? Ersparnisse sind sicher, okay und nun?

Gedankenlose Gleichgültigkeit mitten im Leben, mitten im stressigen Arbeiten. Und ich sitze da und schaue mir die Leute an. Was hat das alles nur zu bedeuten? Was wird denn daraus werden, wenn wir weiter so leben? Kann uns das echt mal glücklich machen? Ständig muss jeden Monat die Kohle rein und ob man sich mit der Arbeit identifiziert und ob man sich mit den Kollegen auch menschlich wirklich versthet, alles nur nebensächliche Dinge. Wichtiger ist, das alle Kollegen dazubeitragen, dem Unternehmen zu mehr Effizienz und mehr Geld zu verhelfen. Das ist unser einziges gemeinsames Ziel. Und ich denke das ist so anstrengend und falsch, es bringt uns schneller an den Tod als wir glauben.

Wenigstens kann ich froh sein, morgen ist der letzte Tag der ersten Woche überstanden. Natürlich geht es dann nächste Woche weiter und ich habe am Wochenende viel Bürokratie vor mir. Doch ich habe einige Erkenntnisse gewonnen und einige Herausforderungen bewältigt. Vielleicht wird mir das auch auf meinem Weg durch die Zivilisationen helfen.

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Eingeordnet unter Arbeitertagebuch

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