Monatsarchiv: Oktober 2008

Überlebenskampf

Obwohl ich nicht den härtesten Job habe, bin ich jeden Abend nach der Arbeit ziemlich müde und kaputt. Da bleibt nicht mehr viel Elan für andere Dinge. Auch wenn ich mir täglich etwas vornehme, wird am Abend wenig oder gar nichts daraus. Ich denke ich stecke genauso wie viele andere Leute ziemlich fest im Arbeiterleben.

Jeden Tag gibt es nun Routine auf allen Bahnen meines Lebens. Ich stehe zurselben Uhrzeit auf, dusche, frühstücke und so weiter. Dann aufs Fahrrad, Musik an, S-Bahn, traurige, deprimierte, hängende Gesichter. Einige Leute rauchen oder unterhalten sich, gucken wo die S-Bahn bleibt und reiben sich die Hände vor Kälte.

Dann kommt sie mit den üblichen immer gleichen Geräusch. Ein paar steigen aus, viele wollen rein, die Jagd auf einen Sitzplatz beginnt. Station für Station kommen mehr Leute und es wird voller. Ich lese und höre Musik. Ich versuche möglichst keine Gefühle oder Gedanken über den bevorstehenden Tag zu hegen, das würde mich nur belasten.

Nach weiteren Stationen steige ich um, sehe noch mehr trübe Gesichter und fahre wieder herum. Dann in den Bus, der auch immer nur dieselbe Strecke kennt. Ich steige aus und dann die Treppen des Firmengeländes zur Abteilung hoch. Sage: Guten Morgen, werfe meine Jacke auf den Stuhl und dann geht dieselbe Leier des Vortages von vorne los.

Und das ist nur ein Teil des Ablaufes der sich ganz ähnlich wiederholt. Ich bin mir sicher, so leben neben mir noch viele Millionen andere Menschen. Die einen zweifeln ob das schön ist, die anderen wissen das es erbärmlich ist, und so weiter. Jeder hat so seine Art und Weise seine Situation zu  beurteilen und dann zu durchleben. Wenn ich meinen Alltag so betrachte, und die Gedanken und Gefühle die daraus folgen beobachte, dann kann ich mein Leben nur als stumpfsinnig definieren.

Ähnlich definiere ich wenn ich das Leben von Millionen anderen Menschen betrachte. Sicher, auch die Tiere leben im Stumpfsinn, sie scheinen mir aber im Wesentlichen nicht so einem Chaos ihrer direkten Artgenossen ausgesetzt. Der Mensch ist durch sein Denken wirklich immer schlimmer geworden. Ich weiss nicht was ich aktiv dagegen machen soll.

Es ist mir nicht möglich die Welt zu ändern, oder gar ein Land zu ändern, denn dafür bräuchte ich soviele Eigenschaften, Geld und Macht, die ich in meinem ganzen Leben nie aufhäufen könnte. Ich will mein Leben auch gar nicht dafür verwenden, Wissen, Geld und Macht anzuhäufen. Ich verliere das alles doch mit dem Tod ohnehin. Aber was soll ich tun?

Soll ich wirklich einfach von einem Tag auf den anderen in eine der wenigen abgelegenen Bereiche der Welt, ohne Menschen, ohne Zivilisation und so weiter ziehen? Ich würde wahrscheinlich kein halbes Jahr da draußen überleben. Nie habe ich einen Überlebenskurs oder dergleichen besucht. Dafür würde mir jetzt auch das Geld und die Zeit fehlen. Ich weiss nicht, meine Situation ist stumpfsinnig, ätzend und absolut ausweglos.

Gut, wenn man Suizid als Ausweg sieht, gibt es doch noch einen Ausweg. Aber warum sollte ich mein Leben jetzt schon beenden? Zwar würde ich dann aus meiner Entscheidung heraus einen Schlussstrich ziehen und von niemanden abhängig sein und müsste mich auch nicht um die Altersvorsorge kümmern. Nur, ich habe das Leben nicht genug begriffen, alsdass ich es jetzt schon auslöschen könnte. Klar, es ist nicht notwendig, aber irgendwie will ich mir die Chance lassen zu verstehen. Auch wenn es bedeutet, ständig in Gefahr zu leben.

Momentan sehe ich mein stumpfes Arbeiterleben tatsächlich als Überlebenskampf an. Es geht jeden Tag darum achtsam zu sein. Denn es passiert ganz schnell und man ist genervt, sauer und will nur noch weg. Und dann erkennt man sofort, es geht nicht. Man muss den Job durchziehen, denn es gibt unzählige Verpflichtungen, vorallem finanzieller Art, es wäre der Ruin den Widersprüchen nachzugehen.

Ich habe viele Verwirrungen teuer bezahlt. Viele tausend Euro, sprich, ich habe viele Monate quasi für nichts gearbeitet, weil ich einfach unüberlegt Risiken eingegangen bin. Diese Gesellschaft straft soetwas sofort mit finanziellen Abbuchungen. Natürlich wird das immer ganz positiv verpackt. Letztlich weiss ich aber, das die immer nur mein Geld wollten und mir nicht wirklich eine konstruktive Richtung weisen wollten.

Das zeugt einfach von einer zerstörerischen Gesellschaft, wenn unerfahrene Menschen gnadenlos mit hinterhältigen Verträgen und Verpflichtungen mit einem Lächeln geknebelt und gefesselt werden. Erst spät erkennt man dann, die haben alle nur geschauspielert um ihr schickes Auto  oder ihre tollen Anzüge bezahlen zu können. Das ist eine grundverlogene Gesellschaft in der wir leben.

Sie ist in einem hohen Maß stumpfsinnig und kompliziert. Das Leben selbst ist unglaublich einfach, aber der Mensch hat sich selbst und sein Leben mit seinem Denken kompliziert gemacht. Dieses Denken hat auch meinen stumpfsinnigen Alltag verursacht. Ich muss daraus ausbrechen und es auflösen. Anders geht es nicht. Viele Fehler kann ich mir nicht mehr leisten. Mich wird niemand mehr auffangen. Ich bin nicht mehr interessant genug.

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Wir wollen das Gute, schaffen aber das Böse.

Wir leben in einer von uns maßgeblich erschaffenen agressiven Welt. Vom ersten Herzschlag an dominiert der Wille zum Erfolg. Unser aller LEben ist gewinnorientiert und steht im Wettbewerb mit allen anderen Menschen. Wir spüren diesen Druck sehr früh.

Einige von uns wehren sich, Andere nehmen die Lage widerwillige an und Weitere lassen sich sofort davon begeistern. Über die Jahre wechseln einige Menschen je nach Erfahrungen und Erfolgen oder Misserfolgen die Sichtweisen, aber was bei allen immer klar scheint: Es gibt keine Alternative zu dieser jetzigen mechanisierten, industrialisierten Informationsgesellschaft.

Diese Grundhaltung sorgt für die allgemeine Akzeptanz der schwierigen, komplizierten, ungerechten und kalten Situation. Die Menschen konzentrieren sich auf ihr Leben, auf ihre Interessen, Aufgaben, Ziele und Vorstellungen und setzen damit die Abwärtsspirale des Nicht-Verstehens fort.

Das Leben wird durchorganisiert, nichts bleibt vor dem cleveren Intellekt verschont: Die Tierwelt, Umwelt, benachteiligte Menschen haben den Idealen und sonstigen Wertvorstellungen zu gehorchen, sich mit Leib und Seele zu unterwerfen.

Die Bilder und Geschichten sind bekannt. Sie sind Routine. Außer Spenden kann sowieso Nichts getan werden, so der übliche Tenor der Massen. Menschen die erkennen das nicht nur die Systeme und Einzelpersonen verantwortlich für die massiven Probleme der Menschheit sind, werden mit Argumente nauseinandergenommen, von Experten vernommen, ignoriert, belächelt und isoliert.

Es existiert bei vielen Menschen der Wunsch nach Sicherheit. Diese ersehnen sie sich in Karrieren, Beziehungen, hohen Beträgen auf Konten, entsprechenden Ideologien und Glaubensvorstellungen. Doch das Leben ist unsicher. Das Leben ist deshalb so fantastisch und bietet soviel unermessliche Freiheit.

Wir Menschen verfolgen mit dem gewinnorientierten Wettbewerb, welcher unser Leben ausmacht, eine begrenze, verkrüppelte Freiheit, die uns tagtäglich kurzfristiges Vergnügen und Unmengen an Zweifel und Leid beschert. Diese Krisen und Leiden die wir im Kleinen wie im Großen durchleben, beweisen in einer unendlichen Beständigkeit die Wahrheit.

Keiner unserer Plänge, keines unserer Argumente wird jemals sicher sein. Es ist immer nur eine Frage der Zeit wann ein Plan oder Argument scheitern wird. Denn der Intellekt ist durch Wissen und Information begrenzt. Er wird uns niemals zur vollen Wahrheit und Freiheit führen, sondern immer wieder neues Leid und kurzfristige Erfolge produzieren, die aber natürlich nutzlos sind.

Dies mag sich nun unheimlich deprimierend anhören. Die Wahrheit ist aber, es ist unendlich befreiend. Denn sobald wir unsere Pläne, Ziele, Sicherheiten aufgeben, entfällt der Wettbewerb, Leistungsdruck und damit Neid, Gier, die Kälte aus unser aller Leben.

Wenn wir nicht mehr lernen und verstehen, um uns von anderen abzugrenzen und durchzusetzen, ist das doch eine befreiende Lebensweise. Viele Menschen fürchten sich vor einer inneren Revolution, das Verstehen der eigenen inneren Leere, die eigentlich Liebe ist. Die meisten Menschen sind überladen und versunken in ihren Gedanken und Gefühlen.

Sie haben ganz unterschiedliche, vielschichtige Gründe für ihre Mutlosigkeit und Orientierungslosigkeit, für ihre Suche nach Autorität und Sicherheit. Oft ist es die Flucht, die Angst vor der Leere die sich scheinbar Klein und Hilflos werden lässt. Sie leben nur um nach einen fremden Willen zu funktionieren.

Seit sie leben kopieren und imitieren sie, weil sie es nie anders gesehen haben, nie anders verstanden haben. Die Welt ist herzlos, kalt und ungerecht weil die Mehrheit der Menschen das Leben nur oberflächlich begreifen und leben. Das selten die Absicht der Menschen, sie schaffen aber dennoch diese Realität, wohl weil sie keinem echten Verstehen nachgehen.

Es wird auch nirgends wirklich gelehrt. Wir haben Gewinnorientierung und Materialismus. Wir arbeiten und kämpfen für Dinge die bald wieder kaputt und zu Staub zerfallen sind. Wir trachten nach höchst oberflächlichen Zielen und verblenden damit nicht nur uns selbst, sondern auch künftige Generationen. Wie soll es so nur besser werden?

Es kann nicht besser werden, wenn nicht jeder Mensch anfängt sich und das Ganze zu hinterfragen und nicht nur kleine Teile davon oder gar nicht. Jeder kann jetzt damit anfangen, unabhängig vom Bildungsgrad, der Position in der Gesellschaft, Hautfarbe oder Rasse.

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Zweite Woche

Ich habe eine zeitlang keine Sachen mehr geschrieben, weil sich ein gewisser Schreibdruck aufgebaut hat, der mich nicht sonderlich kreativ denken lässt. Zu berichten gäbe es schon einiges. Die Kollgen in der Firma, in der ich arbeite, lerne ich besser kennen und es baut sich ein wenig Ruhe und Vertrauen auf, – wenn auch auf rein sachlicher und oberflächlicher Basis.

Wenn ich sie mir so von Tag zu Tag ansehe, anhöre und beobachte wie sie ihren Arbeitstag durchleben. Dann merke ich wie sie immer wieder kämpfen. Sie kämpfen mit vielen sachlichen Fehlern und Problemen, die sie möglichst schnell bewältigen wollen. Und je öfter das Telefon klingelt und je öfter sie durch andere Kollegen gestört werden, desto unruhiger und aggressiver reagieren sie. Sie haben eine innere Anspannung und überspielen sie nach und nach mit kleinen Scherzen und Anmerkungen. Sie hangeln sich durch die Stunden und den Tag. Sie wissen, sie können nicht einfach alles hinschmeissen und rausgehen, was anderes machen und das Leben wirklich genießen. Denn sie stehen, genau wie ich und viele andere Menschen in tausend anderen Firmen, unter Leistungs- und Wettbewerbsdruck. Wir stecken im Kreislauf des Kapitalismus und wir brauchen jeden Monat Geld und dieses bekommen wir nur wenn wir schön brav alles tun und lassen, was uns sozusagen mitgeteilt wird.

Eigentlich ist das mitteilen und unterteilen von Aufgaben wie ein Befehl von einem General an seine Soldaten. Natürlich hat jeder Vorgesetzte, wie der Angestellte, Jemanden der über ihn steht und dessen Weisung er sich unterwerfen muss. Freiheit existiert nach meinen bisherigen Erfahrungen und Überlegungen also in keinem vom Menschen bisher geschaffenen System oder Markt. Wenn überhaupt gibt es nur Bruchteile davon und die sind auch nur sehr verkrüpelt. Das Leben was viele Menschen führen, unterscheidet sich kaum vom Sterben. Denn kaum jemand atmet, sieht, riecht, redet wirklich bewußt. Alles ist Routine.

Fast jeden Tag fahre ich mit der S-Bahn zur Arbeit. Sie ist meistens recht voll und viele Menschen sind müde, schlafen, schauen grimmig. Wenige lesen Bücher, ein paar mehr hören Musik und es gibt auch welche die nur ausdruckslos vor sich hinstarren. Jeder scheint so seine Mittelchen zu haben, um sich durch den Alltag zu treiben. Jeder hat seine Argumente warum er jeden Morgen aufsteht, raus in die Kälte, im Halbdunkel mit Fahrrad, Bus und Bahn in die Arbeit zu fahren. Es ist nicht nur Geld, es ist auch das Gefühl gebraucht zu werden, wichtig zu sein und Verantwortung zu tragen. Es ist das Wissen, sich etwas aufzubauen und weiterzukommen. Ist es nicht so? Warum wirken die Menschen dann so niedergeschlagen und ausgehungert? Ist es nicht mehr eine Qual? Eine Flucht in die Zukunft? Wollen die nicht alle etwas sein, obwohl sie diesen toten Zustand nie erreichen können?

Ich lerne und verstehe täglich. Das liegt aber nicht daran das ich mich im Tunnelblick auf die Arbeit und das Geld verdienen konzentriere, sondern weil ich aufhöre mich ständig selbst zu ficken. Jeder Mensch setzt sich selbst unter Druck. Jeder will besser, stärker, schneller, stolzer und wertvoller sein als vorher. Das nenne ich Sklaverei. Das nenne ich Selbstmord. So wird niemand Freiheit erleben und Liebe empfinden. Diese mechanisierte Welt ist voller Menschen die täglich ihr durchgeplantes Leben mit abgepackten, zerkleinerten Vorstellungen, Ideen und Zwängen füllen. Sie sind dabei sich jeden Tag Stück für Stück weiter einzugrenzen, weiter zu vernichten, weiter selbst zu belästigen. Seht Euch die Welt an, das ist nur das Ergebnis der inneren Einstellung von Miliarden Menschen. Wollt ihr sagen, da ist alles in Ordnung, machen wir so weiter?

Es bringt nichts, sich über die Arbeit aufzuregen. Solange man die Verträge einhält, solange man den üblichen ehrgeizigen Plänen der Meisten nacheifert, wird man niemals frei sein. Es gibt keine Freiheit in der Organisation, Moral oder Vernunft. Wir werden jämmerlich einschlafen, durch die Schlafmittelchen die wir selbst eingeworfen haben. Wir wollen nicht einsam sein, sondern immer beschäftigt sein, wir laufen vor unserem Geist und der Wahrheit davon. Meine Kollegen leben ihr Leben, auch wenn es beschränkt und so unendlich langweilig ist. Sie meckern über kleinste Problemchen und wissen gar nicht wie stark sie selbst schuld an ihrer Situation sind.

Ich werde sehen wie es sich bei mir entwickelt. Aber ich achte darauf bewußt zu leben, auch wenn ich durch die allumfassende  Propaganda, die Beschränkung als Freiheit verkauft, einiges zu leisten habe.

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Vierter Tag

Ja, es stellt sich immer stärker eine gewisse Routine ein. Die Vorgänge wiederholen sich und ich begreife einmal mehr, wie stark begrenzt das Arbeitsleben sein kann. Soviele Spezialisten um mich herum, und wenn ich sie mir genauer ansehe, sie durchleuchte und durchdenke. Dann merke ich wie wenig von ihnen übriggeblieben ist. Wieviel Mensch ist von ihnen neben dem Beruf noch übrig?

Sie sind irgendwie gefangen in ihren dienstlichen, beruflichen Fähigkeiten, sie hängen in ihren Verpflichtungen gegenüber dem Arbeitgeber und dem eigenen Verantwortungsgefühl. Treiben sich an, weil sie Geld dafür bekommen, was sie wiederum in Massagen, Kleidung, Auto und so weiter stecken. Das Geld hält das Leben am laufen und damit das Leben läuft und auch in Zukunft weiterläuft, wird viel Energie in den Job gesteckt. In der Hoffnung es würde sich lohnen, mit dem Ziel das es einen bald besser gehen wird als jetzt. Mit dem Ziel bald unabhängig zu sein und in Frührente zu gehen. Mit dem Ziel endlich das Leben genießen zu können und verstehen zu lernen.

Bei manchen meiner Kollegen habe ich das Gefühl, es ist längst zu spät. Ihr Gang ist träge, ihre Blicke trübe, ihr Lachen schief und krumm. Die Sprüche, die Witze, gut einstudierte über die Routine eingespielte Wachmacher und Motivationsschübe. Irgendwie wirken sie weniger lebendig als die Kinder, die ich auf dem Weg zu Arbeit sehe. Die Kinder hüpfen, schreien, lachen und tanzen über die Straßen. Egal bei welchen Wetter. Und die Älteren tapsen schlaff über den Bordstein, als ob sie am liebsten gleich in ein Grab fallen wollten.

Wahrscheinlich haben sie nie ein echtes Gefühl von Freiheit erlebt. Waren nie am Meer und haben dort mal eine Nacht verbracht. Haben nie wirklich geliebt und leidenschaftlich für jemanden gelebt. Sehen sich nie richtig die Sterne an und trauen sich nicht über einfachste Dinge ganz offen zu staunen. Sie haben ihr Leben zu einem Schubladensystem gemacht. Abgesperrt und abgeschirmt. Afrika ist weit weg und von Politik wollen sie auch nichts wissen. Was hat man schon mit der Finanzikrise zutun? Ersparnisse sind sicher, okay und nun?

Gedankenlose Gleichgültigkeit mitten im Leben, mitten im stressigen Arbeiten. Und ich sitze da und schaue mir die Leute an. Was hat das alles nur zu bedeuten? Was wird denn daraus werden, wenn wir weiter so leben? Kann uns das echt mal glücklich machen? Ständig muss jeden Monat die Kohle rein und ob man sich mit der Arbeit identifiziert und ob man sich mit den Kollegen auch menschlich wirklich versthet, alles nur nebensächliche Dinge. Wichtiger ist, das alle Kollegen dazubeitragen, dem Unternehmen zu mehr Effizienz und mehr Geld zu verhelfen. Das ist unser einziges gemeinsames Ziel. Und ich denke das ist so anstrengend und falsch, es bringt uns schneller an den Tod als wir glauben.

Wenigstens kann ich froh sein, morgen ist der letzte Tag der ersten Woche überstanden. Natürlich geht es dann nächste Woche weiter und ich habe am Wochenende viel Bürokratie vor mir. Doch ich habe einige Erkenntnisse gewonnen und einige Herausforderungen bewältigt. Vielleicht wird mir das auch auf meinem Weg durch die Zivilisationen helfen.

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Dritter Tag

Die alltägliche Arbeit wird zur Routine und ich nehme mehr und mehr Fahrt auf. Das Unternehmen ist eine eigene kleine Welt und es gibt ganz schön viele Spezialisten darin. Und ich sollte möglichst bald einer von ihnen sein, denn dann kann ich alles bezahlen was ich zahlen muss und kann in neue Inspirationen investieren.

Die Anfahrt verlief heute glücklich und ohne Schwierigkeiten. Das war sehr angenehm und ich kam gelassen in die Arbeit, begrüsste energiegeladen und voller Schwung die Kollegen. Und das obwohl ich heute morgen kaum aus dem Bett wollte. Ich dachte, ich könnte ohne Probleme 3-4 Stunden weiterschlafen. Aber das würde im Gegensatz zu meiner Einsicht stehen: Ich will weiterkommen und viel lernen. Und das bezieht sich nicht nur auf den Job sondern auf das ganze Leben.

Es fällt mir leichter den Job auszuüben, wenn ich die große Übersicht behalte. Natürlich wird es dadurch nicht vollkommen leicht, aber zumindest sind die Gefühle, das Gemüt und die Gedanken rein und ohne Groll. Das ist wirklich eine entspannte Lebensweise. Ich werde gleich noch im Fitnesscenter an meiner Fitness arbeiten. Ich werde viel Freude dabei empfinden, auch wenn es wirklich anstrengend ist.

Außerdem gibt es weitere Visionen für meine Zukunft. Natürlich kann alles sofort zu Ende sein, aber ich orientiere mich was ich machen könnte und woran ich als Mensch wirklich wachsen könnte. Ich will mich nicht in Luftschlösser verfangen und deshalb plane ich nah an den Fakten und der Wirklichkeit. Das bündelt meine Energie und ich sehe mich auf dem Vormarsch. Mal sehen ob ich mich weiter steigern kann, auch wenn das nicht wirklich mein Ziel ist.

Ich will einfach nur wachsen.

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Zweiter Tag

Der heutige Arbeitstag begann mit einem kleinen Abenteuer. Es gab ein massives Problem bei der Anfahrt und ich stand plötzlich vor dem Problem nicht pünklich bei der Arbeit erscheinen zu können.

Die Taxiunternehmen wollten oder konnten meinen Wünschen und Anforderungen nicht nachkommen. Und so blieb mir nichts anderes als von anderen, nächstgelegenen Menschen Hilfe zu erbitten.

Ein Pilot, ein Chinese und ein Niederbayer teilten mit mir ein Taxi. Sie hatten es wohl viel früher bestellt und packten gerade ihr Zeug ein als sie mir auffielen. Ich fragte nach einem freien Platz und man bejahte lächelnd das sei kein Problem. Die Richtung war auch halbwegs sinnvoll und ich konnte weitaus früher in der Arbeit sein.

Der Pilot und der Chinese unterhielten sich auf Englisch über das Problem das bei der Anfahrt auftrat. Sie wussten nicht genau was los war, also sagte ich ihnen das wohl eine Person in die Gleise gefallen ist und daraufhin sagte der Pilot folgendes: Wenn es ein Suizidversuch war, hätte er das wohl besser in der Nacht tun sollen und nicht zu den Pendlerstoßzeiten.

Bei dem Chaos welches auf den Bahnhöfen auftrat, ist diese Äußerungen nur verständlich aber dennoch respektlos gegenüber das Leid des Einzelnen der in den Gleisen lag. Aber egal, die beiden unterhielten sich weiter über das Oktoberfest und Kollegen. Relativ einfaches Englisch, ich konnte gut die Inhalte nachvollziehen.

Unser Fahrer war wohl ein Türke, sein Deutsch war schwammig, aber er war stets bemüht freundlich zu formulieren und zu agieren. Nur sein Fahrstil war vielleicht etwas riskant und hastig. Wir gerieten auch in einen Stau und mussten uns gedulden. Der Chinese meinte daraufhin, es wäre immer besser in Bewegung zu bleiben als auf einer Position zu verharren. Das klang irgendwie weise.

Jedenfalls kam ich etwas später als am ersten Tag an und etwa 1 Stunde später als von mir geplant. Natürlich wussten alle wichtigen Personen bescheid, da ich telefonisch auf meine Schwierigkeiten verwies. Meine gestrigen Unsicherheiten und Ängste die ich für heute befürchtet hatte, hielten sich in Grenzen.

Es kam eine leichte Welle eines guten Arbeitsklimas bei mir an und ich habe schon eine kleine Routine beim abarbeiten der, für viele, lästigen Ablage. Heute habe ich mich zwar ertappt wie ich auf die Uhr sah und mir wünschte es würde doch einen Zeitsprung geben, aber es war nicht so stark mit unangenehmen Gefühlen verbunden, wie ich es von früheren Arbeitsverhältnissen kannte.

Das liegt wohl auch an der lockeren Art und dem relativ guten Klima innerhalb der Abteilung. Man geht kollegial miteinander um, es dudelt leise ein Radio im Hintergrund, die Arbeit wird meist sehr still absolviert und es gibt kaum echte Unruhestiffter. Es gibt auch keine täglichen Angstmomente, wie vielleicht ein Tagesziel was unbedingt erreicht werden muss. Oder ein steifes begrüssen, verabschieden oder abmelden in die Pause. Es läuft einfach, es gibt immer was zutun und das Wichtigste ich bin beschäftigt und helfe diesen Leuten wirklich weiter. Ich helfe ihnen weiter und sie helfen mir weiter. Das ist ein guter Deal.

Wer weiss wie es hier weitergehen wird. Aber ich werde weiterhin versuchen mein inneres in einem angenehmen Klima zu halten, denn dies ist Voraussetzung für ein harmonisches Arbeitsleben, vorallem dann wenn ich es größtenteils gezwungenermaßen durchleben muss. Wie viele Millionen andere Menschen auch.

Dazu habe ich auch etwas geschrieben, aber dazu wohl in späteren Tagen mehr.

Was ich noch sagen kann: Ich habe mehr geredet und mehr von mir gezeigt. Ich habe den Menschen direkt angesehen, wie sie sich mir öffneten. Vorher war da ein grauer Schal und während des persönlichen Gesprächs blüten sie auf und ich mit ihnen. Das ist denke ich eine gute Grundlage, wobei mir das so nur 2 mal gelang. Aber es gibt so verflucht viele Kollegen hier und ich bilde mir ein das es bisher nur Glück war.

Sollte ich wirklich ein kommunikativer Typ sein? Wir werden sehen.

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Erster Tag

Mein erster Arbeitstag nach einiger Zeit, war mit vielen heftigen Ängsten und Unsicherheiten verbunden. Auch jetzt, nach dem überstandenen Tag spüre ich diese Unruhen in mir mehr oder weniger deutlich. Sie sind Ausdruck meiner Vergangenheit. Meine Erfahrungen vorallem in dieser bestimmten Branche, waren selten wirklich angenehm.

Ich verbinde mein Arbeitsleben immer mit Schmerz, Kampf, Unsicherheit, Ungerechtigkeit, Durststrecken, Langeweile und vielen anderen negativen Aspekten. Ganz besonders dachte ich lange Zeit, Arbeit sei Zeitverschwendung. Weil es mir im Prinzip die Lust und die Freiheit am Leben nimmt. Und das obwohl man durch das verdiente Geld, in dieser Gesellschaft, rein theoretisch, Freiheiten und Privilegien erkaufen könnte.

Nur war mir das immer vollkommen gleichgültig. Geld ist wertlos und der Materialismus genauso. Wir können jederzeit sterben und gerade deshalb müssen wir jetzt unser Leben geniessen. In der Gegenwart und nicht in der Freizeit oder im Urlaub oder an anderen späteren Zeitpunkten irgendwann in der Zukunft. Ich hielt es nie für angebracht dem Glück hinterher zu rennen. Die Erfüllung ist kein Ziel sondern eine Lebensform. Es gibt dafür nur eine Voraussetzung, kreativ Denken und vorallem viel Geduld.

Meine Ahnungen und Befürchtungen sollten an dem heutigen ersten Tag nicht weiter bestätigt werden. Natürlich gab es ein bisschen zuviele neue Gesichter, ein bisschen zuviel an Informationen und alles wirkte etwas steif und holprig. Aber wenigstens hat mich niemand angeschrieen oder gleich meine innerliche Unentschlossenheit erkannt und mich dementsprechend unverzüglich rausgeworfen. Jedes Unternehmen braucht Menschen die motiviert und engagiert sind, ohne zögern und ohne Zweifel.

Ich habe mich engagiert, aber nicht weil ich mich mit dem Unternehmen identifiziere, sondern weil ich größere Vorhaben im Sinn habe. Mir schwebt etwas vor und es braucht Zeit damit es reifen kann.

Das Arbeitsgelände bildet den üblichen Stil des grauen Arbeitens, mit einem Hauch von Moderne. Was die Situation eigentlich nicht wirklich verbessert hat. Ich machte stets gute Miene zum unsicheren Spiel. Wer weiss wie lange das noch gut gehen wird, aber viel mehr Möglichkeiten und Chancen habe ich nicht.

Es gilt diesen Herausforderungen zu absolvieren, egal wie hart es werden wird. Denn es lohnt sich doppelt und dreifach, so bilde ich mir das zumindest ein. Die näheren Kollegen scheinen jedenfalls nett zu sein. Wer weiss was in ihnen schlummert. Was sie für Komplexe und Ängste haben. Ihre Routine überlagt das alles, ich habe den Eindruck es handelt sich um Vollprofis, ein eingespieltes Team, das nur mässig auf Neuzugänge reagiert. Eine kühle Wirkung hat sowas, auch wenn es nicht unbedingt persönlich gegen mich gerichtet ist.

Diesen Zustand bzw. Positionen der Leute in diesem Büro zu überwinden, ist eine der wichtigsten Aufgaben, neben dem Verstehen der unternehmensinternen Systeme und Abläufe. Eine Verbindung zu jedem einzelnen Büromenschen herzustellen und damit kleine Sicherheiten aufzubauen, macht den Alltag sehr viel leichter.

Leider bin ich nicht so der Small-Talk Typ der auf die Menschen zu geht, ihnen begeistert die Handschüttelt und dieses glitzern in den Augen hat. Ich bin ein unsicherer Typ. Alles kann passieren und wenn nicht, im nächsten Moment denke ich wieder darüber nach was passieren könnte. Es gilt zu handeln und nicht zu denken. Ja, ich weiss. Aber in der Realität tue ich mich schwer und hadere mit den neuen Idealen, die eigentlich nur der Fassadenwechsel meiner alten unglücklichen Verhaltensweisen bedeuten.

Das Glück liegt irgendwo da vorne, dachte ich immer. Es ist ganz leicht und schal zu erkennen. Wärmend und sichernd. Wahrscheinlich ist es eine Illusion, ich gerate nackt in einen Reisswolf und habe vor das lächelnd zu überleben. Was für Aussichten, ob es das wert ist? Wie soll es weitergehen, wenn nicht?

Morgen geht es jedenfalls wieder los und der Puls steigt. Ich weiss nicht ob es richtig ist. Ob es nicht sinnvollere Jobs für mich gibt. Aber Fakt ist: Diesmal werde ich nicht davon rennen.

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