Irrtum

Reicher an Armut wiederholt sich die leere Wiederholung im ansatzlosen Verwirrspiel zeitloser, nebliger Grautöne. Verbiedert, verstockt, verklärt, verdummt, verlassen verbaut sich alles. Das Leben als Sackgasse in einem Labyrinth aus Unsagbarem. Das trübe Tal der Enttäuschung ist die letzte Oase des Ertrinkenden. Tiefgegraben, tief gefallen ohne Aussicht auf den Horizont. Die blanke Erschütterung über das eigene Unvermögen treibt die Sucht zur Selbstzerstörung. Das Ende hat nie existiert.  Ich blute in Grautönen. Raues Grauen entfaltet sich in schrecklichen Falten. Irrlichter. Das letzte Wimmern. Das Blühen ist Grauen. Nichts lässt sich verdauen. Alles ist nur gefressen gewesen und ist nun am verwesen. Der alltägliche Krempel wird unter Ratlosigkeit zum Henker. Die letzte und erste Mahlzeit ist der verdorbene Dreck aus alten Jahren. Immer Außenseiter im Kerker geblieben. Jedes Wort ist ein Elefant im Porzellanladen. Das Vergessen ist King. Das Verstummen unter Tauben. Das Leben ist so als ob niemand jemals gelebt hätte. Geboren um zu Sterben, um auf die letzte Stunde zu warten. Es ist nur noch ein Wettbewerb der Zeittotschläger. Immer gewesen. Immer am verwesen. Jedermann verdeckt geradezu unzureichend seine Nichtigkeit. Jedermann ist niemand. Keiner ist jemand. Vom Nichts durchgestrichen und festgehalten. Wer alles gesehen hat, dem ist die Gleichgültigkeit geblieben. Ob jemand stirbt, brennt oder verdirbt. Keiner war jemals hier oder dort. Durchreisende Fieberträume. Mit Ensetzen wächst die Traurigkeit, die Unmöglichkeit den Irrtum ungeschehen zu machen. Belanglose Verletzungen wiederholen sich. Trägheit wird von Alter übertroffen. Müde stirbt der Tag und die Nacht. Umsonst gelebt. Umsonst gelitten. Alles ist vergeben. Nur die Irren lachen noch. Die Maschinen überleben. Die Anderen nicht. Das war so, wird immer so sein. Nur Narren rütteln und sterben daran. Nur die Krankheit erinnert an das Leben, was hätte sein können, irgendwo im Abstrakten jenseits aller Gedanken und jeder Zeit. Ich war nur ein Schatten der vergehen musste. Ein Anhängsel einer Maschinerie ohne Gedanken oder Gefühl. Das letzte Achtung, die letzte Rettung, das letzte Wort und dann wieder sofort: Die Wiederholung.

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Labyrinth

Zumeist geht man neue Wege und verändert sich, doch die Sackgassen sind Routine. Man steigt in den Gängen über die Kadaver vorheriger Generationen und rührt sich nicht daran. Man sackt ihren Krempel ein und sucht weiter nach dem Ausgang. Schliesslich hat der eigene Kopf Jugend und Kompetenz gepachtet. Die Energie pulsiert aus allen Adern und fleischt sich in den größten Saft, bis es platzt. Und die Zeit vergeht. Die Trümmer sind Möbel. Das Leichenfeuer ist das Tablet für Powerpointpräsentationen. Mut mit Anzug. Uhrzeit und Takt. Immer dem Irrtum hinterher. Zwischendrin Enttäuschung. Schmerz. Elend. Wahnsinn. Das alles sind wir. Dabei kommt kein Zweifel auf. Es ist national. Es ist Kapital. Erste Reihe. Zweite Reihe. Jede Reihe. Alles benebelt im Nebel unter Produktion von mehr Giftgas. Mit Power und Kommunikation ins Feld und Büro. Stolz reiben wir uns im Blut. Kotzen auf Knopfdruck. Die Orientierung ist ein gesichtsloses Monster. Tote werden geboren in Sackgassen und gleichgültigen Räumen. Das Lächeln ist eine Atombombe. Die rumpfartigen Kreaturen zerstauben im Kopierraum. Die Wüste spuckt Dreck und Teufel den wir anbeten. Alsbald trägt uns das Alter gen Grab. Es ist auch im Nichts. Umsonst gelebt. Umsonst gesucht. Verschwendet. Nie gewusst was worin verfangen. Die Augen drehen sich nach innen. Die Zungen sind zerschnitten. Die brennenden Kometen spalten Schädel und Gedanken. Republiken voller Verlierer. Unterschiede gibt es nur noch in Varianten von Ratlosigkeit. Taubstumme Stumpfmassen zittern und rationalisieren vor sich hin. Die Wände neigen sich über die Köpfe. Der Himmel wird zerrissen. Ein Königreich für einen Wallhack. Aber er kommt nicht. Nichts ändert sich. Alles wird nur älter, verdirbt und stirbt.

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Nacht

Die Gewohnheit in der Hölle zu leben war immer ein ungewolltes Geschenk, dass sich wie Sisyphos zu seinem Felsblock verhielt, den er auf ewig einen Berg hinaufwälzen muss, nur damit dieser Felsblock am Gipfel wieder hinunter rollt. Doch nun wächst der Fels, das Geschenk, weil die Erfahrungswelt in Bitterkeit ertrinkt. Von Geburt an in das Grauen geworfen, war es immer schon üblich Erkenntnis über bittere Erfahrungen zu erlangen. Aber sie wiegen schwer und verhüten gar nichts. Es ist nicht so, dass nach einem Schlag nie wieder ein weiterer erfolgt. Im Gegenteil, nimmt das Alter zu desto mehr Schläge hat man mitgenommen. Die Schwäche nimmt genauso zu wie das Alter und die Anzahl der eingesteckten Schläge. Und wie immer ist auf niemanden Verlass. Es ist höchstens Verlass darauf, von allen verlassen zu sein. Auch von sich selbst ist man verlassen, schliesslich konnten nie verlässliche Leute gefunden werden. Es gibt nur seltene Andeutungen, die unverbindlich geblieben sind. Ich erheische vom Leben stets nur ein beiläufiges Zwinkern, was man selten gleich als solches erkennt. Ein abstrakter Fingerzeig deutet an, wie es hätte sein können. Ich hätte ein Mensch sein können. Mit Freunden, Familie, Frau, Kindern, Perspektiven, Wohlstand, Glück und Gesundheit. Aber es wird nie so sein. Alles ist verkommen. Alles muss in den Träumen passieren. Und bis dato waren meine Träume immer besser als die Wirklichkeit. Aber auch sie sind vom höllenhaften Alltag reduziert worden. Fantasie wird in der toten Welt nicht gebraucht. Wer sie doch anwendet, gilt als Anarchist und Terrorist. Das Unvermögen der Menschen dem Elend die Stirn zu bieten hat mich ruiniert. Und die Schwangerschaft dieses Ruins begann schon in meiner Kindheit. Es gab Chancen, aber nutzen konnte ich sie nie. Mal wollte ich nicht, mal sah ich sie nicht, mal waren andere oder irgendetwas Schuld. Das Scheitern als Routine hat mich nun vom Anfang des Abgrunds zu seinem Ende geführt. Und jetzt, wo alles Schatten ist, ist meine Ratlosigkeit größer dennje. In allen gesellschaftlichen Kreisen war ich Fremdkörper geblieben. Ich wurde toleriert, aber nur in der Hoffnung, endlich zu gehen. Aus meiner Gewöhnlichkeit habe ich nie einen Hehl gemacht. Das Leben ist absurd, sinnlos und grausam. Ich habe es immer satt gehabt. Ich habe es nicht verstanden. Es hat mich nicht verstanden. Das Leben und ich: Ein einziges Missverständnis. Ich war nicht fähig das Leben zu leben. Anderen scheint es mühelos zu gelingen. Ihr Selbstvertrauen und ihre Stabilität ist mir ein unlösbares Rätsel. Im Bombenhagel zwischen Obdachlosen Melange trinken und das Leben geniessen. Ein Triumph des Irrsinns. Ich bin nie damit fertig geworden. Stecken geblieben. Inkonsequent. Voller Selbstmitleid und Plattheiten habe ich mit wachsenden Lebensalter meinen Ruin schuldhaft selbst vorangetrieben. Je älter man wird desto mehr Schuld hat man auf sich geladen. Erst prägen einen die anderen, schliesslich prägt man sich selbst. Und wenn die große Weigerung nicht gelingt, dann ist man kein Mensch. Die Erwartungen plagen mich, obwohl sie hoffnungslos und einfallslos sind. Ohne Ernsthaftigkeit blicke ich grimmig allem entgegen. Die ganze Existenz ist nur noch lächerlich. Jedes Wort und jedes Gespräch ein neuer Gipfelpunkt der Überflüssigkeit. Aber da sowieso nie jemand zugehört hat und nie irgendjemand aufrichtiges Interesse gezeigt hat, ist die Überflüssigkeit auch noch belanglos. Nichts ändert sich, das Grauen findet nur immer neue Kleider. Wenn man eine Änderung feststellt, dann vorallem an sich selbst. Es schwindet die Jugend und damit der Biss. Starrsinn wird üblich. Gleichgültigkeit und Trostlosigkeit werden nur noch von Bitterkeit und Vergesslichkeit übertroffen. Am Ende sollte Cioran doch Recht behalten, es ist ein Nachteil geboren zu sein.

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Der Letzte

Mehr als die Hälfte meines Lebens bin ich dagegen. Schon fast seit ich denken kann bin ich dagegen. Ich gehörte nie dazu. Und wenn ich dazu gehörte, dann als Geisel. Als Überlebender habe ich letztlich alle Schlachten geschlagen, aber nie gewonnen. Lokalen Terror zu überstehen, heisst nicht den globalen überstanden zu haben. Verletzt zu sein hat seinen Wert verloren. Auch die Wut ist nur noch eine Abstraktion. Der Riss der Welt ist das was ich bin. Die Tendenz der Entwicklung ist, dass es so bleiben wird. Verschleppt zu sein, ist kein Schande. Ich werde dagegen sein, auch wenn es nichts ändert. Der Tod existiert nicht, aber das Leben ist auch gleichgültig. Die allgemeine Sinnlosigkeit des Leids lähmt. Obwohl die Erkenntnis gar nicht so weit weg ist, wurde sie nicht ergriffen. Die Angst, dass alles was man je getan oder gedacht hat, der Auslöser für die Vernichtung allen Lebens ist, sorgt für die Fortsetzung der alltäglichen Katastrophen. In der Ahnung, dass jemand über diesen Wahnsinn richten könnte, wird er auf immer neuerlichen Stufenleitern angefeuert. Jeder Trümmermensch wird noch weiter zertrümmert. Alles wird kurz und klein geschlagen, zerhackt, zerstückelt, zerschnitten. Keiner soll es wissen! Keiner soll sagen können, dass das Heute, die dunkelste Zeit überhaupt ist. Generationen haben umsonst gelebt. Je größer die Zahl desto sinnloser die Generation.

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Die mörderische Einsamkeit & Dummheit im akademischen Milleu

Jeden Morgen überrasche ich mich selbst, denn ich wache lebendig auf. So zäh kann doch keiner sein. Zur völligen Selbstzerstörung hat es nie gereicht. Anstatt alles anzuzünden, was einem gräßlich vorkommt, verbleibt die Situation bei einer stillen und jämmerlichen Hinnahme dessen was einen schändet. Allerdings nicht ohne Grund, ist doch das Abstrakte der Ekel. Etwas zerstören, was nicht greifbar ist, erleichtert nun gerade nicht die Rebellion. Vom endlosen in die Luft schlagen kann schnell die Müdigkeit alle Impulse der Weigerung ersticken. Die Erschöpfung der Spontanität ist nie total möglich, aber doch stark genug, um zu erschlaffen. Das andauernde Verstummen in sterilen, inhumanen Mustern ist Ausgangs- und Endpunkt allgemeiner und individueller Fragilität. Häufig geht der Halt verloren und das ganze Ich strudelt schwerelos im Nichts herum, nur noch vom Körper im Leben festgehalten.

Die ganzen Prüfungen und Ausbildungen stellen eine Art Aussortierungsprozess dar. Wer ist würdig, die möglichen beruflichen Perspektiven tatsächlich zu ergreifen? Das wird über diese formalen Abläufe in den jeweiligen Branchen erledigt. Nur ist eben nicht Talent, Interesse und Durchhaltevermögen ausreichend. An allem hängt ein Preisschild. Das Problem am Erwerb eines Doktortitels ist meist nicht die Intelligenz, sondern die finanzielle Potenz, um die materielle Durststrecke während der Recherchen und Reflexionen refinanzieren zu können. Gibt es nicht genug Geld, so gibt es keinen Doktortitel. Gleiches gilt für Master- oder Bachelorabschlüsse. Das sind grundsätzlich Ausbildungsgänge, die kein Gehalt enthalten. Es ist gesondert mit Risiken als Kredit zu erbetteln oder es wird ein entsprechender Investor gefunden, der einen sofort fallen lässt, wenn die Erwartungen nicht erfüllt werden.

Kürzlich hat sich ein 30 Jähriger Italiener umgebracht. Er hat es nicht mehr ausgehalten, Jahr für Jahr auf eine berufliche Perspektive zu hoffen, die niemals kam. Man kann zynisch sagen, er war nicht zäh genug, doch sein Leiden steht für das Leiden von Milliarden Menschen. In ganz Italien ist seit der Krise die Selbstmordrate um 25 Prozent gestiegen. Davon sind auch Topmanager betroffen. Wir sprechen von einem Massenphänomen, welches auf einen strukturellen Mangel sowie strukturelle Gewalt reagiert. Wer kann es sich angesichts dessen leisten, intellektuell zu sein und sich von dieser Gesellschaft zu distanzieren?

Das Herausfallen z.B. in der Akademie ist nur eine Konsequenz sozialer Praxis, denn inwieweit finden überhaupt noch Bindungen statt? Kommunikation unter den Studenten und Lehrenden findet eher zufällig vor oder nach Vorlesungen und Seminaren statt, dann aber auch nur in kurzen Minuten und großer Eile. Die einzigen Bindungen, die man noch mit großer Großzügigkeit auffinden kann, sind jene, die beim Saufen entstehen. Aber deren Belastungsgrenze ist schnell erreicht. Somit findet das studentische und akademische Leben in enormer Einsamkeit lediglich vor dem Buch statt. Es wird allein gelesen, geschrieben, gedacht und die Diskussion, naja, die hat man zu fantasieren. Dass das Vergessen der jeweiligen Person im akademischen Betrieb vorprogrammiert ist, lässt sich also vom ersten Semester an prognostizieren. Entweder man schickt sich schnell an, bestimmten Dienerfunktionen im Institut nachzukommen und sich für höhere Aufgaben zu empfehlen oder die einzige Bindung zu seiner Fachrichtung besteht aus der Prüfungssituation einmal am Ende des Semesters. Insofern muss es verwundern, dass soviele arbeitslose Akademiker sich erst nach Jahren ihres universitären Abschlusses den Exodus zugefügt haben, denn Gründe für ein vorzeitiges Ableben hätten schon früher leicht gesehen werden können.

Andererseits lassen sich gesellschaftliche Missstände nur über wissenschaftliche Forschung bewältigen, denn in anderen Berufszweigen, wie zum Beispiel in Speditionsgeschäft, wird man keine Sekunde über die mittel- und langfristigen Konsequenzen des eigenen wirtschaftlichen Tuns reflektieren, weil das Tagesgeschäft von enormer Intensität ist und den ganzen Menschen fordert. Ohne mutige Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen, die zum Beispiel bezüglich der Obdachlosigkeit nach Lösungen und Optionen forschen, wird es auch keine Behebung des sozialen Problems geben. Da allerdings die Forschungsmittel für derartige Projekte in Sachen Komplexität einer Unternehmens- oder Parteigründung gleichen, finden solche Forschungen immer weniger statt oder ihre Radikalität hinsichtlich des Abstraktionsvermögens oder der perspektischen Lösungsmethoden ist nahezu unsichtbar, wodurch die gesamte Wissenschaft obsolet gemacht wird. Der Antiintellektualismus wird über die Profitmaixmierung vergrößert und schlägt sich in mangelnden politischen und theoretischen Handlungskompetenzen nieder, was zu einer Zuspitzung z.B. der Obdachlosigkeit führt. So werden Sozialwohnungen verkauft oder teuer zurückgekauft, werden viel zu wenig gebaut oder aufrechterhalten, weil die entsprechenden Kommunen und Lokalpolitiker, die Lage unterschätzen, ignorieren oder verklären, denn auch sie sind voll davon erfasst, die Profite für ihre Abteilung, Partei oder sonstige Organisationsstrktur zu maximieren, ohne sich um die mittel- oder langfristigen Konsequenzen zu kümmern. Die eklatenten Probleme unserer Zeit bleiben liegen und vergrößern sich von Generation zu Generation.

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The Rapening

Jüngst und in der Vergangenheit gingen Meldungen durch die Medien, in denen davon berichtet wurde, dass Nacktfotografien von bekannteren Frauen ungewollt an die Öffentlichkeit gelangten. Es ist Partei zu ergreifen für die Privatssphäre, für gleichberechtigte Teilnahme an der Sexualität, für eine verantwortungsvolle Berichterstattung und für die Opfer, die sich für keine einzige Tat zu entschuldigen oder zu rechtfertigen haben!

Anstatt die Rolle, Ideologie und Taten der Täter zu verurteilen, wird das Opfer plötzlich unter Beschuß genommen, wie könne es doch nur dieses oder jenes „unverantwortlich“ tun? Solche Fragen können nur in einer sexistischen Welt ernsthaft verhandelt werden. Wenn Privatfotos von intimen Momenten voller Verletzlichkeit Menschen in den Selbstmord treiben können, sollte die Frage gestellt sein, welche Verantwortung die jeweiligen Diebe in diesem Zusammenhang besitzen, wenn sie für immer sozusagen die weltweite Verbreitung von solchen privaten Medien vorantreiben. Es sind nicht nur Diebe der jeweiligen Dateien im Spiel, sondern auch Diebe der Identität des Opfers und der Interpretationshoheit des Vorfalls, die man in die Kritik nehmen muss.

Zunächst zu den Dieben der privaten Medien: Vernichtet der Voyeur nicht auch die Fantasie, wenn er sich geleakte Dateien stiehlt und betrachtet? In gewisser Weise liegt in der unbedingten Besitzergreifung auch ein faschistoides Moment, wenn jeder Millimeter einer fremden Individualität beherrscht, inspiziert, gierig verschlungen sein muss, ohne vorher eine entsprechende Erlaubnis dafür erlangt zu haben. Es ist freilich auch ein sexistisches Moment darin, permanent für Norm zu halten, dass alles immer und überall verfügbar sein muss, gleichgültig wie erfolgreich, talentiert, intelligent, lieb und mutig das jeweilige Opfer dieses Übergriffs ist. Es ist eine unermessliche Respektlosigkeit gegenüber der Einzigkartigkeit des jeweiligen Individuums und dessen Willens. Und weil es an Empathie, Fantasie und Rücksicht fehlt, weil die eigenen Interessen über allem stehen sollen, wenn auf diese Leaks zugegriffen wird, zerstört man den letzten Rest an Menschlichkeit in sich selbst, schliesslich ist die Privatssphäre elementar für vertrauensvollen Umgang.

Die Auf- und abspaltung des Menschen von seiner Identität, seinen Rechten, von seinem Körper, der in dem unerlaubten, voyeuristischen Übergriff während der Betrachtung des geleakten Materials liegt, bedeutet auch Teilnahms- und Bezuglosigkeit gegenüber sich und den anderen Menschen, schliesslich ist so eine Tat, und ein Interesse an so einer Tat, keine Basis für eine vertrauensvolle Beziehung. Sie ist sogar im Vorfeld ausgeräumt. Es ist der Beleg, dass die eigene Sexualität und Identität unausgeglichen und unerfüllt sein muss. Der Ursprung der Lustunfähigkeit ist die Unfähigkeit, Lust im anderen zu erzeugen. Letzteres ist nur möglich, wenn man den anderen voll und ganz anerkennt und respektiert. Diese Übergriffe sind Ausdruck einer männlichen Krisenhaftigkeit, welche sich mit Gewalt nimmt, was sie für sich ohnmächtig diktatorisch für sich beansprucht, ohne irgendwelche Absprachen zu unternehmen. In jedem dieser virtuellen und reellen Übergriffe liegt auch die Wut sich und anderen auf konstruktive Weise Lust und Befriedigung zu verschaffen.

Jetzt zu den Dieben der Identität des Opfers und der Interpretationshoheit des Vorfalls: Dass die Massenmedien ein Geschäft aus der Zerstörung von Intimität und insbesondere von weiblicher Intimität vornehmen, scheint für die geifernden Voyeure zusätzlich ihr Verhalten zu rechtfertigen und zu normalisieren und dem jeweiligen Opfer zusätzlich die Luft zum Atmen zu nehmen. Zumal die Medien den Schaden quantitativ, qualitativ unendlich auf Generationen vergrößern, die Nachfrage nach diesen Bildern global erhöhen und sich damit den Übergriffen der Leaker und Voyeure anschliessen. Mit jeder Schlagzeile darüber, wird das Opfer zerstört, während der Profit für die jeweiligen Medien wächst, denn wenn keine Partei für das Opfer übernommen wird, indem deren Interessen wahrgenommen werden, will man ähnlich wie die Diebe der Medien den vollen Zugriff auf dessen Leben, Identität sowie Körper und für sich nutzbar machen. Die einen ziehen Lustgewinn daraus andere zu erniedrigen, die anderen ziehen einen ökonomischen Gewinn daraus darüber affirmativ oder suggestiv zu schreiben. Das Opfer erhält nichts als Vernichtung. Diese grenzenlose Gewalt in der niemand Partei für die Zärtlichkeit, Individualität und die Rechte des Opfers übernimmt, ist auch eine barbarische, endlose Wüste, die alles erstickt, was hätte gut sein können.

Es wurde nichts aus dem Faschismus gelernt. Anstatt die Frauen zu stärken indem man ihre reichhaltige Individualität sichert, stärkt, schützt, erweitert und anreichert, wird ständig so getan, als müsse man längst nichts mehr in dieser Hinsicht unternehmen, obwohl die Missstände von einem unermesslichen ekelhaften alltäglichen Ausmaß sind. Der Feminismus wird nicht ernstgenommen und so wird wieder ein Mensch für den schnellen männlichen Gewinn vernichtet.  Wenngleich noch die Strategie für das Opfer übrig bleibt, die Nacktheit und Lust nun als Trumpf zu wenden, nämlich als Normalität und Zugkraft für das Paradies, denn jeder ist unter seinen Klamotten absurd, nackt und geil, erzwingen die barbarisierten Verhältnisse gerade von Frauen unmenschlichen Mut und Kreativität mit dem Ungleichgewicht von Macht innerhalb der Gesellschaft umzugehen. Diese Größe muss man erstmal haben, wenn alle Elend und Mängelwesen im Abgründigen sind. Wenn der eigene Körper von Millionen betrachtet wird, so ist er hoffentlich nicht nur Ziel von ökonomischer sowie sexueller Ausbeutung, Häme, Hetze, Terror und Schmerz, er ist vielleicht auch der Ausgangspunkt und Quelle zur Überwindung dieser Ohnmachtsstellung. Zugleich muss dafür gekämpft werden, dass soetwas nicht mehr stattfinden kann. Es geht um uns alle, denn jeder kann derart seines Lebens beraubt werden! Unser aller Sexualität, Lust und Privatssphäre steht auf dem Spiel!

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Bruchstück

Mein ganzes Leben lang habe ich versucht mich vor dem Verhängnis des Alltags zu schützen. Aber ich war von Anfang an chancenlos gegen die Entmündigung, Erniedrigung, Entwürdigung, Ohnmacht, Genussunfähigkeit, Interesselosigkeit, Freudlosigkeit, die autistisches Dahinsiechen und wunschloses Unglücklichsein auslöste. Die ermüdende Leere ist sowohl im Privat- wie auch Berufsleben allgegenwärtig. Mein Leben ist ein ein einziger Friedhof gescheiterter Pläne. Meine Sprache, meine Mimik, meine Vernunft, alles ist zerfallen und hemmungslos gewöhnlich. Es wäre alles halb so schlimm, wenn ich allein so ein Bruchstück wäre.

„Wir gehen einer Zeit entgegen, wo alles dürftiger werden wird, da ja die Gleichmacherei auch den Besitz ergriffen hat. Man wird billige Wäsche und billige Bücher verlangen, wie man ja bereits kleine Bilder verlangt, da der Platz für die großen fehlt. Hemden und Bücher werden nicht mehr dauerhaft sein, das Solide verschwindet allmählich.“
(Balzac, Verlorene Illusionen, 1839)

Man ist dem Leben, der Gesellschaft, der Umgebung, dem Beruf und dem Kapital ausgeliefert. Die erlittene Wirklichkeit, wie auch die individuelle Wirklichkeit, die sich in Zerfall und Verfall ausdrückt und obszön als Persönlichkeit verklärt wird. Die einzigen wirklich funktionierenden Schutzmittel und Waffen gegen die Wirklichkeit sind in Geldformen zu finden. Ausschliesslich ein Koffer voll Geld, würde mich vor der Welt retten, würde die Hölle in ein Paradies verwandeln. Wo vorher nur Unmöglichkeiten waren, wären plötzlich lauter Möglichkeiten vorhanden. Ich hätte unendlich Zeit und Raum mich zu entfalten. Es gäbe keine Störfaktoren mehr. Niemand könnte irgendetwas diktieren, außer meine Fantasie und Muse, egal wie verkommen die nun wieder sein mögen. Der Tag und die Nacht wären frei. Unbelastet, unvoreingenommen und unvergiftet. Soweit das noch möglich ist.

Aber niemals findet man einen Koffer voll Geld und das Leben zerrinnt. Es verkommt unaufhaltsam und systematisch. Wenn ständig unter Existenzangst und Unvermögen improvisiert werden muss, um das erbärmliche Überleben sicher zu stellen und das ganze Leben nur noch ein widerlicher Kompromiss ist, eine Konsequenz von Entscheidungen darstellt, die niemals ganz die eigenen waren, dann bleibt nichts lebenswertes übrig. Zur Mängelexistenz kommt die Mangelallgemeinheit und umgekehrt. Es gibt nicht nur niemanden auf den man sich verlassen kann, worunter auch die eigene Persönlichkeit gehört, sondern überhaupt die gesamte Gesellschaft ist vollkommen haltlos geworden. Egal ob man nun Leistung bringt oder nicht: Jeder ist ersetzbar, aber auch zerstörbar. Die Vernichtung von Individuen und Individualität symbolisiert sich in Syrien oder im Mittelmeer. Auf die eigene Individualität kommt es genauso wenig an, wie die Individualität aller anderen. Was man geleistet hat, was man empfindet oder denkt, ist ähnlich irrelevant, wie der Wunsch nach einer anderen Welt oder Menschen, auf die man vertrauen kann. Unsere ganze Welt scheint mehr und mehr ohne Menschen auszukommen und es gibt immer weniger Menschen, die davon Notiz nehmen oder sich daran stören.

Erst hat man es satt, dann ist man übersättigt und schliesslich gibt es überhaupt keinen Ausdruck mehr für den Zustand. Dennoch soll der Tag begonnen und vollzogen werden, als wäre er voller Möglichkeiten und Entscheidungen, die man selbst treffen oder verwerfen kann. Aus Verzweiflung gerät man in chaotische Lagen, ist dauerhaft in Kränkung, Leistungs- und Konkurrenzdruck gefangen bis die ganzen alltäglichen Verletzungen nicht mehr der Rede wert sind und ihre Entzündung zur Tradition überhöht werden. Es ist als ob man ein leeres Papier in einem weißen Raum ohne Wasser, Licht oder Luft wäre. Hier und da kommt eine riesige Schere in den Raum und zerschneidet einen. Natürlich ohne Kommentar. Die Obdachlosigkeit ist nur die sichtbarste Form der allgemeinen Unsichtbarkeit aller Menschen. Der zerstörte, verdreckte, verwirrte und verarmte Mensch, der bettelnd und erniedrigt in den Einkaufsstraßen zerrissen herumliegt und wimmert, ist nur das deutlichste Erscheinungsbild, der inneren Konstitution des modernen Menschen. Viele haben Angst so ein Obdachloser zu sein, dabei merken sie nicht, dass sie es längst sind. Tatsächlich sind sie nur ein paar Mahnungen und Abmahungen davon entfernt.

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