Der Letzte

Mehr als die Hälfte meines Lebens bin ich dagegen. Schon fast seit ich denken kann bin ich dagegen. Ich gehörte nie dazu. Und wenn ich dazu gehörte, dann als Geisel. Als Überlebender habe ich letztlich alle Schlachten geschlagen, aber nie gewonnen. Lokalen Terror zu überstehen, heisst nicht den globalen überstanden zu haben. Verletzt zu sein hat seinen Wert verloren. Auch die Wut ist nur noch eine Abstraktion. Der Riss der Welt ist das was ich bin. Die Tendenz der Entwicklung ist, dass es so bleiben wird. Verschleppt zu sein, ist kein Schande. Ich werde dagegen sein, auch wenn es nichts ändert. Der Tod existiert nicht, aber das Leben ist auch gleichgültig. Die allgemeine Sinnlosigkeit des Leids lähmt. Obwohl die Erkenntnis gar nicht so weit weg ist, wurde sie nicht ergriffen. Die Angst, dass alles was man je getan oder gedacht hat, der Auslöser für die Vernichtung allen Lebens ist, sorgt für die Fortsetzung der alltäglichen Katastrophen. In der Ahnung, dass jemand über diesen Wahnsinn richten könnte, wird er auf immer neuerlichen Stufenleitern angefeuert. Jeder Trümmermensch wird noch weiter zertrümmert. Alles wird kurz und klein geschlagen, zerhackt, zerstückelt, zerschnitten. Keiner soll es wissen! Keiner soll sagen könnten, dass das heute, die dunkelste Zeit überhaupt ist. Generationen haben umsonst gelebt. Je größer die Zahl desto sinnloser die Generation.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Emotionales

Die mörderische Einsamkeit & Dummheit im akademischen Milleu

Jeden Morgen überrasche ich mich selbst, denn ich wache lebendig auf. So zäh kann doch keiner sein. Zur völligen Selbstzerstörung hat es nie gereicht. Anstatt alles anzuzünden, was einem gräßlich vorkommt, verbleibt die Situation bei einer stillen und jämmerlichen Hinnahme dessen was einen schändet. Allerdings nicht ohne Grund, ist doch das Abstrakte der Ekel. Etwas zerstören, was nicht greifbar ist, erleichtert nun gerade nicht die Rebellion. Vom endlosen in die Luft schlagen kann schnell die Müdigkeit alle Impulse der Weigerung ersticken. Die Erschöpfung der Spontanität ist nie total möglich, aber doch stark genug, um zu erschlaffen. Das andauernde Verstummen in sterilen, inhumanen Mustern ist Ausgangs- und Endpunkt allgemeiner und individueller Fragilität. Häufig geht der Halt verloren und das ganze Ich strudelt schwerelos im Nichts herum, nur noch vom Körper im Leben festgehalten.

Die ganzen Prüfungen und Ausbildungen stellen eine Art Aussortierungsprozess dar. Wer ist würdig, die möglichen beruflichen Perspektiven tatsächlich zu ergreifen? Das wird über diese formalen Abläufe in den jeweiligen Branchen erledigt. Nur ist eben nicht Talent, Interesse und Durchhaltevermögen ausreichend. An allem hängt ein Preisschild. Das Problem am Erwerb eines Doktortitels ist meist nicht die Intelligenz, sondern die finanzielle Potenz, um die materielle Durststrecke während der Recherchen und Reflexionen refinanzieren zu können. Gibt es nicht genug Geld, so gibt es keinen Doktortitel. Gleiches gilt für Master- oder Bachelorabschlüsse. Das sind grundsätzlich Ausbildungsgänge, die kein Gehalt enthalten. Es ist gesondert mit Risiken als Kredit zu erbetteln oder es wird ein entsprechender Investor gefunden, der einen sofort fallen lässt, wenn die Erwartungen nicht erfüllt werden.

Kürzlich hat sich ein 30 Jähriger Italiener umgebracht. Er hat es nicht mehr ausgehalten, Jahr für Jahr auf eine berufliche Perspektive zu hoffen, die niemals kam. Man kann zynisch sagen, er war nicht zäh genug, doch sein Leiden steht für das Leiden von Milliarden Menschen. In ganz Italien ist seit der Krise die Selbstmordrate um 25 Prozent gestiegen. Davon sind auch Topmanager betroffen. Wir sprechen von einem Massenphänomen, welches auf einen strukturellen Mangel sowie strukturelle Gewalt reagiert. Wer kann es sich angesichts dessen leisten, intellektuell zu sein und sich von dieser Gesellschaft zu distanzieren?

Das Herausfallen z.B. in der Akademie ist nur eine Konsequenz sozialer Praxis, denn inwieweit finden überhaupt noch Bindungen statt? Kommunikation unter den Studenten und Lehrenden findet eher zufällig vor oder nach Vorlesungen und Seminaren statt, dann aber auch nur in kurzen Minuten und großer Eile. Die einzigen Bindungen, die man noch mit großer Großzügigkeit auffinden kann, sind jene, die beim Saufen entstehen. Aber deren Belastungsgrenze ist schnell erreicht. Somit findet das studentische und akademische Leben in enormer Einsamkeit lediglich vor dem Buch statt. Es wird allein gelesen, geschrieben, gedacht und die Diskussion, naja, die hat man zu fantasieren. Dass das Vergessen der jeweiligen Person im akademischen Betrieb vorprogrammiert ist, lässt sich also vom ersten Semester an prognostizieren. Entweder man schickt sich schnell an, bestimmten Dienerfunktionen im Institut nachzukommen und sich für höhere Aufgaben zu empfehlen oder die einzige Bindung zu seiner Fachrichtung besteht aus der Prüfungssituation einmal am Ende des Semesters. Insofern muss es verwundern, dass soviele arbeitslose Akademiker sich erst nach Jahren ihres universitären Abschlusses den Exodus zugefügt haben, denn Gründe für ein vorzeitiges Ableben hätten schon früher leicht gesehen werden können.

Andererseits lassen sich gesellschaftliche Missstände nur über wissenschaftliche Forschung bewältigen, denn in anderen Berufszweigen, wie zum Beispiel in Speditionsgeschäft, wird man keine Sekunde über die mittel- und langfristigen Konsequenzen des eigenen wirtschaftlichen Tuns reflektieren, weil das Tagesgeschäft von enormer Intensität ist und den ganzen Menschen fordert. Ohne mutige Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen, die zum Beispiel bezüglich der Obdachlosigkeit nach Lösungen und Optionen forschen, wird es auch keine Behebung des sozialen Problems geben. Da allerdings die Forschungsmittel für derartige Projekte in Sachen Komplexität einer Unternehmens- oder Parteigründung gleichen, finden solche Forschungen immer weniger statt oder ihre Radikalität hinsichtlich des Abstraktionsvermögens oder der perspektischen Lösungsmethoden ist nahezu unsichtbar, wodurch die gesamte Wissenschaft obsolet gemacht wird. Der Antiintellektualismus wird über die Profitmaixmierung vergrößert und schlägt sich in mangelnden politischen und theoretischen Handlungskompetenzen nieder, was zu einer Zuspitzung z.B. der Obdachlosigkeit führt. So werden Sozialwohnungen verkauft oder teuer zurückgekauft, werden viel zu wenig gebaut oder aufrechterhalten, weil die entsprechenden Kommunen und Lokalpolitiker, die Lage unterschätzen, ignorieren oder verklären, denn auch sie sind voll davon erfasst, die Profite für ihre Abteilung, Partei oder sonstige Organisationsstrktur zu maximieren, ohne sich um die mittel- oder langfristigen Konsequenzen zu kümmern. Die eklatenten Probleme unserer Zeit bleiben liegen und vergrößern sich von Generation zu Generation.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Gesellschaft

The Rapening

Jüngst und in der Vergangenheit gingen Meldungen durch die Medien, in denen davon berichtet wurde, dass Nacktfotografien von bekannteren Frauen ungewollt an die Öffentlichkeit gelangten. Es ist Partei zu ergreifen für die Privatssphäre, für gleichberechtigte Teilnahme an der Sexualität, für eine verantwortungsvolle Berichterstattung und für die Opfer, die sich für keine einzige Tat zu entschuldigen oder zu rechtfertigen haben!

Anstatt die Rolle, Ideologie und Taten der Täter zu verurteilen, wird das Opfer plötzlich unter Beschuß genommen, wie könne es doch nur dieses oder jenes „unverantwortlich“ tun? Solche Fragen können nur in einer sexistischen Welt ernsthaft verhandelt werden. Wenn Privatfotos von intimen Momenten voller Verletzlichkeit Menschen in den Selbstmord treiben können, sollte die Frage gestellt sein, welche Verantwortung die jeweiligen Diebe in diesem Zusammenhang besitzen, wenn sie für immer sozusagen die weltweite Verbreitung von solchen privaten Medien vorantreiben. Es sind nicht nur Diebe der jeweiligen Dateien im Spiel, sondern auch Diebe der Identität des Opfers und der Interpretationshoheit des Vorfalls, die man in die Kritik nehmen muss.

Zunächst zu den Dieben der privaten Medien: Vernichtet der Voyeur nicht auch die Fantasie, wenn er sich geleakte Dateien stiehlt und betrachtet? In gewisser Weise liegt in der unbedingten Besitzergreifung auch ein faschistoides Moment, wenn jeder Millimeter einer fremden Individualität beherrscht, inspiziert, gierig verschlungen sein muss, ohne vorher eine entsprechende Erlaubnis dafür erlangt zu haben. Es ist freilich auch ein sexistisches Moment darin, permanent für Norm zu halten, dass alles immer und überall verfügbar sein muss, gleichgültig wie erfolgreich, talentiert, intelligent, lieb und mutig das jeweilige Opfer dieses Übergriffs ist. Es ist eine unermessliche Respektlosigkeit gegenüber der Einzigkartigkeit des jeweiligen Individuums und dessen Willens. Und weil es an Empathie, Fantasie und Rücksicht fehlt, weil die eigenen Interessen über allem stehen sollen, wenn auf diese Leaks zugegriffen wird, zerstört man den letzten Rest an Menschlichkeit in sich selbst, schliesslich ist die Privatssphäre elementar für vertrauensvollen Umgang.

Die Auf- und abspaltung des Menschen von seiner Identität, seinen Rechten, von seinem Körper, der in dem unerlaubten, voyeuristischen Übergriff während der Betrachtung des geleakten Materials liegt, bedeutet auch Teilnahms- und Bezuglosigkeit gegenüber sich und den anderen Menschen, schliesslich ist so eine Tat, und ein Interesse an so einer Tat, keine Basis für eine vertrauensvolle Beziehung. Sie ist sogar im Vorfeld ausgeräumt. Es ist der Beleg, dass die eigene Sexualität und Identität unausgeglichen und unerfüllt sein muss. Der Ursprung der Lustunfähigkeit ist die Unfähigkeit, Lust im anderen zu erzeugen. Letzteres ist nur möglich, wenn man den anderen voll und ganz anerkennt und respektiert. Diese Übergriffe sind Ausdruck einer männlichen Krisenhaftigkeit, welche sich mit Gewalt nimmt, was sie für sich ohnmächtig diktatorisch für sich beansprucht, ohne irgendwelche Absprachen zu unternehmen. In jedem dieser virtuellen und reellen Übergriffe liegt auch die Wut sich und anderen auf konstruktive Weise Lust und Befriedigung zu verschaffen.

Jetzt zu den Dieben der Identität des Opfers und der Interpretationshoheit des Vorfalls: Dass die Massenmedien ein Geschäft aus der Zerstörung von Intimität und insbesondere von weiblicher Intimität vornehmen, scheint für die geifernden Voyeure zusätzlich ihr Verhalten zu rechtfertigen und zu normalisieren und dem jeweiligen Opfer zusätzlich die Luft zum Atmen zu nehmen. Zumal die Medien den Schaden quantitativ, qualitativ unendlich auf Generationen vergrößern, die Nachfrage nach diesen Bildern global erhöhen und sich damit den Übergriffen der Leaker und Voyeure anschliessen. Mit jeder Schlagzeile darüber, wird das Opfer zerstört, während der Profit für die jeweiligen Medien wächst, denn wenn keine Partei für das Opfer übernommen wird, indem deren Interessen wahrgenommen werden, will man ähnlich wie die Diebe der Medien den vollen Zugriff auf dessen Leben, Identität sowie Körper und für sich nutzbar machen. Die einen ziehen Lustgewinn daraus andere zu erniedrigen, die anderen ziehen einen ökonomischen Gewinn daraus darüber affirmativ oder suggestiv zu schreiben. Das Opfer erhält nichts als Vernichtung. Diese grenzenlose Gewalt in der niemand Partei für die Zärtlichkeit, Individualität und die Rechte des Opfers übernimmt, ist auch eine barbarische, endlose Wüste, die alles erstickt, was hätte gut sein können.

Es wurde nichts aus dem Faschismus gelernt. Anstatt die Frauen zu stärken indem man ihre reichhaltige Individualität sichert, stärkt, schützt, erweitert und anreichert, wird ständig so getan, als müsse man längst nichts mehr in dieser Hinsicht unternehmen, obwohl die Missstände von einem unermesslichen ekelhaften alltäglichen Ausmaß sind. Der Feminismus wird nicht ernstgenommen und so wird wieder ein Mensch für den schnellen männlichen Gewinn vernichtet.  Wenngleich noch die Strategie für das Opfer übrig bleibt, die Nacktheit und Lust nun als Trumpf zu wenden, nämlich als Normalität und Zugkraft für das Paradies, denn jeder ist unter seinen Klamotten absurd, nackt und geil, erzwingen die barbarisierten Verhältnisse gerade von Frauen unmenschlichen Mut und Kreativität mit dem Ungleichgewicht von Macht innerhalb der Gesellschaft umzugehen. Diese Größe muss man erstmal haben, wenn alle Elend und Mängelwesen im Abgründigen sind. Wenn der eigene Körper von Millionen betrachtet wird, so ist er hoffentlich nicht nur Ziel von ökonomischer sowie sexueller Ausbeutung, Häme, Hetze, Terror und Schmerz, er ist vielleicht auch der Ausgangspunkt und Quelle zur Überwindung dieser Ohnmachtsstellung. Zugleich muss dafür gekämpft werden, dass soetwas nicht mehr stattfinden kann. Es geht um uns alle, denn jeder kann derart seines Lebens beraubt werden! Unser aller Sexualität, Lust und Privatssphäre steht auf dem Spiel!

Ein Kommentar

Eingeordnet unter Gesellschaft

Bruchstück

Mein ganzes Leben lang habe ich versucht mich vor dem Verhängnis des Alltags zu schützen. Aber ich war von Anfang an chancenlos gegen die Entmündigung, Erniedrigung, Entwürdigung, Ohnmacht, Genussunfähigkeit, Interesselosigkeit, Freudlosigkeit, die autistisches Dahinsiechen und wunschloses Unglücklichsein auslöste. Die ermüdende Leere ist sowohl im Privat- wie auch Berufsleben allgegenwärtig. Mein Leben ist ein ein einziger Friedhof gescheiterter Pläne. Meine Sprache, meine Mimik, meine Vernunft, alles ist zerfallen und hemmungslos gewöhnlich. Es wäre alles halb so schlimm, wenn ich allein so ein Bruchstück wäre.

„Wir gehen einer Zeit entgegen, wo alles dürftiger werden wird, da ja die Gleichmacherei auch den Besitz ergriffen hat. Man wird billige Wäsche und billige Bücher verlangen, wie man ja bereits kleine Bilder verlangt, da der Platz für die großen fehlt. Hemden und Bücher werden nicht mehr dauerhaft sein, das Solide verschwindet allmählich.“
(Balzac, Verlorene Illusionen, 1839)

Man ist dem Leben, der Gesellschaft, der Umgebung, dem Beruf und dem Kapital ausgeliefert. Die erlittene Wirklichkeit, wie auch die individuelle Wirklichkeit, die sich in Zerfall und Verfall ausdrückt und obszön als Persönlichkeit verklärt wird. Die einzigen wirklich funktionierenden Schutzmittel und Waffen gegen die Wirklichkeit sind in Geldformen zu finden. Ausschliesslich ein Koffer voll Geld, würde mich vor der Welt retten, würde die Hölle in ein Paradies verwandeln. Wo vorher nur Unmöglichkeiten waren, wären plötzlich lauter Möglichkeiten vorhanden. Ich hätte unendlich Zeit und Raum mich zu entfalten. Es gäbe keine Störfaktoren mehr. Niemand könnte irgendetwas diktieren, außer meine Fantasie und Muse, egal wie verkommen die nun wieder sein mögen. Der Tag und die Nacht wären frei. Unbelastet, unvoreingenommen und unvergiftet. Soweit das noch möglich ist.

Aber niemals findet man einen Koffer voll Geld und das Leben zerrinnt. Es verkommt unaufhaltsam und systematisch. Wenn ständig unter Existenzangst und Unvermögen improvisiert werden muss, um das erbärmliche Überleben sicher zu stellen und das ganze Leben nur noch ein widerlicher Kompromiss ist, eine Konsequenz von Entscheidungen darstellt, die niemals ganz die eigenen waren, dann bleibt nichts lebenswertes übrig. Zur Mängelexistenz kommt die Mangelallgemeinheit und umgekehrt. Es gibt nicht nur niemanden auf den man sich verlassen kann, worunter auch die eigene Persönlichkeit gehört, sondern überhaupt die gesamte Gesellschaft ist vollkommen haltlos geworden. Egal ob man nun Leistung bringt oder nicht: Jeder ist ersetzbar, aber auch zerstörbar. Die Vernichtung von Individuen und Individualität symbolisiert sich in Syrien oder im Mittelmeer. Auf die eigene Individualität kommt es genauso wenig an, wie die Individualität aller anderen. Was man geleistet hat, was man empfindet oder denkt, ist ähnlich irrelevant, wie der Wunsch nach einer anderen Welt oder Menschen, auf die man vertrauen kann. Unsere ganze Welt scheint mehr und mehr ohne Menschen auszukommen und es gibt immer weniger Menschen, die davon Notiz nehmen oder sich daran stören.

Erst hat man es satt, dann ist man übersättigt und schliesslich gibt es überhaupt keinen Ausdruck mehr für den Zustand. Dennoch soll der Tag begonnen und vollzogen werden, als wäre er voller Möglichkeiten und Entscheidungen, die man selbst treffen oder verwerfen kann. Aus Verzweiflung gerät man in chaotische Lagen, ist dauerhaft in Kränkung, Leistungs- und Konkurrenzdruck gefangen bis die ganzen alltäglichen Verletzungen nicht mehr der Rede wert sind und ihre Entzündung zur Tradition überhöht werden. Es ist als ob man ein leeres Papier in einem weißen Raum ohne Wasser, Licht oder Luft wäre. Hier und da kommt eine riesige Schere in den Raum und zerschneidet einen. Natürlich ohne Kommentar. Die Obdachlosigkeit ist nur die sichtbarste Form der allgemeinen Unsichtbarkeit aller Menschen. Der zerstörte, verdreckte, verwirrte und verarmte Mensch, der bettelnd und erniedrigt in den Einkaufsstraßen zerrissen herumliegt und wimmert, ist nur das deutlichste Erscheinungsbild, der inneren Konstitution des modernen Menschen. Viele haben Angst so ein Obdachloser zu sein, dabei merken sie nicht, dass sie es längst sind. Tatsächlich sind sie nur ein paar Mahnungen und Abmahungen davon entfernt.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Emotionales

A simple mind

Die Möglichkeiten eines Menschen sind ähnlich eingeschränkt wie dessen Autonomie. Die Gewöhnlichkeit und Durchschnittlichkeit kann ich bei mir andauernd feststellen. Es gab Entscheidungen, die förderlich waren, keinen Erfolg zu haben. Die eigene Dummheit hat  eine missliche Lage dramatisiert. Das Hadern mit diesem Unvermögen wird ein lebenslanger, schmerzhafter Zustand bleiben. Schutzlos und verletzbar ist man nicht nur außerhalb der Welt, sondern auch in sich, innerhalb der eigenen vier Wände. Erwartungen, Hoffnungen, Gedanken und Ideen stellen sich erst nach Monaten und Jahren als völlig wahnwitzig und grauenvoller Zusammenhang von Verlust sowie Missverständnissen heraus. Wieder wurde Geld, Zeit und Kraft für Luftschlösser verbraten. Ein Schlag ins Wasser. Immer wieder. Einer nach dem anderen. Ein erwachsenes Kind, dass sich ständig beim Spielen blutig schlägt, und nicht merkt, dass der Ernst des Lebens ihm den Boden für diese Experimente enzieht.

Die Enge wächst mit den Lebensjahren. Die Komplexität von Erinnerungen und Erfahrungen bleibt weitgehend unartikuliert. Niemand interessiert sich für irgendetwas aufrichtig und vollständig. Es gilt gerade zu als Stigma, sich in etwas hineinzustürzen, ohne darin einen Profit erhoffen zu können. Zugleich bedrohen diese Träumereien die Reproduktion. Man wächst in die Welt hinein, damit wächst auch der Abgrund in einen selbst hinein. So zugestellt die Welt für Klarheit, Empathie oder Humanität ist, so gilt das auch für die eigene Identität. Dass nichts aus einem werden wird, wird mit den Jahren deutlicher. Alles bleibt undefinierbar. Das schwammige Nichts als Nebelwüste einer grauen Monotonie ohne Raum und Zeit oder Halt. Die uferlose Untröstlichkeit schwankt zwischen wütender Raserei und zynischer Apathie. Ich will mir nicht fatalistisch die Welt über und in den Kopf wachsen lassen, weil ich mich immer noch an die Hoffnung erinnere, sie bewusst zu beleben, aber doch wächst sie überall hin und zementiert, limitiert mich. Vielleicht ist diese Erinnerung auch stets nur eine Wahnvorstellung gewesen. Wer ihr nachgeht, zertrümmert die letzten mageren Ankerpunkte.

Die blinde Sprachlosigkeit mündet immer in Stottern, Phrasen oder unzulänglichen, peinlichen Situationen. Es sind klägliche Versuche verfolgt von Depression und Angst. Die Perspektivlosigkeit wuchert in allen Sekunden. Unterwerfung und Selbstunterwerfung werden zur produktiven, konstruktiven Macht, die alles permanent unterminiert, umdeutet, verschachtelt, bis zur Unerkennbarkeit abstrakt werden lässt. Menschen und ich, das sind stumpfe Rümpfe, kaputtgewordene Herausgefallene, entgrenzte Eingegrenzte, verzweifelte Monolithen, die nur noch mit einem Zittern, einem Bündel aus erstickten Funken, durch die Trümmerwelten ihrer Schattenexistenz irren. Das jämmerliche, verwirrende Gewirr im Getöse der Maschinerie, verkleidet die routinisierte Dauermobilisierung im Dienste der Gesamtvernichtung von allem und aller durch allem und aller. Virtuelle Simulationen dynamisieren unerkannte Abstraktionen, prügeln auf die Restbestände der Subjekte ein und gewinnen Kraft aus den geringen Aktionen und Reaktionen eben dieser. Mythen mystifizieren die schmerzhafte Realität und wer versucht daran zu rütteln, verbrennt, verrennt und verliert sich.

In Zeiten der Not wiegt nicht nur Armut, Hunger, Angst und Wut sehr schwer, sondern auch die fehlende Fähigkeit, jene Kreativität zu entwickeln, sich aus dieser Mangellage herauszuarbeiten. Alle Handgriffe nach Rettung kosten Kraft, die man eigentlich benötigt, um die Schieflage nicht noch schlimmer auszuprägen. Aber greifen muss man doch? Sich nur anzusehen wie Wahnsinn, Tyrannei und Vernichtung sich gesetzmäßig produziert, verteilt, zirkuliert und wirkt, käme einer ewigen höllenhaften Folter gleich. Diese permanente Nicht-Existenz auszuhalten, obwohl es keine revolutionäre Subjektivität zu geben scheint, und die sich laufend steigernde Wirkungskraft der brutalen Apparaturen an sich und anderen arbeiten zu sehen, ist eindeutig unerträglich. Aber es folgt dennoch Tag auf Tag, es geht weiter, die Geschichte zieht einen durch, wie der eigene Körper es laufend tut. Die Wartestellung auf das Ende enthält außerdem noch pestschwarze Langeweile. Darauf zu warten, dass der Himmel Risse bekommt und durch diesen Riss eine riesige Hand nach einem greift, ist dann wohl der Gipfel aller Wahnideen. Allerdings sind die Wahnideen das einzige worauf sich bauen lässt, wenn sonst nichts anderes als abstrakte Herrschaft möglich ist. So, ist die Verbreitung von Religionen schon im eigenen Unvermögen angelegt und daher nachvollziehbar. Das eigene Scheitern ist Teil eines Scheitern der Menschheit zu Bewusstsein zu gelangen und das Leben vernünftig zu leben.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Emotionales

Don’t be afraid. We are all gonna die anyway.

Keine Sekunde darf ein Gedanken darüber verschwendet werden, was andere Menschen über einen denken könnten, wenn man bestimmte Dinge tut oder sagt. Grundsätzlich ist es daher gefragt, möglichst radikal den eigenen Impulsen nachzugehen und ihnen bestmöglichen Ausdruck zu verleihen. Die Angst vor Ablehnung oder Respektlosigkeit ist wie jede Angst letztlich irrational, auch wenn in Gefangenschaft dieser Angst, das nicht direkt auffällig wird. Wir leben in einer Abfolge von Generationen, die den Zerfall und Verfall erleben, leben und reproduzieren. Davon ist niemand frei.

Es ist entscheidend, die Kritik hieran zu maximieren, um sich nicht mit diesem Falschen gemein zu machen. Der Preis ist mit aller Wahrscheinlichkeit, dass das blanke Unverständnis von tausenden Leuten einem entgegenschlägt, schliesslich ist es normal den Alltag hinzunehmen, die Lohnarbeit zu absolvieren, sich einzurichten in den Katastrophen. Freilich gibt es gar keine andere Möglichkeit als sich zu arrangieren, um nicht direkt den Suizid zu vollziehen. Als Konkurrenz- und Rechtssubjekte sind wir ohnehin funktionalisierte, funktionalisierende Objekte, die eingerichtet sind in die Kapitalverwertung und richten diese zugleich aus. Daraus entflieht keiner, egal ob jemand nun in Bangladesh Fußbälle für ein paar Cent zusammen näht, Milliarden auf den Bahamas-Inseln zählt oder in einem besetzten Haus kiffend Fußball guckt. So divers wie die Erscheinungsformen des Lebens sind, so monoton ist ihr Wesen. Das scheinbar Intakte ist nur Ausdruck einer Trägheit von Krise, die sich noch nicht an diesen konkreten Punkt innerhalb einer Beziehung oder Identität durchgeschlagen hat. Allerdings ist nicht, wie es im Titel dieses Textes scheinbar anklingt, von Fatalismus auszugehen, wenn man die Gewissheit hat, dass alles tödlich enden wird, sondern vielmehr für die Zeit und Momente zu streiten, die bis zum Tode möglich sind. Insbesondere geht es um die Potenz nachfolgender Generationen, die sich mit den katastrophalen Folgen der jetzigen Katastrophen herumschlagen werden müssen. Insofern ist die Verantwortung für die Radikalität der Kritik stark intersubjektiv und abstrakt. Konkret dankt einem keiner, wenn man Kategorien und Sozialverhältnisse wie Wert, Gender, Staat, Kapital, Nation, Religion, Lohnarbeit als irrsinnigen Unsinn kritisiert und zurückweist. Es ist allerdings historische Pflicht auf deren Überwindung zu zielen und hinzuarbeiten.

Der Preis für diese Haltung darf nicht unterschätzt werden. Die Folgen können jahrzehntelange Einsamkeit, Armut und kräftezehrende Kämpfe ohne Aussicht auf Erfolg sein. Es gehört zur Historie der Linken grundsätzlich zu Scheitern. Die Auseinandersetzung mit komplexer Theorie verschlingt Jahre bis irgendeine halbwegs gesicherte Erkenntnis möglich ist und selbst dann ist sie womöglich schon wieder veraltet. Auch hier liegt erneut ein Grund vor möglichst radikal vorzugehen und schon beim Einteilen des Alltags keine Kompromisse mehr zu machen. Wer die Theoriearbeit vernachlässigt, vernachlässigt die Menschwerdung der Zivilisation. Die Menschheit befindet sich in der Pubertät und dementsprechend sind die Vorwürfe ihrer einzelnen Exemplare in den meisten Fällen nicht dringlich wahrzunehmen. Die ganze psychische, kognitive bzw. intellektuelle Konstitution des Subjekts wohnt im Zerfall und Verfall, denn die Fähigkeit eines vernünftigen Realitätssinn kann nicht auf der Grundlage von permanenter Mobilmachung für die Kapitalakkumulation gedeihen, auch wenn der produzierte Überfluss eine Dynamik der Möglichkeit zur radikalen Veränderung dieser unmündigen Verhältnisse enthält.

Fehler werden andauernd gemacht. Keiner ist frei von Mängeln. Perfektion wäre Ausdruck von Unmenschlichkeit. Daher darf man sich die eigene Mangelexistenz zugestehen, aber sollte sie zugleich nicht idealisieren. Also keine Angst vor Fehlern, sie sind vielmehr Wegweiser zur wünschenswerten Realität. Die Menschen vergessen einen ohnehin laufend. Sie nehmen häufig nicht einmal Notiz von sich selbst. Alle sind sich fremdgeworden und bluten aus sich heraus. Die Unzuverlässigkeit und Oberflächlichkeit menschlicher Beziehungen resultiert vornehmlich daraus, dass sie dem Kapitalprozess anhängen. Der Zerfall von Empathie und Intellekt kommt daher, weil dieses Vermögen ausschliesslich auf einen monotonen Zweck zugerichtet wird. Generation für Generation war das Wirtschaftswachstum der größte und einzige Imperativ. Alles andere zog sich dem nach. Häufig werden technologische Faktoren wie Smartphones für die Unfähigkeit zur Zwischenmenschlichkeit angeführt, aber das verkennt den inneren Gehalt unserer Gesellschaft. Die sich permanent überschlagende und umwälzende Politökonomie geht von den Individuen aus, die sich damit zugleich ebenso permanent zerstören und für neue Anforderungen der Wertverwertung modernisieren. Dass der Mensch sich permanent selbst verdinglicht und damit die ganze Identität auf eine Maschine reduziert, erzeugt u.a. permanent psychische Gebrechen. Depressionen und Burn-Out gelten als Massenphänomen, aber es gibt auch mildere Subformen davon, die man logischerweise als noch weiter verbreitet vermutet werden können. Auch hier ist wieder ein Argument zu finden, warum man sich nicht von anderen Menschen nicht abhängig machen kann. Ihre Urteile und Verurteilungen beruhen nicht nur auf Antiintellektualismus und Zivilisationsfeindschaft, sondern auch auf Verzweiflung und Regression. Wer diesen Irrationalismus Ernst nimmt, ist selbst Teil davon und wird entsprechend nie wieder glücklich im Leben, obschon Glück ohnehin eine generelle Marginalität ist.

Ohne Distanzierung von der allgemeinen gesellschaftlichen Realität zum Beispiel durch Arbeitslosigkeit, wird auch keine radikale Kritik an ihr möglich sein, weil die Lohnarbeit den Intellekt genauso korrumpiert wie das emotionale Gefüge. Lohnarbeit macht dumm und krank, raubt wertvolle Lebenszeit, wenn nicht gerade das seltene Glück getroffen wurde, von der Kritik monetär leben zu können. Und selbst dann besteht die Gefahr, dass aus Existenzängsten oder ökonomischen-politischen Krisen heraus eine Kündigung droht und daher eine Anpassung also Beschneidung der radikalen Kritik erfolgen muss. Niemand kann einem irgendetwas garantieren. Jeder ist austauschbar. Alle sind abhängig von der Kapitalakkumulation. Es gibt keine Autonomie davon. Permanent ist mit einer enormen Unreife des Geistes und der Tat zu rechnen, die von einem selbst aber auch anderen performativ mehr oder weniger streng und heftig realisiert wird. Selbsterkenntnis bedeutet auch Selbstzerstörung im Sinne von Vernichtung der persönlichen Illusionen, was harte, undankbare Arbeit bedeutet. Wer sich selbst der Illusionen beraubt, der steht ungefiltert einer grauenhaften Realität gegenüber, die allgemein stets verklärt wird. Die lohnende Qualität hierin liegt ausschliesslich darin, dass bei Fortsetzung dieser Tätigkeit eine aufklärende Erklärung ausgebreitet werden kann, die auch andere Menschen inspiriert, diesen Prozess bei sich anzugehen, was letztlich soziale Realität wandeln wird. Allerdings ist das eine sehr romantische Vorstellung, die selbst eingestehen muss, dass das Jahrzehnte andauert, keine Garantien enthält und zugleich permanent bedroht ist von der krisenhaften Alltäglichkeit von Identität bis Kapitalverwertungsprozess.

Der allgemeinen Unkenntnis, dem permanenten Vergessen wohnt auch das Glück inne, sich davon loszulösen und innerhalb von deren blinden Flecken eine Existenz zu fristen, die sich bei entsprechender Hingabe nahezu komplett davon distanziert. Es wird zwar immer ein Restbestand von ekelhafter Instrumentalität und Formalisierung in der eigenen Identität und Realität existieren, aber man kann diesen über Kritik unschädlicher machen, als wenn man sich ohnmächtig ergibt, wie es die breite Masse der Individuen in der Wirtschaft, Politik, Kultur, Kunst, Sport und diversen anderen Segmenten der Gesellschaft unternehmen. Der Konformität aller wohnt auch ein Zauber zur Revolution inne, den es zu erlernen und vollführen gilt.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Emotionales

Gekränkte Charaktermasken

Es gibt eine unbewusste Angst vor der Erkenntnis, welche sich in dysfunktionalen Verhaltensmustern äußert. Die Zivilisationsfeindschaft zeigt sich in konkreten bis diffusen Antiintellektualismus. Das geringe Aufmerksamkeitsvermögen hilft ungemein dabei, nicht hinsehen zu müssen und davon abzusehen, die unbewussten Verhältnisse bewusst zu gestalten. Die grassierende Verantwortungslosigkeit von der direkten Nachbarschaft bis in die Spitzenpolitik zurück ins eigene Hirn, reguliert und definiert die alltägliche Verklärung, Ignoranz, Schiefheilungen und Fehlleistungen. Hieraus ergibt sich eine Denunziation der Erkenntnis sowie ihrer Möglichkeiten. Die Lust am Verdrängen, war historisch stets größer als die Lust zur Erkenntnis und Vernunft.

Die Individuen internalisieren den politökonomischen Verwertungszwang, bilden hieraus ihre Identität, machen sich gleich mit dem Falschen, verdinglichen, instrumentalisieren, formalisieren, entleeren sich, um die Reproduktion der Vernichtung der Zivilisation in modernisierter Form dynamisch zu entfalten. Nachdem also in jeder Kindheit die Individualität sich über Konformität, Gebote und Strafen erst zerbricht und dann zusammensetzt, erfolgt über Ängste, Projektionen, Zwangsgedanken, Gelüste, Obsessionen eine Zementierung und Zuspitzung der individuellen und allgemeinen Ohnmacht und Todessehnsucht. Weder in den persönlichen Beziehungen, im eigenen Körper noch im Unternehmen oder in den Parlamenten ist das Individuum sein eigener Herr. Das Individuum unterliegt als Verleiblichung der Wertverwertung dem Tauschwert gemäß Marx und den unbewussten Triebkräften des Es gemäß Freud. Das Ergebnis ist eine systematische Irrationalität, die laufend individuell internalisiert, interpretiert, aktualisiert und reproduziert wird. Ausdruck davon sind u.a. die destruktiven Befriedigungsformen, die sich politisch im Postnazismus bzw. Nazismus äußern.

Die Welt ist nur noch über den Rückzug in die Kunst und Theorie zu ertragen. Hierbei ist die Dosis möglichst hoch zu halten. Exzessive mehrstündige Sessions in der Theorie und in der Musik sind ein elementares Therapeutikum: Eine kurzfristige Notmaßnahme und Intervention gegen den eigenen und allgemeinen Zerfall. Wenn noch etwas intakt ist, dann die Klarheit des Arguments oder die Dopeness des Vibes. Aber das ist schon Verklärung, eine kitschige bis infantile Romantik, die einer näheren Prüfung nicht stand hält. Die einen stürzen sich in Schlager, die anderen in Vaportrap. Prekär ist die Anlage der Ästhetik von Kunst und der Erkenntniskraft von Literatur, werden sie doch gemeinsam aus dem Elend der Welt geboren. Der Rückzug ins Private ist gar keiner, denn ein Rückzug ist per se unmöglich geworden, weil die Totalität der politökonomischen Vernichtung aller Lebensformen im Sinne des Tauschprinzips alle Exklaven ausgerottet hat.

Die Herabsenkung des Reflexionsvermögens z.B. via Lohnarbeit führt zum Abschluss einer Barbarisierung. Stoisch bis fatalistisch wird das alltägliche Leiden als notwendig akzeptiert. Milliarden Menschen nehmen sich durch willentliche, findige und religiöse Vergötzung zerstörerischer Sozialstrukturen selbst in Geiselnahme eines dialektischen, übermächtigen Unvermögens, wodurch die Realität nicht so gesehen wird, wie sie ist, womit ihre Umgestaltung nach rationalen Kategorien so denkbar scheint wie fliegende Esel. Apathie, Gedankenlosigkeit, Oberflächlichkeit, Rücksichtslosigkeit, Zerfall von Empathie und Intelligenz sind logische Ursachen und Wirkungen einer falschen Welt. Die Menschen sind nur noch wandelbare Abziehbilder und Erfüllungsautomaten der blinden, giftigen Politökonomie, zertrümmerte Wüsten in potentiellen Oasen. Ihnen scheint das Zermalmen Engelsgesang und Teufelsgeschrei zugleich. Die Religiosität der Alltagskultur unterscheidet sich nicht von einem Indianerstamm, obwohl dieser wenigstens noch Ursache und Wirkung in einer Verbindung sehen wollte. Zivilisation bedeutet heute Irrationalität zu rationalisieren, Wahnsinn als Notwendigkeit zu legitimieren, was Hungertote bei gleichzeitigen Wegwerfen von Millionen Tonnen frischer Lebensmittel zum Naturgesetz erklärt. Das Leiden der Menschen ist für die Menschen kein Anlass es abzuschaffen, sondern ist Ansporn, sich noch stärker an die Ursache des Leidens anzuschmiegen.

Ein Ausweg aus der Unmündigkeit kann nur die Potenzierung der Aufklärung bedeuten. Kurzfristige, mittelfristige und langfristige Interventionen gegen die aktuellen Regressionen sowie ihre Ursachen sind das höchste Mittel zur Überwindung des Autoritarismus und Irrationalismus in seinen Millionen Formen und Facetten. Dementsprechend stringent ist die Argumentation auf Psychoanalyse bzw. Erkenntnisse von Freud, Marx, Adorno und vielen anderen zu konzentrieren und auszubilden.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Gesellschaft